Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kontist-n26-holvi-neue-banking-apps-machen-gute-angebote-fuer-freelancer-1905-140967.html    Veröffentlicht: 14.05.2019 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/140967

Kontist, N26, Holvi

Neue Banking-Apps machen gute Angebote für Freelancer

Ein mobiles und dazu noch kostenloses Geschäftskonto für Freiberufler versprechen Startups wie Kontist, N26 oder Holvi. Doch sind die Newcomer eine Alternative zu den Freelancer-Konten der großen Filialbanken? Ja, sind sie - mit einer kleinen Einschränkung.

Der Blick aufs Smartphone dürfte für die meisten Menschen mittlerweile zur selbstverständlichen und täglichen Routine gehören. Insbesondere das Thema Mobile Banking spielt laut einer Statista-Umfrage von 2017 für Smartphonenutzer eine große Rolle. Doch gerade in Sachen Finanzen werden nicht alle Berufsgruppen gleich behandelt. Während Angestellte im Google Play-Store auf zahlreiche Banking-Apps zurückgreifen können, gehen viele Freiberufler und Selbstständige oftmals noch zur nächsten Sparkasse oder Volksbank, um ihren Kontostand zu checken - oder nutzen ein Web-Banking, das technisch scheinbar noch aus den 1990er-Jahren stammt.

Das liegt vor allem daran, dass moderne Smartphonekonten für Freelancer für die meisten Banken bislang kein bedeutendes Geschäftsfeld sind. Überhaupt ein Privatkonto zu Geschäftszwecken zu eröffnen, ist für Freiberufler fast unmöglich. In den AGB der Banken ist diese Möglichkeit in der Regel ausgeschlossen. Wer es trotzdem tut, muss mit einer Kontokündigung durch die Bank rechnen. Banken haben mit Geschäfts- beziehungsweise Firmenkunden einen höheren Buchungsaufwand und kalkulieren deren Kontomodelle anders. So müssen Freiberufler und Selbstständige üblicherweise für beleglose Buchungen zahlen, und es fällt eine monatliche Pauschale an, während dies für Angestellte inklusive ist.

Neue Dienstleister wie Kontist, N26 und Holvi könnten diese Lücke schließen. Interessant werden die Smartphone-Angebote aktuell durch zusätzliche Features wie die Integration von Buchhaltungssoftware. Beim Thema Dispokredit für Freelancer sind aber auch die Newcomer vorsichtig, mit einer strengen Risikoprüfung wollen sie sich vor Kreditausfällen schützen. Sollte die Einrichtung eines Dispos möglich sein, müssen sich Freelancer üblicherweise auf sehr genaue Prüfungen ihrer Einkommenssituation einstellen.

Kontist

Das Berliner Startup Kontist hat sich unter Freelancern einen Namen gemacht. Das liegt vor allem an umfangreichen App-Features, die in dieser Form kein anderer Anbieter hat. So gibt es zum Beispiel eine Echtzeitsteuerschätzung und eine Funktion für automatische Rücklagen für die Einkommens- und Umsatzsteuer.

Auch praktisch: Die Kontist-App kann mit Rechnungs- und Buchhaltungssoftware von Lexoffice, Debitoor und Fastbill verknüpft werden. Derzeit gibt es mit Free und Premium zwei Preismodelle. Zur kostenlosen Version gehört neben dem Girokonto mit kostenfreier, deutscher IBAN eine virtuelle Mastercard für Onlinezahlungen. In der höherpreisigen Premium-Version für monatlich 9 Euro sind darüber hinaus eine kostenfreie, physische Mastercard, die Automatische-Rücklagenkonten-Funktion sowie Buchhaltung, Echtzeitsteuerschätzung und ein 50-Prozent-Rabatt auf das Lexoffice-Abo im ersten Jahr enthalten.

Auf kostenlose Bargeldabhebungen mit der Mastercard müssen Freelancer allerdings verzichten, dafür sind im Gegensatz zu vielen anderen Filialbank-Geschäftskonten alle beleglosen Buchungen kostenlos. Das Konto selbst kann auf dem Smartphone bequem samt Personalausweis per Video-Ident eröffnet werden. Wer auf ein Web-Interface zurückgreifen will, wird allerdings noch enttäuscht. Das Produkt steht derzeit lediglich Mobile-Only zur Verfügung.

N26

Ebenfalls aus Berlin stammt N26, das wohl bekannteste Startup in Sachen Smartphonebanking. Wichtigster Unterschied zu Kontist ist, dass N26 keine reine Freelancer-Bank ist. Das Modell N26 Business enthält jedoch ebenso eine kostenlose Business-Mastercard auf Debit-Basis, Umsätze und Barverfügungen werden also unmittelbar auf das Girokonto geschrieben. Das ist vergleichsweise praktisch und übersichtlicher als Charge- oder Revolving-Karten, die nur einmal im Monat oder per Teilzahlung abgerechnet werden.

