Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lenovos-smart-display-im-test-ach-google-1905-140993.html    Veröffentlicht: 03.05.2019 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/140993

Lenovos Smart Display im Test

Ach, Google!

Nach Amazon bringt Lenovo den ersten smarten Lautsprecher mit Display nach Deutschland. Googles Smart-Display-Plattform verleiht dem Gerät viel Potenzial - und verschenkt es.

Geräte mit der Sprache zu steuern, ist die natürlichste aller derzeit verfügbaren Steuerungsmöglichkeiten. Dennoch gibt es bei der Nutzung smarter Lautsprecher immer wieder Situationen, in denen ein Display eine Hilfe wäre. Amazon bietet mit dem Echo Show bereits ein Gerät mit Display und Sprachsteuerung an. Google zieht mit seiner Smart-Display-Plattform nach, von der wir uns viel erwarten. Denn Google kann seine Vormachtstellung im Bereich Suchmaschinen nutzen, um seinen Sprachassistenten noch auskunftsfreudiger zu machen als die Konkurrenz.

Wir haben uns daher das erste Gerät für den deutschen Markt mit der Plattform zum Test bestellt, das von Lenovo stammt. Dabei wurden wir ziemlich enttäuscht - allerdings nicht von der Hardware: Das Smart Display kann alles, was ein Lautsprecher mit dem Sprachassistenten Google Assistant kann, und noch ein bisschen mehr. Allerdings wurde der Assistent lieblos mit einem Display verknüpft.

Lenovo bietet die Smart Displays in zwei Ausführungen an: mit einem 8 Zoll großen Display und einem 10 Zoll großen Touchscreen. Beide Geräte gibt es in den USA bereits seit Sommer 2018 und seit Mitte April 2019 in Deutschland. Das 10-Zoll-Modell hat eine Rückseite aus Bambusholzfurnier, das kleine Modell hat hinten eine Kunststoffoberfläche. Beide benötigen eine Stromversorgung und sind kein Ersatz für ein Tablet, dafür haben sie deutlich leistungsfähigere Lautsprecher als ein Tablet.



Die Displays in beiden Lenovo-Geräten spiegeln etwa genauso stark wie die der Echo-Show-Modelle. In der Praxis macht sich die Spiegelung nicht negativ bemerkbar, wenn nicht direkt gegenüber eine Lichtquelle vorhanden ist. Die Displays sind angenehm blickwinkelstabil und eine automatische Helligkeitsregelung sorgt dafür, dass sich die Inhalte immer gut ablesen lassen. Beide Displays haben eine höhere Auflösung als die der Amazon-Konkurrenz. Aber da solche Geräte meist aus großem Abstand genutzt werden, gibt es keinen deutlich sichtbaren Vorteil.

Etwas schade ist, dass das 10-Zoll-Modell den größeren Bildschirm nicht nutzt, um mehr Informationen anzuzeigen als auf dem kleineren Display. Stattdessen werden Inhalte nur größer dargestellt. Hier gefällt uns der Ansatz von Amazon besser. Auf einem großen Echo Show werden mehr Informationen angezeigt als beim kleineren Modell.

Beide Smart Displays haben nur vier Tasten: zwei für die Lautstärkeregelung, einen Schiebeschalter zum Stummschalten oder Aktivieren des Mikrofons und einen weiteren Schalter für die eingebaute Kamera. Wie bei smarten Lautsprechern kann das Mikrofon nur am Gerät umgeschaltet werden. Weder die Kamera noch das Gerät selbst sind schwenkbar. Weitere Anschlüsse fehlen, weder eine Klinkenbuchse noch ein Ethernet-Anschluss sind vorhanden. Die Smart Displays nutzen WLAN und können Inhalte über Bluetooth oder Googles Cast-Protokoll abspielen.



