Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/2-staffel-star-trek-discovery-der-alte-j-j-abrams-trick-funktioniert-immer-1904-140810.html    Veröffentlicht: 23.04.2019 11:18    Kurz-URL: https://glm.io/140810

2. Staffel Star Trek Discovery

Der alte J.-J.-Abrams-Trick funktioniert immer

Die Macher von Star Trek: Discovery haben zum Ende der zweiten Staffel aufgeklärt, wie sich die Serie mit dem bekannten Kanon von Star Trek verträgt. Der Trick lässt der kommenden dritten Staffel alle Möglichkeiten offen, könnte manchen Hardcore-Fan aber verstimmen. Achtung! Spoiler!

Achtung! Wir schreiben in dieser Rezension so wenig wie möglich über die allgemeine Handlung der zweiten Staffel, verraten aber ein wichtiges Detail der letzten Folge. Zudem nehmen wir Bezug auf die erste Staffel. Wer gar nichts wissen möchte, bevor er selbst Star Trek: Discovery schaut, sollte hier nicht weiterlesen.

Die USS Discovery ist ein Sternenflotten-Raumschiff mit revolutionärem Sporenantrieb, der die Gesetze des Überlichtfluges außer Kraft setzt - und über das Sternenflottenmitglieder in keiner Serie vor Star Trek: Discovery jemals ein Wort verloren haben. Die gesamte Rückreise des USS Voyager aus dem Deltaquadranten wäre mit diesem Antrieb ein Klacks gewesen, in jeglicher kriegerischen Auseinandersetzung hätte die Sternenflotte einen siegbringenden Vorteil gehabt.

Seit dem Start von Star Trek: Discovery rätseln Fans, wie sich ein derartig prägendes Story-Element in den Kanon des Gesamtuniversums integrieren lassen würde. Die finale Folge der zweiten Staffel, die seit Karfreitag in Deutschland auf Netflix zu sehen ist, hat die Frage nach der Vereinbarkeit mit den restlichen Star-Trek-Geschichten beantwortet: Es muss nichts vereinbart werden.

Denn nachdem die USS Discovery im Laufe der zweiten Staffel erst alleine, dann mit Hilfe der USS Enterprise verschiedenen Anomalien hinterhergejagt ist und nebenbei eine amoklaufende KI bekämpft hat, bedienen sich die Drehbuchautoren am Ende des alten J.-J.-Abrams-Tricks: Wenn du zwei Universen nicht miteinander vereinbaren kannst, dann führe sie einfach getrennt fort.

Die USS Discovery verschwindet am Ende einfach - wohin, muss an dieser Stelle nicht verraten werden; das Ziel verspricht aber eine spannende dritte Staffel. Aus Gründen der Sicherheit für alle Lebewesen im Universum werden die Crewmitglieder der USS Enterprise, die Zeugen des Vorgangs waren, dazu verdonnert, nie wieder über die USS Discovery oder den Sporenantrieb zu reden - auch nicht Commander Spock, der am Ende der Staffel doch noch seinen Hipsterbart ablegt.

Dritte Staffel ohne Kanon-Zwang

Durch diesen Kniff haben die Macher von Star Trek: Discovery das Kanon-Problem gelöst und können sich in der dritten Staffel ohne Rücksicht auf die in der Zeitlinie nach der Serie stattfindenden Ereignisse austoben. Das ist clever, dürfte aber so manchem eingefleischten Star-Trek-Fan nicht gefallen, denn nicht wenige nehmen den durch die bisher erschienenen Serien gespannten Rahmen sehr ernst, Veränderungen werden nicht immer gerne gesehen.

Die Frage nach der Vereinbarkeit mit dem Kanon stellte sich für jede Star-Trek-Veröffentlichung, die nach der Originalserie aus den 1960er Jahren erschienen ist. Seit jeher haben Autoren versucht, innerhalb des Rahmens zu agieren, den Raumschiff Enterprise gespannt hat. Dabei hat jede Serie neue Geschichten gesponnen und den Kanon erweitert - trotz zeitgenössischen Gemeckers mancher Fans.

Einfacher war das Storytelling bei allen Serien, die nach der Originalserie spielen - also Next Generation, Deep Space Nine und Voyager. Besonders schwierig gestaltete es sich bei Enterprise, jener nur vier Staffeln dauernden Serie, die gut 100 Jahre vor Captain Kirk spielt. Die Serie scheiterte nicht nur an mauen Einschaltquoten, sondern auch an einer am Ende verwirrenden Story, die im Kanon von Star Trek gefangen war.

Zweite Staffel ist insgesamt gelungen

J. J. Abrams umging dieses Problem bei seinem Reboot der Star-Trek-Filmreihe, die ab 2009 erschienen ist - und in der die bekannten Figuren der USS Enterprise mitspielen. Der Regisseur kreierte eine alternative Zeitlinie, in der er sich austoben konnte. Mit einem ähnlichen Kniff befreien sich nun auch die Macher von Star Trek: Discovery aus dem Korsett, das ihnen vom Star-Trek-Universum auferlegt wird.

Das kann man als Fan mögen oder auch nicht - jedenfalls sollte die Frage nicht darüber hinwegtäuschen, dass die zweite Staffel sehr gelungen ist. Die Geschichte bietet reichlich Facetten, es findet eine Charakterentwicklung statt und die Actionsequenzen nehmen nicht ganz so viel Raum ein wie in der ersten Staffel. Die Story steckt voller Wendungen und positiver Überraschungen, die wir in der ersten Staffel vermisst haben.

Zudem empfinden wir das Ende der zweiten Staffel als wesentlich besser durchdacht. Die erste Staffel endete für unseren Geschmack viel zu überhastet, die zahlreichen Handlungsstränge wurden fast schon gewaltsam zusammengeführt. Im Vergleich dazu läuft das Finale der zweiten Staffel wesentlich geordneter und nachvollziehbarer ab.

Mit der zweiten Staffel zeigen die Macher von Star Trek: Discovery, dass eine Menge Potenzial in der Erzählung steckt. Was sie daraus machen, werden wir in der dritten Staffel erfahren: Diese wurde bereits im Februar 2019 angekündigt.  (tk)


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