Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/airpods-2-und-galaxy-buds-im-test-apple-und-samsung-sind-beim-kundenausschluss-gleich-gut-1904-140793.html    Veröffentlicht: 23.04.2019 12:10    Kurz-URL: https://glm.io/140793

Airpods 2 und Galaxy Buds im Test

Apple und Samsung sind beim Kundenausschluss gleich gut

In gewisser Weise sind die Bluetooth-Hörstöpsel von Apple und Samsung die ungewöhnlichsten auf dem Markt. Denn wer nicht das vom Hersteller bevorzugte Betriebssystem nutzt, hat sowohl bei den Airpods 2 als auch bei den Galaxy Buds erhebliche Einbußen.

Apple und Samsung haben kürzlich neue True Wireless In-Ears auf den Markt gebracht. Wir haben die neuen Airpods und die ersten Galaxy Buds getestet. Samsung hat bei den Nachfolgern der Gear Icon X auf sämtliche Fitnessfunktionen verzichtet, die Bluetooth-Hörstöpsel setzen vor allem auf Musikgenuss und das Durchführen von Anrufen. Die Gear Icon X waren negativ mit einer sehr kurzen Akkulaufzeit aufgefallen, mit den Galaxy Buds wollte Samsung alles besser machen und verspricht eine besonders lange Akkulaufzeit.

An den neuen Airpods gibt es vergleichsweise wenige Neuerungen zum Vorgängermodell. Das Auffälligste ist, dass die Mikrofone in den neuen Airpods immer im Lauschmodus sind, so dass digitale Assistenten wie Siri und Google Assistant ohne einen Tastendruck aufgerufen werden können. Außerdem gibt es die neuen Airpods gegen Aufpreis mit einem drahtlosen Ladeetui.

True Wireless In-Ears haben, wie der Name sagt, den unschlagbaren Vorteil, dass nirgendwo lästige Kabel stören. Die meisten von ihnen werden in das Ohr gedreht und mit Gummiaufsätzen fixiert, damit die Stöpsel nicht herausfallen.



So ist es auch bei den Galaxy Buds, Samsung legt Gummiaufsätze in drei Größen bei und zusätzlich drei Flügelaufsätze, um einen sicheren Halt in allen Ohrformen zu erreichen. Bei uns liegen die Galaxy Buds sehr bequem im Ohr, sie schmerzen nicht - auch nicht unter einer Mütze. Zudem gibt es bei Mützennutzung keine lästigen Schabgeräusche, mit denen wir sonst oft zu kämpfen haben. Die Gummiaufsätze schirmen Außengeräusche recht gut ab.

Apple geht hier nach wie vor einen anderen Weg: Die Airpods haben keine Gummiaufsätze und werden quasi ins Ohr gehängt. Das sieht zwar immer noch etwas sonderbar aus, sie halten aber in den meisten Ohren gut und sicher. Unter einer Mütze gibt es auch hier keine lästigen Schabgeräusche. Allerdings werden Außengeräusche nur wenig abgehalten.

Airpods halten sicher im Ohr

Die Airpods halten wesentlich besser als die kabelgebundenen Ohrstöpsel, die Apple bei seinen Smartphones mitliefert. Das von Apple als Earpods bezeichnete Headset sitzt deutlich lockerer in den Ohren und das Kabelgewicht übernimmt dann den Rest, so dass die Stöpsel bei uns schnell aus dem Ohr fallen.



Beim Sport sitzen aber auch die neuen Airpods längst nicht so fest und sicher im Ohr wie bei der Konkurrenz. Erneut hat sich der iPhone-Hersteller für eine glatte Oberfläche und damit gegen ein weniger rutschiges Gehäuse entschieden. Das ist schade, denn damit würden die Airpods in noch mehr Ohren sicherer halten. In unserem Fall sitzen die Airpods in dem einen Ohr tadellos, in dem anderen rutschen sie immer wieder heraus.

