Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fitbit-versa-lite-im-test-eher-smartes-als-sportliches-wearable-1904-140579.html    Veröffentlicht: 10.04.2019 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/140579

Fitbit Versa Lite im Test

Eher smartes als sportliches Wearable

Sieht fast aus wie eine Apple Watch, ist aber viel günstiger: Golem.de hat die Versa Lite von Fitbit ausprobiert. Neben den Sport- und Fitnessfunktionen haben uns besonders der Appstore und das Angebot an spaßigen und ernsthaften Anwendungen interessiert.

Wir können unsere Abflugzeit mit einer App namens Flights überprüfen und auf der App von British Airways oder United Airlines die Bordkarte anzeigen. Falls wir den Flieger verpasst haben, können wir die örtliche Wettervorhersage abrufen, uns von Yelp ein Restaurant in der Nähe empfehlen lassen, den Spaziergang dorthin als Aktivität erfassen und dann auch noch unseren Schlaf im Hotelbett analysieren. Alle diese Möglichkeiten bietet die Versa Lite von Fitbit direkt an unserem Handgelenk.

Die Versa Lite ist mit einem Preis von rund 160 Euro eine der günstigeren Smartwatches von einem der großen Hersteller. Sie muss über die App von Fitbit per Bluetooth mit einem Smartphone gekoppelt werden, das funktioniert mit Geräten unter iOS und Android - und zwar ohne plattformspezifische Vor- oder Nachteile (wie bei Android Wear).

Das Wearable verfügt über alle nötigen Sensoren zur Erfassung und Analyse von Bewegungen, so dass wir automatisch unsere Schritte zählen und den Schlaf analysieren lassen können. Die Versa Lite verfügt über eine optische Herzfrequenzmessung und einen SpO2-Sensor, der auf Veränderungen im Sauerstoffgehalt des Blutes hinweist und so vor Schlafapnoe warnen kann. Auf diese Art bekommen wir sehr stimmige Daten, vor allem bei der Schlafanalyse ist Fitbit unserer Einschätzung nach richtig gut geworden.

GPS-Daten bei Läufen oder Radtouren können sie nur mit einem gekoppelten Smartphone aufzeichnen. Anders als bei den teureren Modellen Versa und Ionic können wir auf der Lite keine Musik abspeichern, außerdem hat sie weder einen barometrischen Höhenmesser noch beherrscht sie das kontaktlose Bezahlen via Fitbit Pay.

Beim Analysieren von Sporteinheiten schneidet das Gerät gut ab, die Erfassung von Sportdaten hat problemlos funktioniert. Bei einer Runde Joggen mit dem Smartphone in der Hand - es war für das Tracking der GPS-Daten zuständig - hat die Versa Lite alle Daten sinnvoll zusammengeführt und sie dann zuverlässig auf Strava übertragen.

Keine sportwissenschaftlichen Analysen

Die Unterschiede bei der Streckenlänge und dem Puls zur parallel getragenen Garmin Fenix 5X Plus waren minimal. Allerdings zeigt Fitbit schlicht weniger Daten an, eine Auswertung der Schrittfrequenz etwa gibt es nicht. Wichtig für Schwimmer: Anders als die normale Versa kann die Lite die Wende beim Schwimmen und damit die im Wasser zurückgelegte Strecke nicht erfassen.

Fitness, Schlaf und Sport sind bei unserer Übernachtung zu Hause oder im Hotel also abgehakt. Aber wie sieht es mit der Bordkarte des nächsten Fluges oder der Abendunterhaltung aus? Fitbit bietet in seiner App Gallery - so heißt der Store offiziell - inzwischen rund 200 Programme aller Art an. Der Zugriff erfolgt über die App, die Installation der Programme funktioniert sehr komfortabel mit wenigen Befehlen. Für einige der Anwendungen und Zifferblätter sind ein paar Euro fällig, die wir mit unserer Kreditkarte bezahlen müssen - das ist ziemlich unkomfortabel und stört uns fast mehr als die Kosten selbst.

Allerdings sind die meisten Programme kostenlos, und sie bieten tatsächlich einiges an Nutzen und Unterhaltung. Entwickler können das SDK für Fitbit OS ohne große Umstände anfordern und kostenlos für die Plattform programmieren, Fitbit verspricht dabei relativ weitgehende Unterstützung.

