Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/eu-unfall-fahrtenschreiber-in-autos-ab-2022-pflicht-1903-140279.html    Veröffentlicht: 27.03.2019 09:20    Kurz-URL: https://glm.io/140279

EU

Unfall-Fahrtenschreiber in Autos ab 2022 Pflicht

Neuwagen müssen ab 2022 in der EU mit vielen Assistenzsystemen ausgerüstet werden, darunter einem Fahrtenschreiber, der die Sekunden vor dem Unfall speichert. Darauf haben sich Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten verständigt.

Automatisierte Notbremsung, Warnung vor der Ablenkung des Fahrers, Spurhalteassistenten, Rückfahrwarnsystem und Ähnliches sollen in neu konstruierten Autos ab 2022 Pflicht werden. Spätestens 2024 sollen dann sämtliche Neuwagen mit zahlreichen Assistenten ausgerüstet sein, die den Fahrer nicht nur informieren, sondern auch unterstützen.

Auf Wunsch des Parlaments sollen künftig alle Fahrzeuge mit Ereignisdatenschreibern ausgestattet werden, die kritische, crashrelevante Daten einige Sekunden vor einem Crash speichern. Sie sollen Informationen für die Unfallanalyse und die zukünftige Unfallreduzierung liefern.

Der Einbau von Alkohol-Prüfgeräten per Atemkontrolle soll erleichtert werden, heißt es in der Mitteilung. Damit ist nicht, wie von einigen Medien behauptet, die Pflicht zum Einbau von Atemalkohol-Kontroll-Wegfahrsperren gemeint.

Lkw und Busse müssen der Vorlage nach so konzipiert und gebaut werden, dass Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer und Fußgänger für den Fahrer besser sichtbar werden. Alle großen Fahrzeuge sollen mit Funktionen wie Fußgänger- und Radfahrer-Kollisionswarnung und Tote-Winkel-Informationssystem ausgestattet werden.

Die vorläufige Vereinbarung muss noch von den Botschaftern der Mitgliedstaaten (AStV) und am 2. April 2019 vom Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz bestätigt werden. Es wird dann dem Parlament und dem EU-Ministerrat zur endgültigen Genehmigung vorgelegt.

Derartige Systeme dürften nicht nur die Neuwagenpreise erhöhen, sondern auch bei Reparaturen zu Problemen führen. Untersuchungen der American Automobile Association (AAA) zeigen einen signifikanten Anstieg der Reparaturkosten für Autos mit neuen Sicherheitssystemen, die bereits nach einem kleinen Unfall anfallen. Der Studie zufolge fällt bei Fahrzeugen mit aktueller Sicherheitstechnik "nach einer Kollision aufgrund teurer Sensoren und deren Kalibrierungsanforderungen doppelt so viel Geld für die Reparaturkosten" an. Demnach liegen die Kosten für eine Windschutzscheibenreparatur für Autos mit automatischer Notbremsung, adaptiver Geschwindigkeitsregelung und Spurhaltewarnsystemen bei bis zu 1.650 US-Dollar. Normalerweise kostet ein Windschutzscheibenersatz zwischen 210 und 500 US-Dollar.

Volvo kündigte vor einigen Tagen Pläne an, Kameras und Sensoren im Auto einzusetzen, um betrunkene Fahrer oder solche zu erkennen, die Drogen genommen haben oder abgelenkt sind. Ob dies schon im Vorgriff auf die EU-Pläne geschehen ist?  (ad)


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