Ladeetui gehört dazu

Die meisten Bluetooth-Hörstöpsel werden mit einem Ladeetui ausgeliefert, darin können die Hörstöpsel sicher verstaut werden. Nicht immer ist das Ablegen und Entnehmen der Hörstöpsel vorbildlich gelöst. In dieser Disziplin schneiden Apple und Samsung aber beide sehr gut ab und beide Etuis sind angenehm klein.

Die Hörstöpsel werden magnetisch im Ladeetui fixiert. Damit wird verhindert, dass sie beim Öffnen des Etuis versehentlich herausfallen. Das Ablegen der Stöpsel ist bei den Airpods etwas besser gelöst, man kann sie nicht falsch hineinlegen; bei den Galaxy Buds ist das möglich, dann werden die Stöpselakkus nicht geladen.



Airpods 2 bieten ein bisschen Neues

Mit den neuen Airpods wird die Nutzung eines digitalen Assistenten wie Siri vereinfacht. Bei den Vorgängermodellen mussten wir Siri noch mit dem Finger aktivieren. Die neuen Airpods lauschen beständig auf das betreffende Aktivierungswort. Sagen wir "Hey Siri", steht Apples digitaler Assistent unmittelbar zur Verfügung.

Wer das nicht wünscht, muss Siri auf dem iPhone komplett abschalten. Apple hat ärgerlicherweise nicht daran gedacht, eine Option bereitzustellen, um das Lauschen am Stöpsel bei Bedarf abschalten zu können. Das nervt alle, die Siri nur gelegentlich nutzen und den digitalen Assistenten dafür immer wieder an- oder abschalten müssen. Das Abschalten ist problemlos möglich, aber jedes erneute Aktivieren ruft den Einrichtungsassistenten auf und wir müssen immer erst mehrere Phrasen vorlesen, bis Siri wieder aktiv ist.

Als weitere grundlegende Neuerung verspricht Apple für die Airpods 2 eine längere Akkulaufzeit. Und tatsächlich: Mit den neuen Airpods erreichen wir die Akkulaufzeiten, die Apple verspricht, nämlich 5 Stunden. Apple hatte auch für das alte Modell diese Akkulaufzeit versprochen, der Wert wurde bei unserem Test aber nicht erreicht. Nach spätestens 3,5 bis 4 Stunden gingen die Airpods der ersten Generation aus.



Mit den neuen Airpods erreichen wir die versprochenen 5 Stunden - außerdem gibt es keine gravierenden Unterschiede mehr zwischen Android- und iOS-Geräten. Sowohl mit iPhones als auch mit Android-Smartphones können wir die Airpods 5 Stunden am Stück verwenden.

Auch die neuen Modelle liefern wieder den gleichen vorbildlichen Schnellladebetrieb: Wenn wir die leeren Airpods für fünf Minuten aufladen, können wir für 1 Stunde und 15 Minuten Musik hören. Wenn länger als 5 Stunden damit Musik gehört werden soll, genügt ein kurzes Parken im Ladeetui.

Qi-Ladeetui verteuert die Airpods

Wir haben die neuen Airpods mit dem neuen Qi-Ladeetui getestet. Dieses kostet bei der Anschaffung der Airpods im Vergleich zum normalen Ladeetui 50 Euro mehr. Das neue Ladeetui funktioniert auch mit den Airpods der ersten Generation. Apple verkauft dieses auch einzeln, dann aber für 90 Euro. Wir halten sowohl die 50 Euro als auch die 90 Euro für überteuert, weil das Qi-Laden für uns nur eine nette Zusatzfunktion ist. Damit können wir das Ladeetui laden, indem wir es auf eine passende Qi-Ladestation legen, das Anstöpseln des Ladekabels entfällt.



Beide Airpods-Ladeetuis haben einen gleich großen Akku eingebaut. Mit beiden können wir die Airpod-Akkus etwas mehr als vier Mal nachladen, wir kommen auf eine Gesamtlaufzeit von über 20 Stunden. In Anbetracht der kompakten Maße ist die Leistung des Airpods-Ladeetuis vorzüglich. Beide Airpods-Ladeetuis haben einen Lightning-Anschluss.