Verfügbarkeit und Fazit

Bislang hat das zu einer Reihe von einfachen, aber ordentlich gemachten Umsetzungen von Spielen wie Flappy Bird und Snake, dazu To-do-Listen, ein paar für Reisen nützlichen Tools sowie schöne Ideen wie einen F2A-Authentikator für Google Auth geführt. Nett ist auch das von der Pebble zu Fitbit gewechselte News Headline, das aktuelle Schlagzeilen auf dem Display anzeigt.

Was es fast nicht gibt: Apps von großen Firmen. Anwendungen von Facebook, Apple, Google oder Microsoft sind gar nicht zu finden. An Fluglinien gibt es nur die genannten British Airways und United Airlines. Dazu kommen ein paar Programme, auf die wir in Europa keinen Zugriff bekommen oder die hier keinen Nutzen bieten, etwa von Starbucks und Uber. Immerhin können wir Strava nutzen und unsere Lichtanlage mit Philips Hue steuern.

Die Bedienung der Apps funktioniert durchaus gut, allerdings müssen wir uns wie bei der ersten Version von Apples Watch OS teils auf lange Wartezeiten einstellen: Wenn größere Datenmengen vom Smartphone per Bluetooth auf die Uhr übertragen werden müssen, ist teils Geduld gefragt. Dann kann es schon mal eine halbe oder ganze Minute dauern, bis eine App wieder aktuell ist, und wir auf Strava die Strecken zu sehen bekommen, die wir gerade mit der Versa Lite gelaufen sind.

Die Versa Lite ist in mehreren Farbversionen für rund 160 Euro bei Fitbit selbst sowie im Handel erhältlich. Sie ist mit einer Höhe von 11 mm und einer Breite von rund 39 mm (ohne Taste) relativ klein. Der Packung liegt eine etwas kürzere und eine etwas längere untere Armbandhälfte bei, so dass die Uhr an jedes Handgelenk passen sollte. Sie ist laut Hersteller "wasserabweisend" bis 50 Meter, der Akku soll bei normaler Nutzung vier Tage lang durchhalten - was sich in der Praxis bei uns bestätigt hat.

Fazit

Die Versa Lite von Fitbit ist ein grundsolides Wearable zum fairen Preis. Die Uhr sieht gut aus und wirkt wertig, die Bedienung mit Touchscreen und nur einer statt drei Tasten wie bei der Versa ist komfortabel und macht Spaß. Basisfunktionen wie die Erfassung einfacher Gesundheitsdaten - etwa von Schritten und Schlaf - und die Benachrichtigungen funktionieren sehr gut, und das bei einer ordentlichen Akkulaufzeit. Den Verzicht auf GPS finden wir allerdings schade.

Insgesamt haben wir nach einigen Tagen der Nutzung den Eindruck, dass sich Fitbit durchaus geschickt in einer Nische zwischen den auf Athleten fokussierten Sportuhren von Garmin und Polar sowie der Apple Watch und vergleichbaren Smartwatches positioniert hat. Mit der Versa Light bekommt man ein bisschen was von allem - aber eben keine fortgeschrittenen Sportanalysen und keine Apps von so gut wie jeder Fluglinie oder den großen Onlinekonzernen.

Wer einfach eine ordentliche Fitnessuhr mit den wichtigsten Basisfunktionen sowie eine Smartwatch möchte, für die auch unabhängige Entwickler ohne große Hürden eigene Programme entwickeln und vertreiben können, sollte einen Blick auf die Versa Lite werfen.  (ps)


Verwandte Artikel:
Fitbit Ionic im Test: Die (noch) nicht ganz so smarte Sportuhr   
(22.11.2017, https://glm.io/131270 )
Casio Pro Trek WSD-F30 im Test: Wem die Stunde doppelt schlägt   
(22.02.2019, https://glm.io/139551 )
Smartwatch: Fitbit stellt Versa Lite für Einsteiger vor   
(06.03.2019, https://glm.io/139830 )
Inspire: Fitbits neues Wearable gibt es nicht im Handel   
(10.02.2019, https://glm.io/139295 )
Wearable: Fitbit stellt Mittelklasse-Smartwatch Versa vor   
(13.03.2018, https://glm.io/133317 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/