Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/uploadfilter-twitch-erwaegt-ausschluss-von-eu-nutzern-1904-140416.html    Veröffentlicht: 03.04.2019 10:24    Kurz-URL: https://glm.io/140416

Uploadfilter

Twitch erwägt Ausschluss von EU-Nutzern

Vor einer Woche ist die umstrittene EU-Urheberrechtsreform verabschiedet worden. Als erste große Plattform deutet jetzt der Videostreamingdienst Twitch Uploadfilter und Geoblocking an.

Die Urheberrechtsreform der EU bleibt nicht ohne Konsequenzen für die künftige Strategie von Content-Service-Providern wie Facebook, Youtube oder Twitch. Emmet Shear, CEO von Twitch, kündigte bereits am 8. März 2019 im Talkformat Twitch Town Hall Uploadfilter an und brachte den Ausschluss von EU-Nutzern ins Spiel.

"Grundsätzlich müssten wir, um uns und unsere Kreativen zu schützen, eine Art automatisiertes Filtersystem implementieren, das sehr restriktiv ist und das alles aus Europa, was eine Urheberrechtsverletzung sein könnte, daran hindert, rauszugehen. Das ist leider eine sehr niedrige Schwelle", sagt Shear. "Wenn jemand in den USA streamt, werden die europäischen Nutzer aus dem Stream herausgefiltert."

Artikel 17 (vorher Artikel 13) der EU-Urheberrechtsrichtlinie macht Content-Service-Provider haftbar, wenn Nutzer auf ihren Seiten unerlaubterweise urheberrechtlich geschütztes Material hochladen. Das neue Recht soll 2021 in Kraft treten.

Emmet Shear, CEO von Twitch, ergänzte seine Kritik am vergangenen Dienstag beim Fortune's Brainstorm Tech Dinner in San Francisco. Am selben Tag war die Richtlinie durch das Europäische Parlament verabschiedet worden. "Das Gesetz ist meiner Meinung nach ziemlich schlecht gemacht und lässt tonnenweise Fragen offen", sagte er. "Es ist völlig unklar, was wir tun müssen, um uns daran zu halten oder nicht."

Für Shear ist die Richtlinie zu vage. Er will per Lobbying erreichen, dass die konkrete Umsetzung eine faire Nutzung von geschütztem Material ermöglicht, etwa wenn im Hintergrund eines Videos ein Filmposter hängt oder jemand zu einer bestimmten Musik die Straße hinabläuft.

Twitch und seine Nutzer verdienen Geld durch Sponsoring und Anzeigen in Videostreams, die meist Menschen zeigen, die Computerspiele live spielen. Da Twitch keine Rechte an den gezeigten Spielen besitzt, könnte die Plattform stark vom neuen Gesetz betroffen sein.

"Große Kollateralschäden" durch Artikel 13

Shear fürchtet durch das Gesetz große Kollateralschäden. Twitch müsse nun maximal restriktiv vorgehen und alles blockieren, "das theoretisch in irgendjemandes Vorstellung eine Urheberrechtsverletzung darstellen könnte. Das behindert wirklich eurer kreatives Schaffen." Shear antwortet auf die Frage des Moderators von Twitch Town Hall, ob Twitch aufgrund von Artikel 13 ein System von Inhaltsfiltern benötigt: "Ja, absolut. Denn wir haben die Verpflichtung, es zu stoppen, bevor es veröffentlicht wird."

Uploadfilter würden sowohl Nutzer in der Europäischen Union als auch außerhalb betreffen: Twitch müsse einerseits sicherstellen, dass niemand in der EU geschütztes Material hochlädt. Andererseits müsse die Plattform aber auch verhindern, dass EU-Nutzer geschütztes Material konsumieren können, das jemand außerhalb der EU hochgeladen hat.  (anw)


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