Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/netzbetreiber-telekom-hat-seit-jahren-keinen-meter-kupferkabel-verlegt-1904-140741.html    Veröffentlicht: 17.04.2019 12:33    Kurz-URL: https://glm.io/140741

Netzbetreiber

Telekom hat seit Jahren keinen Meter Kupferkabel verlegt

Den Preis für die letzte Meile der Telekom auf Basis aktueller Tiefbau- und Kupferpreise zu berechnen, nennt der Breko absurd. Die realen Kosten seien eine sinnvolle Grundlage.

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) hat die vorgeschlagene Preiserhöhung für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) auf der letzten Meile kritisiert. "Das Absurde daran ist, dass die Telekom seit Jahren keinen Meter Kupferkabel mehr verlegt und keine einzige Tiefbaumaßnahme zur Verlegung von Kupferleitungen mehr veranlasst haben dürfte", sagte Breko-Geschäftsführer Stephan Albers am 17. April 2019. Dennoch stelle die Bundesnetzagentur die Telekom in ihren Genehmigungsentscheidungen so, als wenn sie das Kupfernetz jedes Mal wieder neu errichten würde.

Die Deutsche Telekom soll künftig für die Bereitstellung der Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) deutlich mehr Geld verlangen dürfen. Nach dem Vorschlag der Bundesnetzagentur soll vom 1. Juli 2019 an der Preis für die Anmietung der Leitung vom Hauptverteiler zum Kunden (HVt-TAL) von derzeit 10,02 Euro auf 11,19 Euro steigen. Das entspräche einem Anstieg von fast zwölf Prozent. Der Preis für den Anschluss ab Kabelverzweiger (KVz-TAL) soll um vier Prozent von 6,77 Euro auf 7,05 Euro steigen.

Seit 1999 ist der Preis für die Bereitstellung der HVz-TAL kontinuierlich von 12,99 Euro auf derzeit 10,02 Euro gesunken. Der neuerliche Anstieg erklärt sich jedoch aus der Berechnungsmethode, die auf den Kosten für den hypothetischen Neubau der Leitungen im Tiefbau und Anstieg der Kupferpreise basiert.

Wenig Anreize, in reine Glasfasernetze zu investieren

"Auf diese Weise spendieren die Wettbewerber über die Zugangsentgelte zur letzten Meile den Büchern der Telekom alle drei Jahre ein neues Kupfernetz. Die Bundesnetzagentur sollte sich überlegen, ob sie im Glasfaserzeitalter die richtigen Ausbauanreize setzt", sagte Albers. "Solange die Telekom jede ihrer vollständig abgeschriebenen Kupferleitungen von den Wettbewerbern mit über 11 beziehungsweise 7 Euro entgolten bekommt, hat sie wenig Anreize, in reine Glasfasernetze zu investieren."

Der Breko spricht sich dafür aus, die Problematik des "Wiederbeschaffungsansatzes" der Bundesnetzagentur im Rahmen der laufenden Überarbeitung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) zu lösen. Besser sei zugrunde zu legen, welche "tatsächlichen Kosten" die Telekom aktuell für das Kupfernetz habe. Dies betreffe Betrieb und Erhaltung durch Reparatur und Wartung.

In dem Verband sind viele Stadtnetzbetreiber organisiert, größte Mitglieder sind die Netzbetreiber Ewe Tel, 1&1 Versatel und Deutsche Glasfaser. Die drei großen Stadtnetzbetreiber M-Net (München), Netcologne (Köln) und Wilhelm.tel sind nicht im Breko, sondern im Buglas (Bundesverband Glasfaseranschluss) engagiert.  (asa)


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