Freiberufler, die häufiger mit Karte zahlen, erhalten 0,1 Prozent Cashback auf ihre bargeldlosen Einkäufe. Beim Thema Buchhaltung und Rücklagenkonten kann N26 allerdings nicht mit den Wettbewerbern mithalten. Dafür gibt es zwei andere praktische Features: Bis zu fünf Barverfügungen an Geldautomaten mit der Mastercard sind kostenfrei, sofern das Konto als Hauptbankverbindung genutzt wird. Ist kein Geldautomat in der Nähe, steht Kunden der sogenannte Cash26-Service bei Einzelhandelspartnern wie Rewe, Penny und Real zur Verfügung. Abhebungen sind dort kostenfrei, ebenso Einzahlungen bis 100 Euro. Darüber hinaus berechnet die Bank laut Preisverzeichnis aktuell 1,5 Prozent des zusätzlichen Betrags.

Ein Premium-Girokonto hat N26 ebenfalls im Programm, es nennt sich N26 Business Black und kostet 9,90 Euro im Monat. Inklusive sind neben den zuvor genannten Leistungen kostenfreie Verfügungen in Fremdwährung sowie ein Allianz-Versicherungspaket. Ist das Smartphone nicht zur Hand, können N26-Kunden auch per Web am Notebook auf ihr Konto zugreifen.



Holvi ist vergleichweise teuer

Holvi ist ein Banking-Startup aus Finnland, das mittlerweile zur spanischen Großbank BBVA gehört. Die Smartphone-App des Finanzdienstleisters zeichnet sich durch eine intuitive Benutzeroberfläche aus und verfügt über hilfreiche Features wie eine direkte Rechnungserstellung am Smartphone.

Im Modell Builder sind alle nötigen Basisfunktionen, inklusive Geschäftskonto mit europäischer Iban, kostenlose Sepa-Transaktionen, die Business-Mastercard und eine Lexoffice-Integration enthalten. Damit ist das Konto zum Beispiel für Nutzer der Buchhaltungssoftware eine Alternative zum Angebot von Kontist. Barverfügungen sind allerdings mit 2,5 Prozent vom Abhebebetrag vergleichsweise teuer.

Im Kontomodell Complete sind zum Preis von 18 Euro im Monat unter anderem fünf Geschäftskonten und zugehörige Business-Mastercards sowie eine Online-Shop-Funktion enthalten. Teuer wird es allerdings, wenn Freiberufler zum Paket Unlimited greifen. Dort fallen 98 Euro im Monat an. Dafür gibt es unter anderem eine unbegrenzte Anzahl von Konten, Karten und Abhebungen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob ein solches Paket zu diesem Preis für Freelancer sinnvoll ist. Schließlich dürften die meisten Bedürfnisse mit einer Karte, einem Konto und der Lexoffice-Integration erfüllt sein.

Fazit

Das Angebot an Smartphonekonten für Freelancer bleibt trotz einiger interessanter Angebote überschaubar. Gleichwohl liegen alle vorgestellten Konten für Freiberufler in Sachen Kosten deutlich vor der klassischen Filialbankkonkurrenz.

So fallen beispielsweise bei der Deutschen Bank für das Business-Aktiv-Konto allein 8,90 Euro Grundgebühr pro Monat an, jede beleglose Buchung kostet 15 Cent, und es gibt nicht einmal die Möglichkeit, Unterkonten einzurichten. Auch andere Wettbewerber langen bei Freelancern kräftig zu: Die deutsche Unicredit-Tochter Hypo Vereinsbank berechnet für ihr HVB Konto4Business Smart 7 Euro pro Monat, hinzu kommen 35 Cent je belegloser Buchung.

Wer die Bank telefonisch erreichen beziehungsweise Bargeld will, muss eine Gebühr von 3,50 Euro einplanen. Selbst die Girokarte zum Konto ist nicht inklusive, sondern kostet 5 Euro pro Jahr. Auch auf App-Integrationen wie Debitoor, Fastbill und Lexoffice müssen Freelancer in der Regel verzichten.

Wem also zum Beispiel das Thema Buchhaltung mit Lexoffice wichtig ist, sollte besser zu den Angeboten von Kontist und Holvi greifen. Freiberufler, die öfter mit Bargeld arbeiten oder häufig außerhalb der Eurozone unterwegs sind, dürften aktuell bei einem der beiden Kontomodelle von N26 richtig sein.

Preislich und im Hinblick auf ihren Funktionsumfang sind die Newcomer für Kleinunternehmer in jedem Falle eine attraktive Alternative zu Filialbank-Girokonten für Selbstständige. Trotz aller Features und Vorteile ist aber zu bedenken, ob hin und wieder ein persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung stehen sollte, wenn es mal ein Problem mit dem Konto gibt. Gerade in diesem Punkt brauchen Freiberufler Verlässlichkeit. Ein Filialbankkonto vor Ort kann also trotz höherer Preise und weniger smarter Funktionen durchaus hin und wieder Vorteile haben.  (bko)


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