Was für die ersten Airpods gilt, gilt leider auch für die neue Generation: Apple bietet weiterhin keine App für Android-Nutzer an. So können die Airpods auf einem Android-Gerät nicht konfiguriert und auch Firmware-Updates können nicht eingespielt werden. Weiterhin sind praktische Funktionen wie die Ohrerkennung der Apple-Plattform vorbehalten. Es ist schade, dass Apple hier seine restriktive Politik fortführt und sich nicht für andere Kundengruppen öffnet.

Airpods mit Ohrerkennung

Die neuen Airpods bieten die gleiche verbesserte Ohrerkennung der ersten Generation, die die Funktion durch ein im März 2019 veröffentlichtes Firmware-Update erhalten haben. Jetzt wird die Musik auch dann fortgesetzt, wenn beide Hörstöpsel aus dem Ohr genommen wurden. Allerdings mit einer Einschränkung, die auch von den ersten Airpods bekannt ist: Beide Stöpsel müssen innerhalb von 15 Sekunden wieder im Ohr sein, damit die Musik automatisch fortgesetzt wird. Nach diesen 15 Sekunden passiert nichts mehr. Es ist unklar, warum Apple hier einen so kurzen Zeitwert gewählt hat.

Wenn nur einer der beiden Stöpsel aus dem Ohr genommen wird, gibt es diese zeitliche Beschränkung nicht. Unterm Strich bleibt Apple mit den Airpods weiter hinter der besser umgesetzten Ohrerkennung der Elite 65t von Jabra zurück. Schade, dass sich Apple bei den neuen Airpods nicht darum gekümmert hat, diese Funktion so umzusetzen, wie es der Nutzer erwartet.

Zudem kann auf einem iPhone die App iPhone-Suche verwendet werden, um die Airpods zu lokalisieren und bei Bedarf einen Signalton abzuspielen, wenn sich die Stöpsel in Reichweite des Geräts befinden. Bei der Lokalisierung wird die letzte bekannte Position auf einer Karte angezeigt. Auch diese Komfortfunktion bietet Apple Android-Kunden bewusst nicht an.



Beim Koppeln mit einem Smartphone verhalten sich die Airpods anders, wenn ein Apple-Gerät verwendet wird. Wenn sich beide Airpods im geöffneten Ladeetui befinden und das iPhone in Bluetooth-Reichweite ist, erscheint auf dem Smartphone ein Pop-up zur Einrichtung. Bei Android-Geräten genügt es nicht, einfach nur den Deckel zu öffnen. Wir müssen die Pairing-Taste am Etui betätigen, bis die Lade-LED weiß blinkt, um die Geräte verbinden zu können.

Android-Nutzer können Airpods nur mit Einschränkungen verwenden

Prinzipiell funktionieren die Airpods auch mit Android-Geräten. Wir können aber die Steuerung des Sensorfelds auf den Airpods nicht umbelegen. Das Sensorfeld ist dann mit der Standardbelegung oder der zuletzt auf einem Apple-Gerät eingestellten Belegung versehen. Standardmäßig sind die Sensorfelder der Airpods mit einem Titelsprung nach vorne belegt. Wir fänden die Pausefunktion hier wesentlich praktischer.

Wenn wir die Airpods mit einem Android-Gerät nutzen, auf dem der Google Assistant verwendet wird, können wir ihn direkt auf Zuruf nutzen, ohne an den Airpods eine Taste betätigen zu müssen. Sagen wir also "Hey Google", "Okay Google" oder die weniger verbreiteten Phrasen "Hey Buubuu" respektive "Okay Buubuu" in die Airpods, stehen alle Funktionen des Google Assistant bereit.

Apple bietet keine eigene App für die Airpods an. Auf einem iPhone werden sie in den Eigenschaften des Bluetooth-Geräts konfiguriert. Dort können wir festlegen, welcher Befehl auf dem rechten und linken Stöpsel ausgeführt werden soll. Zur Wahl stehen Siri, Wiedergabe/Pause, nächster Titel sowie vorheriger Titel. Auf jeder Stöpselseite kann ein anderer Befehl hinterlegt werden. Alternativ kann die Sensorbedienung abgeschaltet werden.

