Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/one-i160-im-test-corsairs-wakue-zylinder-macht-alles-richtig-1904-140743.html    Veröffentlicht: 30.04.2019 09:01    Kurz-URL: https://glm.io/140743

One i160 im Test

Corsairs Wakü-Zylinder macht alles richtig

Die dritte Version von Corsairs Komplett-PC überzeugt durchweg: Der One i160 ist dank doppelter Wasserkühlung und überarbeiteter Belüftung sehr leise, die Leistung fällt dank Core i9-9900K und Geforce RTX 2080 Ti ansprechend aus. Nur der Preis ist sehr hoch.

Seit 2017 verkauft Corsair nicht nur Arbeitsspeicher und Peripherie, sondern auch ungewöhnliche Komplett-PCs: Der One Pro (Test), ein kompaktes zylinderförmiges System mit Wasserkühlung für Grafikchip und Prozessor, gefiel uns zwar gut. Kritik gab es jedoch für die lahme SSD und den störenden Lüfter auf den Spannungswandlern der Geforce-Karte. Für den neuen One i160 hingegen gilt: Keine Schwachpunkte mehr, was ihn zum nahezu perfekten Komplett-PC für vermögende Content-Ersteller oder Gamer macht.

Auf den ersten Blick gibt es kaum Unterschiede zum 2017er- und zum 2018er-Modell: Der One i160 misst 380 x 200 x 173 mm und hat ein Volumen von nur gut zwölf Litern. Die Verarbeitung des aus mattschwarz eloxiertem Aluminium gefertigten Systems ist sehr gut, allerdings zieht die Oberfläche schnell Fingerabdrücke an. Die Frontanschlüsse befinden sich nicht mehr oben vertikal direkt unter dem Power-Button, sondern sind horizontal unten am Gehäuse platziert. Der HDMI-Ausgang samt zwei USB-Ports und 3,5-mm-Audio-Klinke ist für VR-Headsets wie das Oculus Rift gedacht.

Die Rückseite zeigt bereits, dass im Inneren eine Mini-ITX-Hauptplatine steckt, die Anschlussvielfalt ist dennoch ausreichend: Neben fünf klassischen USB-Buchsen von USB 2.0 über USB 3.2 Gen1 bis Gen2 gibt es eine mit Type C (USB 3.2 Gen2). Das Mainboard weist überdies noch einen PS/2-Port, Gigabit-Ethernet und Anschlüsse für die beiden WLAN-Antennen auf, da ein ac-8265-Kärtchen von Intel verwendet wird. Die zwei LED-Streifen an der Front strahlen blau, die Beleuchtung kann aber per iCue-Software unter Windows 10 in ein anderes RGB-Licht geändert oder abgeschaltet werden. Bloatware installiert Corsair nicht, wohl aber MSI Live Update, um Firmware und Treiber zu aktualisieren.

Um den One i160 zu öffnen, müssen wir auf der Rückseite sehr fest auf einen eckigen Knopf drücken, damit der Deckel abnehmbar ist und sich das Kühlsystem zeigt: An jeder Seitentür hat Corsair einen Slim-Radiator montiert, einen für die wassergekühlte Grafikkarte und einen für den wassergekühlten Prozessor. Der Deckel ist eigentlich ein absaugender 140-mm-Lüfter, der im Leerlaufbetrieb stillsteht. Selbst nach einer Stunde in der Polizeistation vom Resident Evil 2 oder beim Rendern per Blender rauscht der One i160 noch erfreulich leise - toll!

Komplett lautlos agiert der One i160 allerdings nicht, denn im Leerlauf können wir durchaus die beiden Pumpen und die Festplatte wahrnehmen, wenn es ansonsten still im Raum ist. Im Alltag aber halten wir den Corsair-PC für absolut silent-tauglich. Einen großen Anteil daran hat der neue 80-mm-Lüfter auf dem Kühlblock für die Spannungswandler der Grafikkarte, der nicht mehr so lärmt wie seine Vorgänger.