Anders als die Echo Shows können sie nicht manuell abgeschaltet werden - es sei denn, man zieht den Stecker. Der Touchscreen kann auch nicht ganz abschalten, wenn das Gerät länger nicht verwendet wird. Immerhin können wir das Display wie beim Echo Show mit dem Zuruf "Display aus" manuell ausschalten.

Smart Display dient als digitaler Bilderrahmen

Wenn wir das Display nicht auf Zuruf abstellen, wird entweder eine wechselnde Fotogalerie oder eine Uhr eingeblendet. Die Fotogalerie macht das Display zu einem digitalen Bilderrahmen, auch die eigenen Bilder können hier angezeigt werden. Bei Aktivierung des Smart Displays verschwinden die Uhr oder die Bildergalerie und der Startbildschirm erscheint. Er zeigt nicht konfigurierbare Informationen an. Wenn das Mikrofon ausgeschaltet ist, gibt es - im Gegensatz zu smarten Lautsprechern - keine Möglichkeit, den digitalen Assistenten auf Knopfruck zu aktivieren.

Die eingebauten Lautsprecher bieten einen ordentlichen Klang für diese Geräteklasse, erreichen aber nicht ganz das Niveau der konkurrierenden Amazon-Geräte. Wir haben das Smart Display 8 mit dem Echo Show mit 7 Zoll Display verglichen und das Smart Display 10 mit dem Echo Show 10.



Alle vier Lautsprecher spielen Gesang klar und deutlich ab, das macht sich auch bei Sprachantworten positiv bemerkbar. Im Bassbereich unterliegen die beiden Lenovo-Geräte der Amazon-Konkurrenz, die hier beide mehr zu bieten haben. Zudem ist der Klang der Echo-Show-Geräte insgesamt räumlicher, sie profitieren von den eingebauten Stereolautsprechern, während die Lenovo-Displays Mono-Lautsprecher besitzen. Klanglich liegen die beiden Lenovo-Geräte dicht beieinander.

Die Smart Displays lassen sich nicht am Touchscreen einrichten, es ist zwingend ein Android- oder iOS-Gerät erforderlich. Immerhin gibt es mit der Google-Home-App bei der Einrichtung keine weiteren Schwierigkeiten.

Nutzung im Hochformat wäre praktisch

Beide Smart Displays können außer im Querformat auch im Hochformat aufgestellt werden - allerdings fehlt die nötige Software-Unterstützung. Die Software funktioniert nur im Querformat. Lenovo hat Golem.de auf Nachfrage mitgeteilt, dass Google an einem Update arbeite, das eine sinnvolle Hochkantnutzung möglich macht. Dafür gibt es aber keinen Termin.



Dass die Software die Schwäche des Geräts ist, zeigt sich insbesondere bei der Verbindung des Sprachassistenten mit dem Display.

Google Assistant ist schlecht mit dem Display verbunden

Amazon hat den Bereich Smart Displays mit der Einführung des Echo-Show-Lautsprechers, der im November 2017 nach Deutschland gekommen ist, geschaffen. Seit November 2018 gibt es mit dem Echo Show 10 ein Modell mit einer Reihe von Verbesserungen wie einem größeren Display und einer eingebauten Zigbee-Bridge. Für beide Echo-Show-Modelle gibt es seit Herbst 2018 zwei Browser: Damit lassen sich am Gerät alle Fragen beantworten, die durch eine Internetrecherche zu klären sind - allerdings nicht mit Sprachbefehlen. Hier erwarten wir, dass Google als Suchmaschinenkonzern der Konkurrenz einiges voraus hat.

Wir finden es angenehm, wenn ein Gerät mit Sprachsteuerung auch ein Display hat - der Echo Show nutzt das vorbildlich. Der digitale Assistent unterscheidet zwischen den Befehlsarten "Anzeigen" und "Ansagen". Wir können eine Einkaufsliste auf dem Display selbst lesen oder uns diese ansagen lassen. Genau hier patzt Google gewaltig, eine solche Unterscheidung fehlt. Immer werden Informationen auf dem Display mit vorgelesen.