Airpods werden mit Sensorfeldern bedient

Die neuen Airpods kennen weiterhin nur einen Sensorbefehl: Doppeltippen. So werden auch eingehende Anrufe angenommen. Viele andere Hersteller von Bluetooth-Hörstöpseln setzen ebenfalls auf eine Sensorsteuerung, bieten dafür aber mehrere Befehle an. So löst ein einfaches Tippen etwas anderes aus als ein Doppeltippen oder ein längeres Halten.

Bei zu vielen Bedienungsgesten kommt es aber immer wieder vor, dass nicht der gewünschte Befehl erkannt wird. Aus diesem Grund ist die Beschränkung von Apple nicht verkehrt, eine weitere Geste wäre hier aber sicherlich machbar und wünschenswert. Vor allem eine Geste zur Lautstärkeregelung vermissen wir sehr.

Es bedeutet Komforteinbußen, wenn ein Bluetooth-Hörstöpsel keine Möglichkeit bietet, die Lautstärke direkt am Gerät steuern zu können. Diesen Nachteil der Airpods hat Apple auch mit dem neuen Modell nicht beseitigt, wenn der Nutzer das nicht mit einem Sprachbefehl erledigen möchte - gerade in der Öffentlichkeit verzichten wir gerne darauf und in ansonsten ruhigen Umgebungen ist das für andere erst recht störend. Wir müssen dann jedes Mal zum Smartphone greifen, wenn die Lautstärke verändert werden muss - das ist unpraktisch.

Die neuen Airpods liefern den gleichen beeindruckenden Klang der ersten Generation. Vor allem im Bassbereich leisten die kleinen Hörstöpsel enorm viel, ohne dabei die Höhen oder Mitten zu erdrücken. Das dynamische, ausgeglichene Klangbild weiß in allen Stilrichtungen zu überzeugen. Dabei werden Stimmen immer klar und verständlich wiedergegeben. Auch zum Videoschauen sind die Airpods geeignet, es gibt keinen störenden zeitlichen Versatz zwischen Bild und Ton.

Airpods 2 sind lauter als die ersten Airpods

Erfreulicherweise sind die neuen Airpods mit Android-Smartphones nicht mehr so leise. Die Airpods der ersten Generation hatten auf Android-Geräten eine merklich geringere maximale Lautstärke. Je nach verwendetem Android-Gerät konnte es gerade beim Konsum von Hörbüchern zu leise sein. Mit den Airpods 2 gibt es diese Beschränkung nicht mehr, auch auf diesen Android-Geräten sind die Airpods 2 nun laut genug.

Bei Telefonaten ist der Anrufer auf beiden Stöpseln zu hören und auch der Anrufer versteht uns gut. Die Bluetooth-Verbindung wurde stabiler und zuverlässiger, wir hatten im Test keine Ausfälle mehr. Weiterhin erlaubt es Apple Käufern der Airpods nicht, parallel zwei Bluetooth-Verbindungen aufrechtzuerhalten. Damit bleiben die Elite 65t von Jabra eine der wenigen Ausnahmen bei Bluetooth-Hörstöpseln, die zwei parallele Bluetooth-Verbindungen unterstützen.

Während die Airpods auf Android-Geräten nur mit Einschränkungen verwendet werden können, bietet Samsung für die Galaxy Buds keine iOS-App an, so dass die Stöpsel auf iPhones nur beschränkt verwendet werden können.

Galaxy Buds folgen dem schlechten Vorbild Apples

Es ist bedauerlich, dass Samsung dem nicht vorbildhaften Verhalten von Apple nacheifert und für die eigenen Bluetooth-Hörstöpsel eine Kundengruppe ausschließt. In dem Fall sind es die Apple-Kunden, die von Samsung nicht beachtet werden. Zwar bieten die Galaxy Buds keine Komfortfunktionen wie Ohrerkennung, aber dennoch ist es störend, dass wir die Stöpsel nur mit einem Android-Gerät konfigurieren können. Auch Firmware-Updates der Hörstöpsel sind mit einem iOS-Gerät schlicht nicht möglich. Wir haben bei Samsung nachgefragt, derzeit gebe es keine Pläne, eine App für iOS nachzuliefern.

