Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/pixel-3a-und-3a-xl-im-test-googles-mittelklasse-pixel-kostet-ab-400-euro-1905-141032.html    Veröffentlicht: 07.05.2019 21:00    Kurz-URL: https://glm.io/141032

Pixel 3a und 3a XL im Test

Googles günstiges Pixel mit Pixel-3-Kamera kostet 400 Euro

Die Gerüchte im Vorfeld der diesjährigen Google I/O waren zahlreich, jetzt hat Google das Pixel 3a und das Pixel 3a XL offiziell vorgestellt. Bei der Kamera müssen Käufer keinerlei Abstriche zum Pixel 3 machen - im Preisbereich von 400 Euro gibt es demnach kaum eine bessere Smartphone-Kamera, wie unser Test zeigt.

Google hat auf der Google I/O 2019 die beiden neuen Smartphones Pixel 3a und Pixel 3a XL vorgestellt. Die Geräte sind die ersten von Google selbst gebauten Mittelklasse-Smartphones, die bisherigen Pixel-Modelle waren stets in der Oberklasse angesiedelt.

Bei Preisen ab 400 Euro sollen Nutzer auf möglichst wenig des Pixel-Erlebnisses verzichten müssen, besonders bei der Kamera, die gleich gute Bilder wie das Pixel 3 oder Pixel 3 XL schießen soll. Dieses Ziel erreicht Google, wie wir im Test feststellen können - und auch die restlichen Hardware-Abstriche sind im Alltag zu verschmerzen.

Auf den ersten Blick sehen die beiden neuen Pixel-Modelle dem Pixel 3 und Pixel 3 XL zum Verwechseln ähnlich. Das obere Fünftel der Rückseite ist glänzend, der Rest mattiert. Anders als bei den Pixel-3-Modellen ist die Rückwand allerdings aus Kunststoff und nicht aus Glas. Das verwendete Material fühlt sich aber hochwertig an, die Smartphones sind gut verarbeitet.

Beide Modelle haben ein OLED-Display mit nahezu identischen Auflösungen. Das des Pixel 3a ist 5,6 Zoll groß und hat 2.220 x 1.080 Pixel, der Bildschirm des Pixel 3a XL misst 6 Zoll und hat eine Auflösung von 2.160 x 1.080 Pixeln. Somit ist das Pixel 3a ein klein wenig größer als das Pixel 3, das Pixel 3a XL hingegen ist etwas kleiner als das Pixel 3 XL. Mit durchschnittlich 392 cd/qm beim Pixel 3a und 390 cd/qm beim Pixel 3a XL sind die Smartphones nicht allzu hell, bei starker Sonneneinstrahlung haben wir Probleme, Inhalte zu erkennen. Die Farbwiedergabe der Bildschirme ist trotz OLED natürlich, standardmäßig ist eine adaptive Farbanpassung eingestellt. Beide Displays sind blickwinkelstabil.

Beide Pixel-3a-Modelle haben jeweils keine Notch, die Frontkamera ist bei beiden Geräten ganz traditionell im Rahmen oberhalb des Bildschirms verbaut. Dabei kommt das gleiche 8-Megapixel-Modul wie bei den Pixel-3-Modellen zum Einsatz, allerdings ohne die zweite Kamera. Bei den Pixel-3a-Geräten steht nur ein Weitwinkel für Porträts zur Verfügung, der einen etwas geringeren Bildwinkel als die Weitwinkeleinstellung beim Pixel 3 XL hat. Wir können wie bei den teureren Pixel-Modellen bei den Selbstbildnissen einen Porträtmodus verwenden, der gleich gute Ergebnisse wie beim Pixel 3 und 3 XL liefert. Die Kantentrennung zwischen Vorder- und Hintergrund ist gut, der Schärfeverlauf ist stärker als beim P30 Pro von Huawei.

Auch bei der rückseitig verbauten Hauptkamera veranstaltet Google keine Experimente: Es handelt sich um den gleichen 12,2-Megapixel-Sensor wie bei den Pixel-3-Modellen. Auch bei seinen neuen Smartphones setzt der Hersteller weiterhin auf eine einzelne Kamera und verzichtet auf ein Multikamerasystem. Entsprechend sind auch das Pixel 3a und Pixel 3a XL stark auf Software angewiesen, um beispielsweise Hintergrundunschärfe oder HDR-Effekte zu erzeugen.

