Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/elektromobilitaet-daimler-ist-gegen-oberleitungs-lkw-1904-140684.html    Veröffentlicht: 15.04.2019 14:27    Kurz-URL: https://glm.io/140684

Elektromobilität

Daimler ist gegen Oberleitungs-Lkw

Elektrisch ja, aber bitte mit Akku: Der Automobilhersteller Daimler hat sich gegen die E-Highway-Projekte der Bundesregierung ausgesprochen. Die Stuttgarter bevorzugen elektrisch angetriebene Lkw, die ihren Strom aus dem Akku beziehen, um damit die EU-Vorgaben für Flottenemissionen zu erfüllen.

Akku oder Oberleitung? Die Bundesregierung fördert den Bau von drei E-Highway-Teststrecken, Straßenabschnitten mit Oberleitungen für Elektro-Lkw. Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler, einer der größten Lkw-Produzenten, hält jedoch nicht viel von diesem Konzept und bevorzugt Lkw mit Akkus.

"Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dem Elektro-Lkw ein flexibles und jetzt schon verfügbares Konzept haben - ohne teure, aufwendige und langwierige Planungsmaßnahmen", sagte ein Daimler-Sprecher der Tageszeitung Die Welt. "Der elektrische Actros fährt jetzt schon als Prototyp und ab 2021 in Serie." Der Logistik-Dienstleister Hermes testet den Elektro-Lkw seit einigen Monaten.

Es sei einfacher, eine Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw aufzubauen, als Autobahnen mit Oberleitungen auszustatten, argumentiert Daimler. "Es gibt bereits ein ähnliches System zum Gütertransport mit Oberleitungen, das sehr gut funktioniert: Es heißt Deutsche Bahn."

Zudem sei die Frage offen, wer ein solches Oberleitungssystem betreiben solle. Dafür kämen weder der Staat noch die Autohersteller infrage. Wenn diese Frage aber nicht geklärt sei, könne sich der Aufbau einer Oberleitungsinfrastruktur hinziehen.

Das aber sei nicht im Interesse von Daimler, schreibt die Zeitung: Der Hersteller muss schnell eine größere Anzahl elektrischer Lkw auf die Straße bringen, damit er die Vorgaben der Europäischen Union zu Kohlendioxid-Emissionen für seinen Fuhrpark erfüllen kann. Das, so glaubt Daimler, sei mit Akku-Lkw einfacher zu erreichen. Die sollen nach Ansicht des Herstellers auch günstiger sein als Oberleitungs-Lkw, in der Anschaffung wie im Betrieb.

Drei Pilotprojekte für Lkw-Oberleitungen gibt es in Deutschland: Das erste ist in Hessen seit Ende vergangenen Jahres in Betrieb, auf der Autobahn A5 zwischen den Anschlussstellen Langen/Mörfelden und Darmstadt/Weiterstadt. Die zweite Teststrecke auf der A1 zwischen Reinfeld und Lübeck in Schleswig-Holstein soll in Kürze in Betrieb genommen werden. Schließlich soll in Baden-Württemberg die Bundesstraße 462 bei Rastatt elektrifiziert werden.

In Schweden läuft ein Test mit Oberleitungs-Lkw seit Juni 2016. Die Fahrzeuge sowohl bei dem hessischen als auch bei dem schwedischen Pilotprojekt stammen vom schwedischen Hersteller Scania, einer Tochter von Volkswagen.

Laut einer Studie des Öko-Instituts soll der Aufbau einer Oberleitung an deutschen Autobahnen zu einer Verringerung von Kohlendioxid-Emissionen beitragen.  (wp)


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