Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/strassenbeleuchtung-detroit-kaempft-mit-led-ausfaellen-und-der-hersteller-schweigt-1905-141121.html    Veröffentlicht: 09.05.2019 12:30    Kurz-URL: https://glm.io/141121

Straßenbeleuchtung

Detroit kämpft mit LED-Ausfällen und der Hersteller schweigt

Gut 40 Prozent der Straßenbeleuchtung funktionierten in Detroit vor ein paar Jahren nicht. Mit einem LED-Erneuerungsprogramm sollte das behoben werden. Doch ausgerechnet ein bestimmter Straßenleuchtentyp von Leotek fällt reihenweise aus.

Die Stadt Detroit im US-Bundesstaat Michigan hat ein großes Problem mit ihren neuen LED-Straßenleuchten, wie Detroit News berichtet. Nach nur wenigen Jahren fällt demnach die von Leotek produzierte LED-Straßenbeleuchtung reihenweise aus - das Unternehmen ist verantwortlich für einen großen Teil eines LED-Erneuerungsprogramms in Detroit. Detroit News beruft sich auf Angaben der Public Lighting Authority (PLA) der Stadt. Diese erwarte den Ausfall oder Teilausfall von bis zu 20.000 LED-Leuchten, die entweder schwächer oder "ausbrennen" würden.

Das Problem fiel bereits im Herbst 2018 auf, Leotek hat es auch schon genauer analysiert. Offenbar entsteht enorme Hitze, die dafür sorgt, dass die optische Linse oberhalb der LED ausbrennt. Bilder, die Detroit News zeigt, lassen sogar Löcher in der Optik erkennen. Der Halbleiter-Chip leuchtet - wenn er denn noch funktioniert - durch dieses Loch, dessen Ränder verkohlt aussehen. Leotek hat versprochen sich des Problems anzunehmen, sich laut Vertretern der Stadt aber in den vergangenen Wochen nicht mehr gemeldet. Auch Anfragen von Detroit News wurden nicht beantwortet.

Die Stadt hat für den Kauf von 25.320 LED-Leuchten des Models E-Cobra (PDF-Datenblatt) 3,9 Millionen US-Dollar ausgegeben, das entspricht etwa 155 US-Dollar je Leuchte. Das wirkt recht günstig, zumal der Kaufvorgang 2014 initiiert wurde, als der Einsatz der Technik noch am Anfang stand und die Preise entsprechend hoch waren. Dazu kommen noch einmal 5,9 Millionen US-Dollar für die Installation des Systems. Laut der PLA beinhaltet der Vertrag eine Zehnjahresgarantie inklusive Austauschservice.

Nach Angaben der Stadt verstößt Leotek gegen diesen Vertrag: Das Unternehmen soll sich weigern, Garantieleistungen durchzuführen. Die Stadt hat bereits rechtliche Schritte gegen das Unternehmen ergriffen, schließlich sollten die Leuchtmittel mindestens ein Jahrzehnt überstehen.

Nach Herstellerdaten sollen die Leuchtmittel 90 Prozent ihrer Helligkeit über einen Zeitraum von 100.000 Stunden beibehalten können. Das wären selbst im Dauerbetrieb mehr als 11 Jahre. Da Straßenbeleuchtung zudem nicht sofort bei Sonnenuntergang aktiviert werden muss, kann man davon ausgehen, dass ein Jahrzehnt sehr realistisch ist - zumal LEDs auch unter 90 Prozent noch ausreichend hell sind. Dass Leuchtmittel im Laufe der Zeit dunkler werden, ist ein normaler Vorgang und nicht nur auf LEDs beschränkt.

Durch die Ausfälle der Straßenleuchten sind einige Gegenden Detroits bereits zu dunkel. Detroit News zufolge hatte die Stadt Berkeley im Bundesstaat Kalifornien ebenfalls Probleme mit Leotek. Dort gibt es bereits Verhandlungen über eine Lösung. Der ohnehin arg gebeutelten Stadt Detroit hilft das wenig.

Es trifft eine Stadt, die sich gerade erst erholt

Für die Stadt Detroit ist der Ausfall bitter. Sie gehört zu den Problemstädten in den USA. Die ehemals finanziell gut aufgestellte Stadt kämpft seit Jahrzehnten mit dem Zerfall sowie sozialen Problemen und damit verbundenen Finanzierungslücken. Die größte Stadt des Bundesstaates Michigan rutschte zwischenzeitlich in die Pleite. Es war eine der größten US-Pleiten einer Stadt.

Es waren also schwierige Voraussetzungen, um die Erneuerung voranzutreiben. Laut Detroit News funktionierten vor dem Erneuerungsprogramm 40 Prozent der 88.000 Straßenleuchten in der Stadt nicht, eine hierzulande kaum vorstellbare Ausfallquote. Die Erneuerung der Beleuchtung kostete 185 Millionen US-Dollar; im Dezember 2016 wurde die gesamte Straßenbeleuchtung der Stadt auf LED umgestellt. 65.000 Leuchten sind seither im Einsatz - offenbar konnten einige eingespart werden. Der zu erwartende Ausfall der Leotek-Systeme betrifft also einen großen Teil der Stadt. Bisher rechnet Detroit mit Mehrkosten von 9 Millionen US-Dollar. Probleme mit den anderen und teureren Lösungen nennt Detroit News nicht.

Da Leotek laut Detroit News aber bereits im Dezember 2018 das grundsätzliche Problem zugegeben hat, ist nicht auszuschließen, dass hier noch weitere Ausfälle und damit Kosten entstehen, vor denen sich die Stadt mit der Klage schützen will.

Der Einsatz von LED-Technik in Straßenbeleuchtung steigt weltweit. Es gibt zahlreiche Hersteller und Konzepte, die sich Golem.de im Detail auf der Light + Building 2016 angeschaut hat. Oft wird dabei die Leistungsaufnahme gesenkt, zum einen durch den ohnehin niedrigeren Bedarf und zum anderen in manchen Fällen durch eine intelligentere Ansteuerung. Ein Vorteil der Technik ist zudem, dass LED-Module nicht so oft getauscht werden müssen wie herkömmliche Leuchtmittel.

Manche Städte setzen LED-Straßenleuchten zusätzlich zur weiteren Erhellung von Bereichen ein, weswegen die Technik häufig als Lichtverschmutzer eingestuft wird. Das ist jedoch in der Regel eine Entscheidung der Städte oder Gemeinden und nicht der Technik geschuldet. Gut konstruierte LED-Straßenleuchten müssen nicht heller sein und ahmen mitunter alte Leuchtsysteme nach. In Berlin versucht die Stadt derzeit beispielsweise, alte Gaslaternen per LED-Technik nachzubilden. In einigen Fällen gelingt das sogar recht gut.

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 (ase)


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