Gleiche Algorithmen wie beim Pixel 3

Die verwendeten Algorithmen sind dabei dieselben; entsprechend macht es keinen Unterschied, ob wir ein Foto mit einem Pixel-3- oder einem Pixel-3a-Gerät machen. Das betrifft sowohl Tageslichtaufnahmen, Aufnahmen bei schlechterem Licht, Aufnahmen im Nachtsichtmodus als auch Porträtaufnahmen. In allen Szenarien schneiden das Pixel 3a und 3a XL genauso gut ab wie unser Pixel 3 XL. Angesichts der allgemein hohen Qualität der Kamera des Pixel 3 XL ist das eine gute Nachricht: Käufer der Mittelklasse-Smartphones von Google müssen bis auf das fehlende Teleobjektiv auf der Vorderseite keine Abstriche bei der Kamera machen. Auch KI-Funktionen wie Top Shot, in denen das Smartphone bei aktiviertem Motion-Modus das beste Bild heraussucht und vorschlägt, funktionieren bei den neuen Geräten.

Eine weitere neue Funktion der Pixel-Kameras ist der Zeitraffer. Damit können wir zehnsekündige Videos erstellen, deren Ausgangsmaterial wahlweise 50 Sekunden, 100 Sekunden, 5 Minuten oder 20 Minuten lang ist. So lassen sich beispielsweise Sonnenuntergänge zu kurzen Zeitraffervideos zusammenfassen. Hierbei sollte allerdings ein Stativ verwendet werden, da die Videos ansonsten verwackeln und weitaus weniger eindrucksvoll wirken.

Die Gleichwertigkeit mit den Kameras der Pixel-3-Smartphones bedeutet aber auch, dass die Kameras der beiden neuen Modelle die Nachteile teilen. So können Algorithmen nur bis zu einem gewissen Grad ein Multikamerasystem ersetzen. Das merken wir beispielsweise bei Zoom-Aufnahmen, die etwa beim P30 Pro von Huawei aufgrund des eingebauten Teleobjektivs qualitativ weitaus besser sind. Zwar verfügen auch das Pixel 3a und das Pixel 3a XL über Googles Super-Res-Zoom, einen qualitativ aufgewerteten Digitalzoom, dieser hat aber eine technisch bedingte schlechtere Qualität.

Auch bei den Nachtaufnahmen hat das aktuelle Huawei-Topgerät einen Vorsprung: Der Nachtsichtmodus der Pixel-Smartphones zeigt uns zwar auch in absoluter Dunkelheit noch ein Bild an, verglichen mit dem automatischen Nachtmodus des P30 Pro ist die Qualität aber wesentlich schlechter.

Die Trennung zwischen Vordergrund und Hintergrund bei Porträtaufnahmen ist zwar gelungen, allerdings auch etwas unnatürlich. Anstatt die unterschiedlichen Entfernungen abzustufen, erscheint uns die Unschärfe sehr monoton und vor allem in der Grundeinstellung recht stark. Hier bietet die Konkurrenz bessere Ergebnisse, neben besagtem P30 Pro ist auch die neue Galaxy-S10-Reihe von Samsung zu nennen. Wir können allerdings die Hintergrundunschärfe in Google Fotos noch im Nachhinein regulieren.

Sehr gute Kamera in diesem Preissegment

Insgesamt betrachtet bietet die Kamera des Pixel 3a und Pixel 3a XL aber eine Menge - eben das Gleiche wie die gute Kamera der etwas teureren Pixel 3 und Pixel 3 XL. Bei dem Preisniveau, auf dem sich das Pixel 3a und Pixel 3a XL bewegen, dürfte es schwer sein, eine bessere Kamera zu finden. Verglichen mit teureren Smartphones ist der Nutzungsumfang aufgrund des einzelnen Objektivs aber ähnlich eingeschränkt wie beim Pixel 3.

Reduzierte Hardware reicht im Alltag vollkommen aus

Im Inneren der beiden neuen Pixel-Smartphones läuft Qualcomms Snapdragon-670-SoC. Der Mittelklasse-Chip hat acht Kerne, vier mit einer maximalen Taktrate von 2 GHz und vier mit maximal 1,7 GHz. Als Grafikeinheit kommt eine Adreno 615 zum Einsatz, zudem ist Googles Titan-M-Sicherheits-Chip eingebaut.