Der Bildschirm in einem Smart Display dient dazu, auf eine Anfrage hin weitere Informationen anzuzeigen. Wenn wir den Wetterbericht für den morgigen Tage erfragen, wird automatisch die Wetteraussicht für die kommenden Tage auf dem Display angezeigt. Wenn mehrere Timer laufen, können wir uns alle anzeigen lassen. Das gilt auch für die Einkaufsliste und Ähnliches. Wir finden es praktisch, dass die Google-Plattform am unteren Rand weiterführende Befehle zur Orientierung zeigt.

Googles Plattform wirkt unfertig

Aber an anderer Stelle wirkt die Plattform unfertig. Wir müssen oft zum Display laufen, um durch Informationen zu blättern. Google hat nicht daran gedacht, einen passenden Sprachbefehl zum Blättern in Listen zu implementieren. Bei manchen Listen ist nicht einmal erkennbar, ob nach dem Blättern weitere Einträge kommen. Wir können mit der Stimme auch keinen Bedienungsschritt zurückgehen. Google erlaubt also keine vollständige Sprachsteuerung für das Gerät und das ist sehr schade. Amazon macht hier vor, wie toll es ist, die gesamte Oberfläche mit der Stimme zu steuern.

Die Smart Displays werden genauso angesprochen wie smarte Lautsprecher. Es stehen vier Aktivierungsfloskeln zur Verfügung, die immer parallel aktiv sind. Wir müssen also "Hey Google", "Okay Google" oder die weniger verbreiteten Phrasen "Hey Buubuu" respektive "Okay Buubuu" sagen und dann lauscht der im Display eingebaute digitale Assistent.



Erst, wenn das Signalwort gefallen ist, werden Sprachbotschaften zu Googles Rechenzentren geschickt und dort verarbeitet. Wir haben die Smart Displays viele Tage direkt neben einem Echo Show betrieben. Die Smart Displays haben sich dabei viel häufiger ungewollt aktiviert als die Amazon-Geräte. Die vielen parallel nutzbaren Aktivierungswörter könnten ein Grund dafür sein.

Es könnte aber auch mit der Qualität der Mikrofone zu tun haben. Wir wollten auf dem Google-Assistant-Gerät im Rahmen des Tests das Lied Rio von Netsky abspielen und brauchten dafür drei Anläufe. Auf den Befehl "spiele Rio von Netsky" wurde erst "Radio" und dann "Video" statt "Rio" verstanden.

Wenn wir den Mikrofon-Stummschalter betätigen, wird das mit passenden Ansagen des Assistenten quittiert. Das nervt, ein einfacher Signalton wie bei Alexa-Geräten genügt uns hier vollkommen. Auch bei der Smart-Home-Steuerung per Sprache finden wir es unnötig, dass unsere gesprochenen Befehle immer nachgeplappert werden. Eine kurze Bestätigung ist für uns ausreichend, Alexa-Geräte agieren da angenehmer.

Wenn die digitalen Assistenten nicht weiterwissen...

Sowohl Alexa als auch Google Assistant stoßen auf smarten Lautsprechern oder Displays immer wieder an ihre Grenzen. Es finden sich immer wieder Wissensfragen, die beide nicht lösen können. In diesem Fall können wir die gleiche Sprachfrage dem Google Assistant auf einem Smartphone stellen und erhalten zumindest ein passendes Suchergebnis und damit eine Antwort auf die Frage.

Wir hatten erwartet, dass Google das auch nutzt und mit smarten Displays ermöglicht. Aber da wurden wir enttäuscht. Wir können keine normale Google-Suche auf dem Smart Display durchführen. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum Google hier so viel Potenzial nicht nutzt.



Eine sonderbare Eigenart fiel uns bei Erinnerungen auf. Während das Smart Display sonst immer alle Informationen auf dem Display vorliest, passiert das bei Erinnerungen nicht. Wer mehr als ein smartes Display im Haushalt hat, bekommt unerklärlicherweise alle Erinnerungen auf beiden Geräten angezeigt - das ist nicht abschaltbar. Der passende Signalton wird aber nur auf dem Gerät abgespielt, auf dem die Erinnerung eingestellt wurde.

