Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/strahlenbelastung-bruessel-will-strenge-grenzwerte-fuer-5g-nicht-aendern-1904-140575.html    Veröffentlicht: 09.04.2019 15:55    Kurz-URL: https://glm.io/140575

Strahlenbelastung

Brüssel will strenge Grenzwerte für 5G nicht ändern

In der belgischen Hauptstadt Brüssel soll es vorerst kein Pilotprojekt für 5G geben. Die Umweltministerin der Region will die Bewohner wegen der Strahlenbelastung nicht zu "Versuchskaninchen" machen.

In der Debatte über eine zu hohe Strahlenbelastung durch den neuen Mobilfunkstandard 5G will die belgische Region Brüssel keine höheren Grenzwerte akzeptieren. "Die Einwohner von Brüssel sind keine Versuchskaninchen, deren Gesundheit gegen Profit verkauft werden kann. Wir müssen über jeden Zweifel erhaben sein", sagte die Umweltministerin der Region, Céline Fremault, der Zeitung L'Echo. Dem Bericht zufolge sind Verhandlungen gescheitert, die zulässige Strahlenbelastung mehr als zu verdoppeln.

Allerdings liegen die Grenzwerte in Brüssel dem Bericht zufolge derzeit deutlich niedriger als in anderen Regionen und Ländern. Während in Brüssel bei 900 Megahertz im GSM-Netz nur eine elektrische Feldstärke von 6 Volt pro Meter (V/m) und eine Leistungsdichte von 0,096 Watt pro Quadratmeter (W/qm) erlaubt sind, liegen die Grenzwerte nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Deutschland wesentlich höher. So sind im selben Frequenzbereich hierzulande 41 V/m und 4,5 W/qm erlaubt. Für LTE-Netze im Frequenzbereich von 2,8 Gigahertz sind sogar 61 V/m zulässig. Die Leistungsdichte beträgt dabei 10 Watt pro Quadratmeter.

Das Belgische Institut für Postdienste und Telekommunikation hatte im Oktober 2018 vorgeschlagen, die Grenzwerte deutlich zu erhöhen. Seiner Studie zufolge (PDF, englisch) reiche der Grenzwert von 6 V/m nicht aus, um 5G in der Region Brüssel einzusetzen. Daher sei eine Erhöhung für den Bereich von 900 Megahertz auf 14,5 V/m erforderlich. Dieser sollte jedoch langfristig auf 41,5 V/m erhöht werden, um sich dem europäischen Standard anzunähern. Doch Fremault lehnte diese Änderung ab. Statt dessen forderte die Umweltministerin, auf europäischer Ebene einen Grenzwert festzulegen. Sonst riskiere man eine "totale Anarchie" und einen Wettbewerb zwischen den Städten um die niedrigsten Grenzwerte.

Mit dem Aufbau des 5G-Netzes geht es in Belgien aber nicht nur wegen des Streits um die Strahlenbelastung langsam voran. Ende März 2019 scheiterte eine Einigung darüber, wie die Einnahmen aus der Frequenzversteigerung zwischen Land und Regionen verteilt werden sollten.

BUND fordert Vorsorge und Schutz

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte im November 2018 einen Forderungskatalog verabschiedet, in dem von der Bundesregierung eine Vorsorge- und Schutzpolitik vor elektromagnetischen Feldern gefordert wird. Bei Planung und Bau von Mobilfunk-Sendeanlagen müssten Standorte mit empfindlichen Nutzungen wie Kindergärten oder Schulen besonders berücksichtigt werden. Hier seien deutlich niedrigere Anlagengrenzwerte und Abstandsregeln vorzugeben, die auch nicht-thermische gesundheitliche Effekte berücksichtigen und verhindern helfen.

Durch den zunehmenden Ausbau der 5G-Infrastruktur sei in nahezu allen Lebensbereichen eine erhöhte Strahlenbelastung zu befürchten. Mehr als 244 Wissenschaftler und Ärzte aus 41 Ländern würden ein Moratorium beim Ausbau des 5G-Standards empfehlen, bis Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt durch industrieunabhängige Wissenschaftler erforscht würden.  (fg)


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(21.01.2019, https://glm.io/138875 )

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