Das SoC erreicht im Geräte-Benchmark Geekbench einen Single-Wert von 1.636 Punkten. Das ist angesichts der Leistungsdaten des Chips zu erwarten, verglichen mit Top-Smartphones liefern das Pixel 3a und Pixel 3a XL aber natürlich weniger Leistung. Zum Vergleich: Das Pixel 3 XL kommt in unserem Test auf einen Single-Wert von 2.300 Punkten, das Galaxy S10+ von Samsung auf 4.490 Punkte. Angesichts der unterschiedlichen Preisklasse sind derartige Vergleiche aber nur zur Einordnung sinnvoll und nicht zur Bewertung der Leistung.

Die neuen Pixel-3a-Geräte sind - anders als das Pixel 3 - vom Prozessor her Mittelklassegeräte und erledigen in diesem Rahmen die an sie gestellten Anforderungen problemlos. Die Benutzeroberfläche reagiert flüssig, Apps lassen sich ohne Probleme starten. Auch bei mehreren geöffneten Apps wird das Smartphone nicht merklich langsamer. Wir können auf den beiden Geräten auch mehrere Anwendungen öffnen und zwischen ihnen wechseln, ohne dass die zuerst gestartete App neu geladen werden muss. Verglichen mit leistungsfähigeren Smartphones dürften die neuen Pixel-Geräte bei sehr anspruchsvollen Apps wie etwa manchen Spielen Probleme bekommen, im Alltag reicht die Leistung aber vollkommen aus.

Beide Pixel-3a-Geräte haben Stereolautsprecher verbaut, die für einen schönen räumlichen Klang sorgen. Die Lautstärke ist ausreichend, wenn wir etwas bemängeln würden, dann die etwas schwache Basswiedergabe. Anders als die Pixel-3-Smartphones haben sowohl das Pixel 3a als auch das Pixel 3a XL jeweils eine Klinkenbuchse für einen Kopfhörer. Wie beim Pixel 3 und Pixel 3 XL verzichtet Google auch bei seinen neuen Smartphones auf einen unter dem Display-Glas verbauten Fingerabdrucksensor. Stattdessen kommt ein traditioneller Sensor auf der Rückseite zum Einsatz, der zuverlässig funktioniert.

Sowohl das Pixel 3a als auch das Pixel 3a XL kommen in nur einer Speicherkonfiguration auf den Markt: Der Arbeitsspeicher ist 4 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher 64 GByte. Das ist nicht viel, wenn Nutzer Videos oder Musik auf ihrem Smartphone speichern und viele Fotos aufnehmen wollen, einen Steckplatz für Speicherkarten gibt es nicht. Zumindest bezüglich der Fotos gibt es eine Speicherplatz einsparende Lösung: Wie bei den Pixel-Vorgängern können auch Nutzer des Pixel 3a und Pixel 3a XL ihre Bilder in Originalgröße bei Google Fotos hochladen und müssen sie entsprechend nicht auf den Geräten selbst speichern. Bei anderen Smartphones werden die Bilder stets von der Dateigröße her verkleinert.

Cat11-LTE und eingebaute eSIM

Beide Smartphones verfügen über Active Edge, also einen druckempfindlichen Rahmen. Ist die Funktion aktiviert, lassen sich mit verschiedenen Druckgesten Funktionen und Apps starten. Sowohl das Pixel 3a als auch das Pixel 3a XL unterstützen Cat11-LTE und WLAN nach 802.11ac. Bluetooth läuft in der Version 5.0, ein GPS-Empfänger sowie ein NFC-Chip sind eingebaut. Entsprechend können die Smartphones auch für Google Pay und andere Bezahl-Apps verwendet werden. Neben dem einzelnen SIM-Kartensteckplatz ist in jedem der beiden Geräte eine eSIM verbaut.