Auf Android-Geräten ist die Einrichtung der passenden App maximal kompliziert. Wir müssen nicht nur die Galaxy-Wearable-App von Samsung installieren, sondern im Anschluss daran noch ein Plug-in für die App. So einen aufwendigen Installationsprozess haben wir bisher bei keinen anderen Bluetooth-Hörstöpseln erlebt.

Auf einem Honor-Smartphone mit Android 7.x wurde die Samsung-App im Play Store nicht angezeigt - vergleichbare Probleme haben wir bei keinem anderen bisher getesteten Hörstöpsel erlebt. Selbst mit einem Android-Gerät kann es dem Käufer also passieren, dass die App nicht dafür angeboten wird und die Hörstöpsel dann nur mit den gleichen Beschränkungen wie bei iPhone-Besitzern genutzt werden können.



Wie auch die Airpods werden die Galaxy Buds mit Sensorfeldern bedient. Aber im Unterschied zu Apple hat sich Samsung dazu entschieden, mehrere Befehle auf die Stöpsel zu legen. Mit einem einfachen Tippen wird Musik angehalten respektive fortgesetzt oder es werden eingehende Anrufe angenommen. Mit einem Doppeltipp wird ein Lied vorgesprungen, ein Titelsprung zurück ist mit einem dreifachen Tippen möglich. Vor allem der Dreifachtipp wird so gut wie nie korrekt erkannt.

Ergänzend dazu kann ein Befehl ausgeführt werden, indem die Sensorfläche länger gedrückt gehalten wird. Hierbei gibt es dann wieder die typischen Probleme einer solchen Vielfachbelegung. Wenn wir die Sensorfläche etwas zu früh loslassen, wird das als einzelnes Tippen interpretiert und der Befehl beim langen Halten wird nicht ausgeführt. Auch Samsung bekommt die Probleme nicht in den Griff, dass alle Sensorbefehle einwandfrei erkannt werden. Beim Laufen besteht immer das Risiko, dass die falsche Geste erkennt wird, weil Hände und Kopf in Bewegung sind.

Sensorfeld in Grenzen mit Funktionen belegbar

Der Befehl für das Gedrückthalten kann in der App konfiguriert werden. So kann ein digitaler Assistent aufgerufen werden, die Lautstärke geregelt oder der Modus für Umgebungsgeräusche umgeschaltet werden. Zuerst zum Modus für Umgebungsgeräusche: Da dieser durch langes Gedrückthalten aktiviert wird, finden wir ihn wieder höchst überflüssig. Wir sind schneller, indem wir die Hörstöpsel aus dem Ohr nehmen, wenn wir etwa einer Ansage lauschen wollen, anstatt erst ein paar Sekunden zu drücken, um den Modus zu aktivieren - und die Ansage bereits verpasst haben.



Da wir es als großen Komfortgewinn sehen, wenn wir die Lautstärke von Hörstöpseln direkt am Gerät steuern können, haben wir diese entsprechend so eingestellt. Auf der einen Seite machen wir die Lautstärke lauter, auf der anderen können wir sie durch langes Gedrückthalten verringern. Ein Aufruf eines digitalen Assistenten ist dann generell nicht mehr möglich. Es ist von Samsung sehr schlecht gelöst, dass die anderen Sensorbefehle nicht auch umbelegt werden können.

Anrufer hören uns nur sehr leise

In der App gibt einen Equalizer, der das Klangbild aber eher verschlechtert als verbessert. Beim Klang sind wir mit den Galaxy Buds zufrieden, der Klang ist ausgewogen und dynamisch, Mitten und Höhen sind gut abgestimmt. Auf einen intensiven Bass wie bei den Airpods muss hier aber verzichtet werden, wenn wir uns nicht mit dem Schritthall begnügen wollen, bei dem jeder Laufschritt im Ohr widerhallt.