Wenn wir gerade nicht im selben Raum wie das Smart Display sind, wenn eine Erinnerung fällig wird, verpassen wir sie leicht. Elf Minuten nach der Erinnerung gibt es auf dem Display keinen Hinweis mehr. Insgesamt überzeugt uns die Umsetzung bei Erinnerungen nicht. Wir finden es auch sonderbar, dass wir mit dem Google Assistant nur Erinnerungen anlegen können, wenn diese mindestens vier Minuten in der Zukunft liegen - solche Einschränkungen gibt es mit Amazons Alexa nicht.

Einschränkungen begegneten uns auch bei den Kalenderfunktionen. Wir können zwar auf Zuruf neue Termine eintragen, aber wir können Termine mit dem Smart Display weder auf Zuruf noch mittels Bildschirm löschen. Beides ist für Amazon-Geräte problemlos möglich.

Positiver sind unsere Erfahrungen als Wiedergabegerät für Filme, Videos und Serien.

Smart Display spielt Youtube-Videos auf Zuruf

In der Disziplin Video liegen die Smart Displays von Lenovo wieder ganz klar vor dem Echo Show. Das liegt daran, dass Google mit Amazon über die Youtube-Nutzung auf Smart Displays streitet: Auf dem Echo Show verbietet sie Google. Amazon hat darauf reagiert und bietet Browser an, um Youtube zu nutzen - allerdings ohne Sprachsteuerung. Auch hat es andere Videostreaming-Plattformen integriert, die sich mit der Stimme steuern lassen.

Googles gewaltige Video-Plattform ist ein großer Gewinn und wenn wir uns auf Zuruf einfach die passenden Videos abspielen lassen können, ist das sehr angenehm. Die Freude wird aber durch eine unzureichende Suchfunktion getrübt. Suchen wir nach Inhalten deutscher Interpreten, brauchen wir oft mehrere Anläufe. Es passiert auch, dass Inhalte gar nicht durch die Sprachsuche gefunden werden, obwohl wir Liedtitel und Interpreten korrekt ansagen.

Youtube-Suche ist sehr pingelig

Dabei ist die Suche sehr pingelig. Sagen wir "Spiele das Video 'Name des Videos' von 'Künstler'", passiert das nicht. Nur das entsprechende Lied wird abgespielt, nicht aber das Video dazu. Damit wir das Video sehen können, müssen wir ausdrücklich Musikvideo statt Video sagen. "Suche auf Youtube nach Musikvideos" wird nicht verstanden. Wir bekommen gar keine Videos angezeigt, sondern Playlisten. Wenn wir einen Künstler dazu ansagen, gibt es das gleiche Problem. Hier muss der Google Assistant noch viel intelligenter werden. Ärgerlicherweise gibt es keine Möglichkeit, eine Suchanfrage über das Display einzugeben, um diese Schwächen zumindest so umgehen zu können.



Smart Display unterstützt Google Cast

Weitere wichtige Streaming-Anbieter sind mit dem Smart Display nicht direkt nutzbar. In den kommenden Wochen sollen sich Fernsehsender über Zattoo auf Zuruf auf einem Smart Display abspielen lassen, wie das Unternehmen Golem.de auf Nachfrage erklärte. Derzeit können nur die Inhalte von ZDF und Prosieben auf Zuruf abgespielt werden, die dann von der Mediathek kommen. Wir können uns per Sprachbefehl keine Übersicht der verfügbaren Inhalte anzeigen lassen, sondern müssen genau wissen, was wir sehen wollen.

