Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/proglove-handschuh-angeschaut-locker-aus-der-hand-barcodes-scannen-1904-140829.html    Veröffentlicht: 24.04.2019 09:03    Kurz-URL: https://glm.io/140829

Proglove-Handschuh angeschaut

Locker aus der Hand Barcodes scannen

In einigen Industriezweigen wird viel gescannt: Teile bei der Automobilfertigung oder Pakete bei einem Logistikunternehmen beispielsweise. Dieser Vorgang kann beschleunigt werden - mit dem Scanhandschuh von Proglove. Beim Test haben wir uns ein wenig wie Spiderman gefühlt.

Während der Produktion eines Autos müssen Arbeiter insgesamt ungefähr 1.000-mal verschiedenste Barcodes scannen - beispielsweise von Teilen, die sie anbringen. Dabei müssen sie jedes Mal zum Barcode-Handscanner greifen, einem etwa 20 cm langen Gerät, das meistens irgendwo am Arbeitsplatz hängt oder liegt. Mit dem Mark II des deutschen Herstellers Proglove soll das der Vergangenheit angehören.

Der Mark II ist ein nur 50 x 45 x 16 mm großer Scanner, der auf einen Handschuh gesteckt wird. Verglichen mit herkömmlichen Scannern ist das Gerät deutlich kleiner und mit 40 Gramm vor allem leichter. Dem Hersteller Proglove zufolge spart BMW durch den Einsatz des Mark II vier Sekunden pro Scanvorgang - vor allem aufgrund der Tatsache, dass die Arbeiter kein separates Gerät mehr hervorholen müssen.

Je nach Einsatzgebiet gibt es verschiedene Handschuhe mit Klickvorrichtung. Für Arbeitsbereiche, die einen gewissen Schutz erfordern, steht ein Kompletthandschuh zur Verfügung, bei dem wir den Scanvorgang mit dem Daumen über einen Taster ausführen, der seitlich am Zeigefinger eingebaut ist. Das gleiche Prinzip verwendet Proglove bei einem zweiten Handschuhmodell, das jedoch offen ist - sich also für Arbeitsplätze eignet, bei denen die Hände nicht geschützt werden müssen. Alternativ lässt sich das offene Handschuhmodell auch über andere Handschuhe ziehen. Ein zweites offenes Handschuhmodell hat den Taster in der Handinnenfläche.

Nachdem wir den Mark II wenige Minuten getragen haben, nehmen wir ihn kaum noch an der Hand wahr. Drücken wir den Taster, erscheinen ein Licht und ein Fadenkreuz; der Scanner ist dann bereit, einen Barcode zu erfassen. Besonders beim Tragen des Handflächen-Scanhandschuhs kommen wir uns ein wenig vor wie Spiderman - die Auslösegeste entspricht der von Peter Parker, wenn er sein Spinnennetz spannt. Scannen wir einen Code erfolgreich, bekommen wir eine Vibrationsrückmeldung. Dadurch können auch Nutzer in lauten Umgebungen erkennen, dass sie den jeweiligen Code erfasst haben.

Zudem lässt sich das System auch so einstellen, dass es eine positive oder negative Rückmeldung ausgibt, je nachdem, ob das korrekte Teil eingescannt wurde. Auf diese Weise kann beispielsweise bei der Montage verhindert werden, dass ein falsches Teil verwendet wird. Das Signal bei einem falschen Teil ist eindeutig, wie wir in unserem kurzen Test gemerkt haben.

Der Mark II ist standardmäßig über einen Access Point mit einem Netzwerk verbunden. Proglove liefert die Hardware mit einem Konfigurationstool, mit dem der Scanner mit verschiedenster Software gekoppelt werden kann - je nachdem, welche der Kunde verwendet. Die Reichweite konnte Proglove beim Mark II gegenüber dem ersten Modell auf 150 cm vergrößern. In unseren Tests hatte der Scanner auch bei nahen Objekten keine Schwierigkeiten, den Code korrekt zu erfassen.

Über ein drahtloses Netzwerk (868 MHz) verbunden soll der Mark II bis zu 30 Meter vom Access Point entfernt noch funktionieren. Der Scanner lässt sich aber auch über Bluetooth LE verbinden, dann sinkt die Reichweite aber auf 10 Meter. Der Scan erfolgt über eine Kamera, die künftig auch für Bilddokumentationen verwendet werden soll. Dann könnten beispielsweise defekte Pakete in der Logistikkette direkt aufgenommen und an eine Datenbank weitergeleitet werden, ohne eine separate Kamera verwenden zu müssen.

Enge Zusammenarbeit mit Autobauern

Proglove arbeitet in der Entwicklung seiner Scanhandschuhe eng mit BMW zusammen, das wie andere Hersteller in der Automobilindustrie zu den Kunden des Unternehmens gehört. Eigenen Angaben zufolge wird Proglove von allen relevanten Herstellern in Europa verwendet - bei BMW in allen Niederlassungen. Auch in der Tesla-Niederlassung in Chicago wird Proglove seit kurzem getestet.

Auch das Briefzentrum der Deutschen Post gehört zu den Proglove-Kunden, ebenso Lufthansa Technik. Im Logistikbereich verwenden Schenker und Rewe die Scanner sowie der Betreiber des Frankfurter Flughafens Fraport.

Der Mark II wird in einem kleinen Ladegerät aufgeladen, der Akku soll für 15 Stunden reichen. Das entspricht ungefähr 6.000 Scanvorgängen. Das Gehäuse ist schlagresistent und soll auch Stürze unbeschadet überstehen. Proglove denkt über ein Modell mit kleinem Display nach; auf diesem könnten dann beispielsweise Arbeitsanweisungen eingeblendet werden.

Fazit

Der Scanhandschuh von Proglove ist ein Werkzeug, dessen Vorzüge gegenüber traditionellen Handscannern auf den ersten Blick stark überwiegen. Das Gerät ist klein und leicht und dank der verschiedenen Handschuhe viel ergonomischer als ein herkömmlicher Scanner.

Zudem haben ihn Nutzer immer an der Hand - das Bücken oder Umdrehen nach einem normalen Barcode-Scanner entfällt entsprechend. Dadurch können ergonomisch nicht sinnvolle Bewegungen komplett eingespart werden.

Anders als herkömmliche Scanner muss der Mark II von Proglove jedoch regelmäßig aufgeladen werden. Unternehmen dürften sich aber wohl mehr als einen der Scanner kaufen, so dass die Geräte einfach ausgetauscht werden können. Im Normalfall sollte eine Akkuladung zudem einen Tag lang ausreichen.

Ein Set aus Mark-II-Scanner, Ladegerät und Handschuh kostet 1.200 Euro - das ist deutlich mehr als für drahtlose Barcode-Handscanner, die es bereits ab ungefähr 350 Euro zu kaufen gibt. Topmodelle kosten hier aber auch über 1.000 Euro, was den Preis für den Mark II wieder relativiert.  (tk)


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