Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/amazon-prime-video-chef-der-monopolkommission-will-amazon-entbuendeln-1903-140206.html    Veröffentlicht: 24.03.2019 00:00    Kurz-URL: https://glm.io/140206

Amazon Prime Video

Chef der Monopolkommission will Amazon entbündeln

Amazon solle in Deutschland seine Marktmacht einbüßen, indem die kostenlose Verknüpfung Amazon Prime mit bestimmten Filmen oder attraktiven Serien beendet werde, sagt der Vorsitzende der Monopolkommission.

Die extrem starke Position des US-Konzerns Amazon im deutschen Onlinehandel lässt den Ruf nach einer Begrenzung der Marktmacht des Unternehmens laut werden. "Man könnte bei Amazon in Richtung einer Entbündelung auf Produktebene denken", sagte Achim Wambach, der Vorsitzende der Monopolkommission, der Welt am Sonntag. Vorbild könne ein Verfahren der EU-Kommission gegen Google im vergangenen Jahr sein.

Die EU-Wettbewerbsbehörde hatte dem Suchmaschinenbetreiber die Praxis untersagt, dass Hersteller von Android-Smartphones, die Google-Dienste einbinden wollen, gleichzeitig ein Paket von dessen Apps auf die Geräte bringen müssen. Dies stelle einen Missbrauch von Marktmacht dar, argumentierte die EU-Kommission. "Auch Amazon Prime verknüpft verschiedene Leistungen", zog Wambach eine Parallele. So können Prime-Kunden bestimmte Filme oder attraktive Serien anschauen. Doch Prime Video ist nicht nur für Prime-Mitglieder buchbar.

Die Monopolkommission ist ein Expertengremium, das die Bundesregierung in Fragen des Wettbewerbs berät und dazu regelmäßig Gutachten veröffentlicht. Wambach ist Präsident des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW und seit 2016 auch Vorsitzender dieser Kommission.

Amazon wickelt fast die Hälfte des gesamten E-Commerce mit Endverbrauchern in Deutschland ab

Über Amazon wird fast die Hälfte des gesamten E-Commerce mit Endverbrauchern in Deutschland abgewickelt. Der Konzern habe sich in den vergangenen Jahren zum dominanten Player im deutschen Online-Handel entwickelt, erklärte das Kölner Handelsforschungsinstitut IFH. Dabei erweitere das Unternehmen seine Vormachtstellung nicht nur über seinen eigenen Handel, sondern in erster Linie durch das Marktplatzgeschäft, auf dem dritte Händler aktiv sind. Im vergangenen Jahr entfiel laut IFH ein Viertel des gesamten deutschen Online-Handels allein auf den Amazon Marketplace und weitere rund 21 Prozent auf den eigenen Handel. Dieser wuchs im vergangenen Jahr nach einer Mitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC um 17,3 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro. Mit dem überdurchschnittlichen Wachstum gewann Amazon erneut Marktanteile hinzu.  (asa)


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