Der nicht ohne weiteres wechselbare Akku hat beim Pixel 3a eine Nennladung von 3.000 mAh, beim XL-Modell sind es 3.700 mAh. Videos sollen sich beim Pixel 3a bis zu zwölf Stunden lang wiedergeben lassen, beim Pixel 3a XL bis zu 14 Stunden lang. Einen Full-HD-Film können wir auf dem Pixel 3a über elf Stunden lang anschauen, beim Pixel 3a XL sind es 14 Stunden - die von Google angegebenen Werte sind also realistisch. Beide Smartphones unterstützen Schnellladen, ein 18-Watt-Netzteil wird jeweils mitgeliefert. Drahtlos aufladen können Nutzer die beiden neuen Pixel-Smartphones anders als die Pixel-3-Modelle nicht. Ausgeliefert werden beiden neuen Smartphones mit Android 9, die Beta-Entwicklerversion von Android O kann installiert werden. Google verspricht, für die Geräte drei Jahre lang Android-Updates samt neuer Versionen zu liefern - rein vom Kernel wäre eine längere Zeit möglich.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Pixel 3a wird in Deutschland 400 Euro kosten, das Pixel 3a XL 480 Euro. Im Vergleich kostet das reguläre Pixel 3 bei Google aktuell 600 Euro - für eine bessere Prozessorleistung, die duale Frontkamera, drahtloses Laden und das Glasgehäuse zahlen Käufer also 200 Euro mehr.

Fazit

Mit dem Pixel 3a und dem Pixel 3a XL bringt Google die gute Hauptkamera des Pixel 3 und Pixel 3 XL ohne Einschränkungen für den Mittelklassebereich. Die Pixel-Kamera hat zwar nur ein Objektiv, macht aber dank guter Algorithmen im Allgemeinen sehr gute Bilder. Lediglich im Vergleich zu den Multikamerasystemen aktueller Top-Smartphones kommt die Pixel-Kamera irgendwann an einen Punkt, an dem sie nicht mehr mithalten kann. Dazu zählen beispielsweise Teleaufnahmen, aber auch die Natürlichkeit von Schärfeverläufen oder Aufnahmen in sehr dunklen Umgebungen.

Hier vergleichen wir aber ein 400-Euro-Smartphone mit Geräten, die mehr als das Doppelte kosten. Im Preissegment von um die 400 Euro dürfte es hingegen kaum ein Smartphone mit besserer Kamera geben. Zwar haben mittlerweile auch andere Hersteller in diesem Bereich Smartphones mit Dualkameras auf den Markt gebracht, diese können erfahrungsgemäß aber nicht mit Top-Kameras mithalten, wie es die der neuen Pixel-3a-Geräte nun mal ist.

Die Kamera ist letztlich auch das Ausstattungsmerkmal, das das Pixel 3a und das Pixel 3a XL von der Konkurrenz abhebt. Die Prozessorausstattung ist nicht besonders aufsehenerregend, ebenso wenig der Speicher oder das Display. Es handelt sich um gute Komponenten, allerdings nichts, was im 400-Euro-Feld für besondere Aufmerksamkeit sorgen dürfte.

Wer bei seiner Smartphone-Auswahl allerdings viel Wert auf die Kamera legt, dürfte kaum eine bessere Alternative finden. Dafür müssen Käufer aber auch ein paar Abstriche machen, das betrifft etwa den verhältnismäßig geringen Speicherplatz samt fehlendem Steckplatz für Speicherkarten oder das fehlende drahtlose Laden. Dafür haben die neuen Smartphones jeweils einen Klinkenanschluss für Kopfhörer - manchem Nutzer ist das wichtig.

Insgesamt betrachtet ist Googles Idee, die Pixel-Kamera ohne Einbußen in ein preiswerteres Marktsegment zu bringen, eine gute Idee. Abzuwarten bleibt, wie Google das Pixel 3 preislich im Verhältnis zu den beiden neuen Smartphones einordnet: Das Gerät ist aktuell bereits nur 200 Euro teurer, bietet dafür aber eine Menge mehr an Hardware.  (tk)


Verwandte Artikel:
Android-Smartphone: Google zeigt versehentlich Pixel 3a im Store   
(08.04.2019, https://glm.io/140527 )
Pixel 3a und Pixel 3a XL: Google will an Erfolge der Nexus-Smartphones anknüpfen   
(19.03.2019, https://glm.io/140093 )
Mobile: Foxconn will weniger Android-Smartphones produzieren   
(04.04.2019, https://glm.io/140458 )
P30 Pro im Kameratest: Huawei baut die vielseitigste Smartphone-Kamera   
(09.04.2019, https://glm.io/140547 )
Android 10: Google veröffentlicht erste Betaversion von Android Q   
(14.03.2019, https://glm.io/140009 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/