Das Google-Assistant-Gerät punktet mit der Unterstützung von Google Cast. Wir können also darüber Inhalte von Sky Ticket, Waipu TV oder anderen Diensten vom Smartphone aus auf das Smart Display bringen. Das funktioniert auch mit Youtube, so dass es aufgrund der schlecht arbeitenden Suche oft schneller ist, das passende Video mittels Tastatur am Smartphone zu suchen und dieses dann auf das Smart Display zu übertragen.

Grob gesagt können alle Inhalte auf dem Smart Display abgespielt werden, die auch auf einem Chromecast wiedergegeben werden können. Doch wir sind auf eine sonderbare Ausnahme gestoßen: Netflix. In der Netflix-App fehlt das Cast-Icon einfach. Wir haben bei Netflix und Google nachgefragt, aber keine Erklärung dafür bekommen. Das ist überraschend, weil Netflix bisher besonders eng mit Google zusammengearbeitet hat. Es ist einer der wenigen Anbieter, mit denen Inhalte mittels Sprachbefehl auf einem Chromecast über einen Google-Assistant-Lautsprecher abgespielt werden können. Das Smart Display lässt sich sogar als Standardfernseher festlegen, aber auch darüber bekamen wir Netflix nicht auf die Lenovo-Geräte.

Prime Video unterstützt derzeit kein Google Cast, das soll aber im Laufe des Jahres nachgefügt werden. Dann wird sich zeigen, ob es auch mit Smart Displays zusammen arbeitet.

Google Actions weiterhin in schlechterer Qualität

Der Funktionsumfang der Smart Displays kann mit sogenannten Actions erweitert werden. Eine speziell für das Display angepasste neue Action ist die von Chefkoch, sie soll Nutzer beim Zubereiten von Speisen unterstützen. Die entsprechende Action wird mittels "Sprich mit Chefkoch" aktiviert. Es ist wichtig, genau diese Phrase zu nutzen. Fragen wir einfach nur nach Rezepten oder sagen "Öffne Chefkoch" erscheint eine von Google selbst erstellte Action. Für den Nutzer ist das maximal verwirrend.

Die von Google selbst zusammengestellte Action fällt durch viele Ungereimtheiten auf. Zutaten werden auch dann mit Nachkommastellen vorgelesen, wenn es nicht notwendig ist. "100,00 Gramm" werden als "einhundert Komma null null Gramm" vorgelesen. Abkürzungen machen auch Probleme: Wenn da "2 Pkte Backpulver" steht, liest Google vor, es würden "zwei Punkte Backpulver" benötigt.

Die Chefkoch-eigene Action geht hier sorgfältiger zu Werke. Wir können damit zudem die Zutatenliste an die Personenzahl anpassen - die Google-Action kann das nicht. Allerdings erschrecken wir erst einmal, als die Chefkoch-Action gestartet wird. Denn wir hören nicht mehr die übliche Google-Assistant-Stimme. Das Gesprochene ist abgehackter, deutlich schlechter betont und damit insgesamt schwerer inhaltlich zu verstehen.



Den Grund dafür hat Google Golem.de auf Nachfrage erklärt: Entwickler einer Google Action haben ganz bewusst keinen Zugriff auf die Google-Assistant-Stimme. Damit will Google erreichen, dass der Anwender merkt, dass er einen Dienst eines anderen Anbieters nutzt. Wenn die dort verwendeten Stimmen nur einfach anders wären als die des Google Assistent, wäre das noch verschmerzbar. Aber die für Actions-Programmierer verfügbaren Stimmen sprechen deutlich schlechter. Daran hat sich seit über einem Jahr nichts geändert.

Wir empfinden es als Nachteil der Google-Assistant-Plattform, dass Käufer der Geräte mit einer schlechteren Leistung abgespeist werden, wenn sie auf eine Action eines Drittanbieters zurückgreifen.

Chefkoch-Action mit Potenzial, aber zu vielen Problemen

Die spezielle Chefkoch-Action umfasst eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Kochen. Und diese ist um Klassen besser als das, was Google aus den Chefkoch-Daten extrahiert hat. Es werden hier nicht mehrere Schritte zu einem Arbeitsschritt zusammengefasst. Damit könnte die Chefkoch-Action eine gute Hilfe beim Kochen sein.



