Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/eu-kommission-leitlinien-sollen-missbrauch-von-ki-verhindern-1904-140550.html    Veröffentlicht: 08.04.2019 17:35    Kurz-URL: https://glm.io/140550

EU-Kommission

Leitlinien sollen Missbrauch von KI verhindern

Künstliche Intelligenz soll in Europa nicht zum Nachteil der Bürger eingesetzt werden. Dazu machte eine Expertenkommission erste Vorschläge.

In Abgrenzung zu China und den USA soll künstliche Intelligenz (KI) in Europa nach dem Willen der EU-Kommission nach strengeren ethischen Regeln entwickelt werden. Entsprechende Empfehlungen legte die Brüsseler Behörde am Montag vor. Bis 2020 sollen Unternehmen, Forschungsinstitute und Behörden die Vorgaben testen und ihre Erfahrungen teilen. Konkrete Gesetzesvorschläge sollen dann gegebenenfalls anschließend folgen.

In ihren Leitlinien formuliert die Kommission "sieben Voraussetzungen für eine vertrauenswürdige KI". Im Einzelnen empfiehlt die EU-Kommission, dass künstliche Intelligenz generell zur Stärkung der Grundrechte beitragen solle und nicht die Unabhängigkeit von Menschen einschränken dürfe. Die Menschen sollten zudem volle Kontrolle über ihre Daten haben. Diese dürften nicht dazu genutzt werden, ihnen zu schaden oder sie zu diskriminieren. Auch für eigenständige Maschinenentscheidungen sollten zudem klare Verantwortlichkeiten und Rechenschaftspflichten geschaffen werden.

Zu den sieben Stichpunkten gehören der

20 Milliarden Euro Investitionen

Der Vorstoß ist Teil der KI-Strategie der EU-Kommission. Demnach sollen bis Ende 2020 mindestens 20 Milliarden Euro an privaten und öffentlichen Investitionen in dem Bereich zusammenkommen. Die Brüsseler Behörde will zusätzlich 1,5 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern bereitstellen.

"Die ethische Dimension der KI ist kein Luxus oder ergänzender Zusatz. Nur mit Vertrauen wird unsere Gesellschaft in vollem Umfang von den Technologien profitieren können", sagte der zuständige EU-Kommissar Andrus Ansip. "Bei einer ethisch vertretbaren KI gibt es nur Gewinner und sie kann zu einem Wettbewerbsvorteil für Europa werden: eine Führungsrolle beim Aufbau einer menschenzentrierten KI, der die Menschen vertrauen können", ergänzte der Kommissionsvizepräsident.

IT-Wirtschaft begrüßt Vorschläge

Die IT-Branchenverband Bitkom begrüßte die Veröffentlichung. "Mit den heute vorgelegten Ethikleitlinien sendet Europa ein klares Signal: Ethische Fragen müssen bei Entwicklung und Einsatz Künstlicher Intelligenz von Beginn an mitgedacht werden", sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. KI müsse ethischen Leitlinien folgen, dürfe sie nicht ignorieren und ihnen schon gar nicht widersprechen.

Ähnlich äußerte sich der Verband Eco. "Wir begrüßen die Botschaft, die heute von der EU mit den neuen Ethik-Leitlinien für das Zukunftsthema KI gesendet wurde: Vertrauenswürdige KI-Anwendungen sollen so entwickelt und eingesetzt werden, dass sie menschliche Autonomie respektieren, dennoch sicher, fair und nachvollziehbar funktionieren", sagte Vorstandschef Oliver Süme. Der Verband nehme die Fragestellungen "sehr ernst" und sei der Überzeugung, "dass ethische Normen, Handlungsleitlinien und damit Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz digitaler Technologien im engen Schulterschluss zwischen Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft entwickelt werden müssen".  (fg)


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