Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lightyear-one-luxus-elektroauto-schafft-800-kilometer-1905-140950.html    Veröffentlicht: 15.05.2019 09:05    Kurz-URL: https://glm.io/140950

Lightyear One

Luxus-Elektroauto fährt auch mit Solarstrom

Ein niederländisches Jungunternehmen hat ein ungewöhnliches Fahrzeug entwickelt, das Luxus und Umweltfreundlichkeit kombiniert. Solarzellen auf dem Dach erhöhen die Reichweite um bis zu 220 Kilometer.

Der Lightyear One ist ein Elektroauto, das weniger Strom aus dem Netz benötigt als jedes andere batteriebetriebene Fahrzeug. Das liegt daran, dass es seine Batterien während der Fahrt auflädt - jedenfalls bei Sonnenschein. Das Dach des Fahrzeugs ist mit Solarzellen bedeckt. Kombiniert mit dem Strom aus den Bordbatterien liegt die Reichweite bei bis zu 800 Kilometern. Die Batterien allein reichen bei einer Kapazität von 60 Kilowattstunden für 580 Kilometer. In diesem Sommer will der Hersteller, das Jungunternehmen Lightyear aus dem niederländischen Städtchen Helmond, einen Prototyp präsentieren. Die ersten Fahrzeuge sollen bereits 2020 ausgeliefert werden.

Wer dabei sein will, kann sich jetzt schon vormerken lassen. Er muss allerdings ganz tief in die Tasche greifen. Das fünf Meter lange Fahrzeug kostet 119.000 Euro, plus Steuern. In Deutschland liegt der Endpreis also bei gut 140.000 Euro. Die Solarzellen auf dem Dach ermöglichen einen Luxus, den nicht jedes Elektroauto hat. Der Lightyear One ist mit einer Klimaanlage ausgestattet, die den Innenraum sogar dann kühl hält, wenn das Fahrzeug in der prallen Sonne parkt. Dafür liefern die Solarzellen genügend Strom.

Der Fünfsitzer wird von vier Radnabenmotoren angetrieben. Gemeinsam kommen sie auf 100 Kilowatt (136 PS). Das reicht für eine Spitzengeschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde. Von Null auf Tempo 100 beschleunigt das Fahrzeug in acht Sekunden.

Der Lightyear One braucht gerade mal 10,3 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. "Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Fahrzeug unglaublich effizient sein", sagt Lex Hoefsloot, Chef des Unternehmens. Es habe eine sehr gute Aerodynamik, ein effektives Antriebssystem und ein besonders leichtes Chassis. Um den Luftwiderstand zu senken, verzichteten die Konstrukteure auf Außenspiegel. Die Spiegel werden durch kleine Kameras ersetzt, die die Rücksicht auf einem Display darstellen.

Ganz allein haben es die Niederländer nicht geschafft. Als Vorbild diente ihnen Stella, ein viersitziges Solarauto, das an der Technischen Universität Eindhoven entwickelt wurde. Außerdem arbeitet Lightyear mit dem renommierten Schweizer Ingenieurbüro EDAG zusammen. Die Gemeinschaftsleistung beeindruckt sogar die Europäische Union: Über den Europäischen Innovationsrat (European Innovation Council, EIC) erhielt Lightyear jetzt 2,5 Millionen Euro aus dem Forschungs- und Innovationförderprogramm "Horizont 2020".

Hoefsloot rechnet potenziellen Käufern gern vor, was die Solarzellen auf dem Dach ausmachen. In den Niederlanden etwa benötige das Auto bei einer Jahresfahrleistung von 20.000 Kilometern 25 Batterie-Vollladungen. Ein Tesla Model S benötige mit 54 dagegen mehr als doppelt so viel. Im sonnenreicheren Lissabon komme der Lightyear One sogar mit 15 Aufladungen aus. Der CEO macht noch eine Rechnung auf: An einer Schnellladestation, die eine Leistung von 75 Kilowatt vorhält, könne man innerhalb von 45 Minuten Strom für mehr als 500 Kilometer tanken. Wer den Lightyear One daheim mit normalem Netzstrom auflädt, tankt über Nacht Strom für 440 Kilometer.

Ein Werkstattnetz will das Unternehmen nicht aufbauen. Wartung und Reparaturen könne jede Werkstatt übernehmen, weil das Fahrzeug sehr einfach aufgebaut sei. Die Wartungsintervalle liegen bei komfortablen 50.000 Kilometern.  (wke)


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