In der Praxis sorgen aber Beschränkungen durch Google dafür, dass es keine Freude macht. Denn sobald eine Action aktiv ist, können wir nur Befehle ausführen, die von der betreffenden Action verstanden werden. Sagen wir bei laufendem Chefkoch, dass wir einen Timer stellen oder Musik abspielen wollen, passiert nichts. Der Google Assistant scheint deaktiviert zu sein.

Wir können das Dilemma nur lösen, indem wir die Action verlassen. Dann müssen wir uns mühsam zu dem Kochschritt zurückhangeln, an dem wir aufgehört haben. Die Action merkt sich nur das von uns zuletzt aufgerufene Rezept, nicht die Stelle. Dieses Problem taucht auch beim Kochen auf: Wenn eine Action länger als fünf Minuten nicht genutzt wird, beendet sie sich. Auch dann müssen wir erst mühsam zum letzten Arbeitsschritt gehen. Nachdem wir das ein paarmal durchexerziert haben, hatten wir keine Lust mehr, der Frust war zu groß.

Kostenloses Youtube Music ohne Einschränkungen

Eine erfreuliche Besonderheit fiel uns bei der Nutzung der Smart Displays auf. Wir konnten ohne Beschränkungen direkt auf alle Inhalte von Youtube Music zugreifen - in der Gratisversion. Während es also diesbezüglich auf smarten Lautsprechern Beschränkungen bei der Musiknutzung gibt, gab es die auf Smart Displays nicht.

An der Menge der unterstützten Musikstreamingdienste hat sich in den vergangenen Monaten nichts geändert. Weiterhin stehen neben Googles eigenen Angeboten Youtube Music und Play Musik, Deezer sowie Spotify zur Verfügung. Spotify kann dabei auch mit dem kostenlosen, werbefinanzierten Konto genutzt werden. Alle genannten Musikstreamingdienste können komplett mit der Stimme gesteuert werden.

Ende Februar 2019 tauchte unerwartet ein Eintrag für Apple Music in der Google-Home-App auf. Es ist also damit zu rechnen, dass irgendwann Apple Music als weiterer Streamingdienst dazukommt. Auch die Smart Displays haben weiterhin keine getrennte Lautstärkeeinstellung für Musik und die Stimme des Assistenten: Wenn wir also laut Musik gehört haben und dann einen Sprachbefehl tätigen, werden wir ordentlich angebrüllt. Die Smart Displays können zusammen mit anderen Google-Assistant-Lautsprechern als Multiroom-Musik-Gruppe verbunden werden, um auf allen Lautsprechern die Musik zur gleichen Zeit abspielen zu können.

Kamera kaum nutzbar

Zum Schluss noch ein paar Worte zur eingebauten Kamera. Diese kann nur benutzt werden, wenn über Google Duo mit anderen Google-Konten telefoniert wird. Generell ermöglicht es Google nicht, zwischen zwei Smart Displays in einem Haushalt Videotelefonate zu führen. Hier ist Amazon Google meilenweit voraus.



Für die Einrichtung von Google Duo müssen wir zwingend eine gültige Mobilfunkrufnummer hinterlegen. Bei der Alexa-Anruffunktion ist das nicht erforderlich, das finden wir angenehmer. Wir können mal eben über Alexa vom Smartphone aus einen Echo Show daheim anrufen, mit Googles Smart-Display-Plattform ist das nicht möglich, hat uns der Hersteller auf Nachfrage bestätigt.

Wie auch bei den Amazon-Geräten kann die eingebaute Kamera nicht nur als Kamera genutzt werden, ohne ein Videotelefonat durchzuführen. Dabei kann es ja durchaus praktisch sein, mal vom Arbeitszimmer aus nachzusehen, ob die Kinder im Wohnzimmer keinen Unsinn machen. Aber wer das wünscht, muss sich eine separate Kamera zusätzlich anschaffen.