Bei Telefonaten sind wir auf der anderen Seite so leise zu hören, dass wir mit den Galaxy Buds nicht guten Gewissens telefonieren wollen. Anrufer sind zwar in beiden Stöpseln zu hören, aber auch bei uns sehr leise. Zum Filmschauen sind die Galaxy Buds nicht geeignet, wir haben einen starken Versatz zwischen Ton und Bild - so macht Filmkonsum keine Freude.



Über die App kann bei Bedarf das Sensorfeld ganz abgeschaltet werden, aber dann ist eben keine Steuerung mehr an den Stöpseln möglich. Zudem gibt es eine eigentlich mehr als überflüssige Ortungsfunktion: Wir können einen Signalton abspielen, wenn die Galaxy Buds irgendwo in der Nähe sind - das ist auch mit jeder Musik-App machbar. Eine Ohrerkennung haben die Galaxy Buds nicht.

Wie auch den Airpods fehlt den Galaxy Buds eine Möglichkeit, zwei parallele Bluetooth-Verbindungen zu verwenden. Im Laufe des Tests hat Samsung ein Firmware-Update veröffentlicht, mit dem ein sehr lästiges Verhalten abgestellt wurde, das wir so noch bei keinen anderen Hörstöpseln erlebt haben. Normalerweise bleibt eine aufgebaute Bluetooth-Verbindung bestehen, bis diese manuell gelöst wird.

So war es bis zum Firmware-Update bei den Galaxy Buds nicht. Wenn wir also Galaxy Buds mit einem Smartphone und einem Tablet gekoppelt hatten und die Stöpsel dann mit dem Smartphone nutzen wollten, durften wir auf keinen Fall Bluetooth am Tablet einschalten. Denn dann schnappte sich das Tablet die Bluetooth-Verbindung zu den Galaxy Buds und die Verbindung zwischen Stöpsel und Smartphone ging verloren. Erfreulicherweise wurde dieses lästige Verhalten mit dem Firmware-Update abgestellt.

Galaxy Buds mit langer Akkulaufzeit

Samsung liefert mit den Galaxy Buds eine besonders gute Akkulaufzeit. Der Hersteller verspricht sechs Stunden. Diesen Wert haben wir sogar noch um 45 Minuten übertreffen können. Mit fast sieben Stunden Akkulaufzeit übertrifft Samsung einen Großteil der Konkurrenz. Dafür unterstützen sie keine besonders ausgeprägte Schnellladefunktion: Wenn wir die leeren Stöpsel für fünf Minuten laden, verstummen diese schon nach 40 Minuten wieder. Hier schneiden die Airpods deutlich besser ab.

So gut die Galaxy Buds bei der Stöpsel-Laufzeit selbst abschneiden, so enttäuschend sind die geringen Reserven des Ladeetuis. Mit dem Ladeetui können wir die Galaxy Buds lediglich einmal nachladen und kommen so auf eine Gesamtnutzungszeit von etwas mehr als 14 Stunden. Das Ladeetui ist Qi-fähig und kann drahtlos auf entsprechenden Ladegeräten geladen werden. Zudem gibt es einen USB-C-Ladeanschluss.

Verfügbarkeit und Fazit

Apples Airpods 2 mit dem hier getesteten drahtlosen Ladeetui kosten 230 Euro. Das Modell mit dem klassischen Ladeetui kostet 180 Euro. Das gleiche Ladeetui ist auch bei den Airpods der ersten Generation dabei. Die Airpods 2 gibt es wieder nur in weißer Farbe. Samsungs Galaxy Buds sind in Schwarz, Weiß oder Gelb zu haben und kosten mit drahtlosem Ladeetui 150 Euro.

