Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/din-2137-t2-layout-ausprobiert-die-tastatur-mit-dem-grossen-ss-1905-141154.html    Veröffentlicht: 31.05.2019 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/141154

DIN 2137-T2-Layout ausprobiert

Die Tastatur mit dem großen ß

Das ẞ ist schon lange erlaubt, aber nur schwer zu finden. Europatastaturen sollen das erleichtern, sind aber ebenfalls nur schwer zu finden. Wir haben ein Modell von Cherry ausprobiert - und noch viele weitere Sonderzeichen entdeckt.

Wer eine Textpassage in Versalien schreiben muss, hat es noch immer recht schwer, wenn er das ẞ braucht: Das große Eszett ist seit fast zwei Jahren Teil der amtlichen deutschen Rechtschreibung, wird jedoch weiterhin oft als Doppel-S umschrieben. Denn auf den meisten Tastaturen ist es nur umständlich zu benutzen. Eine Lösung sind sogenannte Europatastaturen oder auch T2-Tastaturen, die der DIN 2137:2012 entsprechen. Diese haben noch weitere Vorteile, denn viele Zeichen, die in Europa üblich sind, sind dort aufgedruckt und damit leicht erreichbar.

Sie sind allerdings schwer zu finden. Selbst der Tastaturspezialist Cherry hat derzeit nur ein einziges Modell als T2-Variante auf Lager: die Cherry Stream 3.0. Die Packung zeigt eine normale deutsche Qwertz-Tastatur, der Barcode-Kleber bezeichnet das Layout als Deutsch/Spanisch. Offenbar ist Cherry-intern nicht ganz klar, wie die Tastatur genannt werden soll. Für Händler dürfte es schwierig sein, sie im Lager wiederzufinden.

Nach dem Auspacken sieht man erheblich mehr Zeichen auf den Tasten als üblich. Der Buchstabe X, sonst nur ein Zeichen, hat drum herum noch das », das „ und das ‚ aufgedruckt. Und beim D befindet sich zusätzlich klein ein ⌀ und ein ð. Nicht zu vergessen: Unter dem H ist das für uns interessante ẞ zu finden.

Bei der Einrichtung der Tastatur haben wir nur ein Problem: Es braucht einen speziellen Treiber, damit sie korrekt interpretiert wird. Außerdem sind einzelne Tasten, die über die Umschaltung Alt Gr+^ erreicht werden, unter Windows zunächst nicht ansprechbar. Dasselbe gilt für einige Diakritika. Trotz Umschaltung über Windows funktioniert der Windows-Treiber erst nach einem Neustart des Systems korrekt. Auch beim Tauschen der Tastaturen hatten wir zwischenzeitlich Probleme, die mit einem Neustart gelöst werden konnten.

Danach können wir Texte mit den wichtigsten europäischen Zeichen fix schreiben - sehr viel schneller als mit der Zeichentabelle und immer noch schneller als durch das Gedrückthalten der Taste unter MacOS und iOS. Wir können mühelos ohne Tabelle, über polnische Złoty schreiben, einen Reisebericht ins dänische Århus verfassen oder mit der České Dráhy nach Prag fahren. Auch über die isländische Stadt Hafnarfjörður können wir berichten, auch wenn wir sie nicht aussprechen können.

Die Gewöhnung an das Tippsystem geht recht schnell. Nach einer Viertelstunde muss man kaum noch überlegen. Es ist aber durchaus schwierig, überhaupt erst einmal herauszufinden, wie manche Zeichen mit welchem Diakritikum konstruiert werden. Gerade beim Č haben wir zunächst ˘C geschrieben, was nicht funktioniert.

Wie alle aktuellen Stream-Tastaturen von Cherry ist es eine flache Tastatur mit Notebook-Tasten. Das Tippgefühl entspricht dem einer modernen Tastatur mit flachem Anschlag, der an Notebooks erinnert: Auch das T2-Modell der Stream verwendet Rubberdome-Tasten, die fest genug sind, um ein knackiges Tippgefühl zu vermitteln. Wer Rubberdome-Tastaturen wegen ihres labbrigen und schwammigen Anschlags nicht mag, könnte Cherrys Stream-Modelle daher schätzen. Die größeren Tasten sind gut stabilisiert; einzig die Medientasten am oberen Rand fühlen sich nicht gut an, was beim Tippen von Texten aber natürlich nicht stört. Insgesamt ist das Tippgefühl auf der speziellen Variante der Stream sehr gut und aufgrund der geringen Lautstärke gut für den Büroalltag geeignet.