Verfügbarkeit und Fazit

Lenovos Smart Display mit 8-Zoll-Display ist für 180 Euro erhältlich. Das Smart Display mit 10-Zoll-Touchscreen kostet 240 Euro. Bisher hat Google sein eigenes Smart Display namens Home Hub noch nicht für den deutschen Markt angekündigt, in den USA wird es schon länger verkauft. Auch in den USA sind erst die Lenovo-Geräte erschienen, bevor Google sein eigenes Smart Display angeboten hatte. Daher ist zu erwarten, dass Google zu einem späteren Zeitpunkt auch den Home Hub in Deutschland anbieten wird.

Fazit

Lenovos Smart Displays sind die ersten Konkurrenten für Amazons Echo Show auf dem deutschen Markt. Beides sind gute Geräte mit einem tollen Touchscreen und gutem Klang - wenn auch im Bassbereich etwas schwach. Unzufrieden sind wir jedoch mit der Software. Google hat nicht zu Ende gedacht, wie ein Display die Sprachsteuerung ergänzen kann. Immer wieder müssen wir mit dem Finger das Display bedienen, weil Google versäumt hat, passende Sprachbefehle anzubieten - das ist nervig. Der Echo Show ist hier um Welten besser - Google sollte ganz schnell nachbessern.

Auch seinen eigenen Sprachassistenten schöpft Google nicht aus. Uns ist vollkommen unbegreiflich, dass Googles Smart-Display-Plattform nicht die gleichen Möglichkeiten bietet wie der Google Assistant auf dem Smartphone. Damit wird unfassbar viel Potenzial verschenkt: Durch seinen Vorsprung im Suchmaschinenbereich könnte Google ganz viele Nachteile gegenüber den konkurrierenden Geräten von Amazon wettmachen und hätte ein echtes Killer-Feature. Denn sowohl Google Assistant als auch Amazons Alexa wissen weiterhin immer wieder mal auf Fragen keine passende Antwort.

Der Klang der Smart Displays ist für diese Geräteklasse gut. Positiv ist die Integration von Youtube und die enorme Fülle an Videos, die es auf der Plattform gibt - auch wenn leider derzeit keine anderen wichtigen Videostreamingangebote vorhanden sind. Hier ist aber das Google-Cast-Protokoll eine passable Alternative. Darüber können wir viele Inhalte vom Smartphone aus auf dem Smart Display abspielen - ein gewaltiger Vorteil gegenüber dem Echo Show, der keine vergleichbare Funktion kennt. Es ist allerdings ärgerlich, dass ausgerechnet Netflix nicht funktioniert.

In der derzeitigen Form finden wir Googles Smart-Display-Plattform nicht ausgereift, wir stoßen bei der täglichen Nutzung auf zu viele Probleme. Im Vergleich macht die Nutzung von Amazons Echo Show mehr Freude - es ist das bessere Gesamtpaket.



Wer weniger Geld ausgeben will, kann zum Smart Display 8 mit dem kleineren Display greifen. Wer nicht auf die 60 Euro Preisunterschied achten muss, greift zum Smart Display 10 und bekommt das größere Display, das vor allem bei Videos zum Tragen kommt.  (ip)


Verwandte Artikel:
Nest Hub im Test: Google vermasselt es 1A   
(28.05.2019, https://glm.io/141534 )
Smart Display: Lenovo bringt Google-Assistant-Display für 180 Euro   
(08.04.2019, https://glm.io/140517 )
Google Assistant: Zattoo Premium spielt das aktuelle TV-Programm auf Zuruf   
(28.05.2019, https://glm.io/141569 )
Nest Hub im Hands On: Googles erstes Smart Display kostet 130 Euro   
(07.05.2019, https://glm.io/141099 )
Nest Hub Max: Integriert Google Überwachungskamera in ein smartes Display?   
(31.03.2019, https://glm.io/140360 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/