Im One i160 verbaut Corsair eigene Komponenten und einige von MSI: Die Hauptplatine ist offenbar ein modifiziertes Z370I Gaming Pro Carbon AC, darin stecken 32 GByte DDR4-2666-CL16 in zwei Arbeitsspeicherbänken. Als Grafikkarte wird eine Geforce RTX 2080 Ti verwendet, als Prozessor ein Core i9-9900K. Bei der 512 GByte großen NVMe-SSD handelt es sich um eine PM961 von Samsung in M.2-2280-Bauweise. Ergänzt wird sie durch eine Seagate Barracude Compute mit 2 TByte als 2,5-Zoll-Festplatte. Ein SF600-Gold-Netzteil von Corsair sorgt für genügend Leistung und hohe Effizienz. Im Leerlauf messen wir 47 Watt, unter Spielelast sind es meist über 300 Watt.

Benchmarks und Fazit

Die Geschwindigkeit des One i160 entspricht dem, was von den Komponenten zu erwarten ist: Die wassergekühlte Geforce RTX 2080 Ti erreicht aufgrund niedriger Temperaturen im 60-Grad-Bereich minimal höhere Frequenzen als Nvidias Founder's Edition, was sie zu einer extrem schnellen Grafikkarte für Spiele oder für Cuda-Anwendungen macht. Aktuelle Titel laufen in 1440p mit hohen Bildraten oder flüssig in 4K-UHD. Beim Prozessor jedoch hat Corsair die Performance ein wenig gedrosselt - das ist weder neu noch verwunderlich.

Der Core i9-9900K mit acht Kernen kann alle bis auf 4,7 GHz boosten und zwei sogar auf 5 GHz. Damit das dauerhaft klappt, muss der Chip jedoch viel Energie aufnehmen, und das kann je nach Kühlung zu hohen Temperaturen führen. Corsair nutzt ein langfristiges Power Limit (PL1) von 122 Watt und ein dauerhaftes (PL2) von 95 Watt, der 9900K erreicht so unter Blender rund 70 Grad Celsius. Die Geschwindigkeit liegt daher bei Last auf allen Kernen unter der eines 9900K mit voll ausgefahrenen 200 Watt - in Spielen ist der Unterschied praktisch egal. Wer will, kann den Chip im One i160 auch auf 150 Watt einstellen: Die Temperatur bleibt mit 96 Grad Celsius unkritisch, die Geräuschkulisse aber steigt.

Verfügbarkeit und Fazit

Corsair verkauft den One i160 für 3.900 Euro und gibt zwei Jahre Garantie, wobei Nutzer RAM und Storage aufrüsten dürfen. Der Preis ist hoch, zumal die Basiskomponenten alleine - CPU, Board, RAM, Grafikkarte, SSD, HDD, Netzteil - wenigstens 2.100 Euro kosten; hinzukommen Windows 10 und das Gehäuse samt doppelter Wasserkühlung plus die Entwicklung des Systems. Etwas günstiger ist der One i140 für 3.200 Euro: Hier erhalten Käufer einen Core i7-9700K statt eines Core i9-9900K, eine Geforce RTX 2080 anstelle einer Ti-Variante, aber ebenfalls 32 GByte Arbeitsspeicher sowie eine 512-GByte-SDD und eine 2-TByte-Festplatte.

Der One i160 ist die dritte Generation von Corsairs zylindrischem Komplett-PC und der technisch bisher beste: Der Turmrechner hat aufgrund des Core i9-9900K mit 32 GByte RAM und der Geforce RTX 2080 Ti eine sehr hohe Leistung zur Content-Erstellung mit beispielsweise Adobe Premiere oder Davinci Resolve und ist praktisch das Schnellste, was Spieler derzeit kaufen können (den T-Rex außen vor). Vor allem aber beeindruckt uns, wie leise Corsair diese Hardware trotz des kompakten Gehäuses dank der doppelten Wasserkreisläufe kühlt.  (ms)


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