Fazit

Beim Test der Galaxy Buds und der Airpods 2 zeigten beide Hersteller ärgerliche Eigenarten. Beide Bluetooth-Hörstöpsel können nur eingeschränkt mit Fremdplattformen verwendet werden. Hier verhalten sich also beide Hersteller besonders kundenunfreundlich. Andere Hersteller von Bluetooth-Hörstöpseln unterstützen immer sowohl die Android- als auch die iOS-Plattform. Es ist sowohl für Apple als auch für Samsung kein Ruhmesblatt, die konkurrierende Plattform so bewusst davon auszuschließen.

Die Einbußen bei den Airpods sind dabei dramatischer als bei den Galaxy Buds, weil bei den Apple-Stöpseln die Komfortfunktion der praktischen Ohrerkennung eben nur für Apple-Kunden angeboten wird. Da Hörstöpsel auch Firmware-Updates erhalten, kaufen solche Kunden de facto ein Produkt ohne Support, weil sie nicht die vom Hersteller vorgeschriebene Plattform nutzen.

Die deutlich verbesserte Akkulaufzeit bei den Airpods 2 ist ein großer Gewinn. Auch die Reserven des Ladeetuis sind gut dimensioniert. Die Hey-Siri-Erkennung ist uns zu dogmatisch implementiert - wir würden die Funktion im Zusammenspiel mit den Hörstöpseln gerne ohne Aufwand umschalten können.

Wir finden es schade, dass die Airpods 2 weiterhin keine direkte Lautstärkesteuerung an den Stöpseln erlauben. Der Aufpreis für das Qi-fähige Ladeetui für die neuen Airpods ist zudem viel zu hoch angesetzt. Klanglich gibt es zwischen den alten und neuen Airpods keine Unterschiede. Das bassintensive, ausgewogene, dynamische Klangbild hat uns erneut überzeugt. Erfreulicherweise liefern die neuen Airpods mit Android-Geräten endlich eine angemessene maximale Lautstärke.

Schade, dass Apple weiterhin auf eine sehr glatte Oberfläche setzt. Eine etwas rauere Oberfläche würde die Airpods mühelos noch sicherer im Ohr halten. Die Galaxy Buds haben damit keine Probleme, sie sitzen sehr fest im Ohr, ohne zu schmerzen. Dafür kämpfen sie mit Schritthall und sind beim Klang recht bassarm, liefern aber ein ausgewogenes und dynamisches Klangbild. Beim Telefonieren enttäuschen die Galaxy Buds, Anrufer können uns nur schwer verstehen.



Die Sensorsteuerung an den Galaxy Buds ist passabel, aber wie so oft nicht frei von fehlerhaften Erkennungen von Gesten. Wer eine Lautstärkeregelung an den Stöpseln wünscht, muss auf andere Funktionen verzichten. Hier hätten wir uns eine bessere Umsetzung gewünscht.

Bei der Akkulaufzeit liegen die Galaxy Buds ganz weit vorne und übertrumpfen die Airpods. Allerdings hat sich Samsung ärgerlicherweise für einen viel zu klein dimensionierten Akku im Ladeetui entschieden - lediglich eine vollständige Nachladung ist eine Frechheit für so ein Gerät. Zumindest muss der Käufer bei Samsung für das Qi-Ladeetui keinen Aufpreis bezahlen.



Eine Kaufempfehlung können wir für keine der beiden Hörstöpsel aussprechen. Denn der Ausschluss einer jeweils großen Kundengruppe ist einfach inakzeptabel, weil diese damit auch von wichtigen Firmware-Updates ausgeschlossen werden. Wer ein iPhone besitzt, erhält mit den Airpods einen besonders guten Klang für die geringe Größe.

Die Galaxy Buds sind ordentliche Bluetooth-Hörstöpsel, verärgern Käufer aber vor allem mit einem viel zu leistungsschwachen Ladeetui und einer schlechten Sprachqualität bei Telefonaten. Das ist schade, denn beim Klang schneiden sie nicht schlecht ab, bieten aber keine Komfortfunktionen wie eine praktische Ohrerkennung. Beim Schauen von Videos kommt es zu einem zeitlichen Versatz zwischen Ton und Bild. Wer damit auch Filme schauen will, sollte sie meiden.  (ip)


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