Auch das ẞ ist mit der Tastatur kein Problem. Obgleich man es erst selten im privaten Schriftverkehr sieht, ist es beispielsweise in Personalausweisen bereits üblich. Das merkt der Besitzer des Dokuments freilich nur, wenn sein Name mit einem ß geschrieben wird. Für Grenzbeamte kann der Buchstabe zu einem Problemfall werden, denn der maschinenlesbare Teil eines Ausweisdokuments benutzt den Buchstaben nicht, sondern dessen Umschreibung. Dann heißt es manchmal: Der Name im Ausweis ist falsch geschrieben.

Nichts für Linux- und Mac-Nutzer

Unser Mac kann mit der Tastatur nichts anfangen. Auf Linux-Systemen ist die T3-Tastatureinstellung hilfreich, allerdings nicht perfekt. Es bedarf hier vermutlich noch einiger Nacharbeit. Immerhin funktioniert aber das ẞ. Das ist für Mac-Nutzer deutlich komplizierter.

Dem Duden zufolge ist die Verwendung des ẞ in Deutschland fakultativ. Die Schweizer haben das Problem mit dem ß überhaupt nicht. Dort wird grundsätzlich Doppel-S verwendet, weswegen der Deutsche sich bei Schweizer Finanznachrichten gerne wundert, warum Schweizer Banken Probleme mit hohen Bussen haben und sich fragt, ob der Schweizer nun gern in Maßen oder in Massen trinkt. Solche Doppeldeutungen für Wörter gibt es aber auch ohne das ß zur Unterscheidung. Eine lustige Liste gibt es im Internet als PDF.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Cherry Stream 3.0 in der T2-Variante ist für rund 25 Euro bei nur wenigen Händlern in einer findbaren Betitelung erhältlich. Unser Preisvergleich listet sie in Schwarz und Weiß. Die meisten Händler nennen sie nicht T2, DIN 2137 oder Europatastatur; sondern verwenden stattdessen die Layoutangabe Deutsch/Spanisch samt falscher Fotos der Tastatur. Es empfiehlt sich deswegen; noch einmal gezielt nachzufragen.

Eine ältere Variante mit hohen Tasten gibt es nur noch als Resteinträge in wenigen Shops. Die neue KC Slim gibt es leider nicht als T2-Variante. Auf Nachfrage gab Cherry an, dass weitere Modelle derzeit in der Evaluierung sind. In Relation zur Gesamtmenge der Stream-Tastaturen gab Cherry sogar Auskunft über den Anteil der verkauften T2-Tastaturen. Der liegt immerhin bei 0,8 Prozent. Ein Wert, den wir deutlich geringer eingeschätzt hätten, bedenkt man, wie ungewöhnlich das Layout ist.

Beim Konkurrenten Logitech wollte man sich zunächst erst erkundigen und bestätigte dann spät, dass es keine Pläne gibt. Auch von den typischen Büro-PC-Herstellern wie Lenovo, HP, Dell oder Fujitsu sind uns keine T2-Modelle bekannt. Ausschließen können wir es jedoch nicht, denn im Projektgeschäft sind durchaus mal Sonderanfertigungen möglich.

Fazit

Wer viele Texte mit Zeichen aus Europa schreibt, für den ist die T2-Tastatur zwar nicht das Optimum, aber sicher das Beste, was der Markt derzeit hergibt. Gerade unter Windows ist die Zeichentabelle als Alternative, die aus der Urzeit des Betriebssystems stammt, viel zu anstrengend. Und die Tastaturcodes möchte sich auch keiner merken. An die Alt Gr+^-Tastenkombination hat man sich schnell gewöhnt. Die meisten Zeichen lassen sich aber auch mit einem einfachen Alt Gr konstruieren.

Damit ist die Tastatur ideal für Anwender, die Wert auf eine korrekte Schreibweise von Namen, Orten und anderen Wörtern legen. Auch für Nutzer, die zweisprachig aufgewachsen sind, dürfte dies eine interessante Option sein. Zudem ist die Stream 3.0 eine solide und seit Jahren bewährte Bürotastatur, so dass die geringe Auswahl verschmerzbar ist. Für Nutzer, die keine Notebooktasten mögen oder eine ergonomische Tastatur brauchen, ist die Stream 3.0 natürlich keine Wahl.  (ase)


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