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P30 Pro im Hands on

Neues Top-Smartphone von Huawei kommt mit 5x-Teleobjektiv

Bei seinem neuen P30 Pro hat Huawei nicht nur ein Teleobjektiv mit fünffacher Vergrößerung eingebaut, sondern auch den traditionellen RGB-Farbfilter verworfen. Der neue soll für eine höhere Lichtausbeute und eine bessere Bilddynamik sorgen - im ersten Test sind die Ergebnisse vielversprechend.

Huawei hat in Paris sein neues Android-Smartphone P30 Pro vorgestellt. Wie beim Vorgänger P20 Pro legt der chinesische Hersteller auch bei seinem neuen Gerät viel Wert auf die Kamera, die komplett neu entwickelt wurde. Golem.de konnte sich das neue Smartphone vor der Vorstellung bereits genauer anschauen.

Das Smartphone hat eine Vierfachkamera auf der Rückseite, die aus drei Bildsensoren und einer Time-of-Flight-Kamera (ToF) für die Entfernungsmessung besteht. Anders als das P20 Pro hat das P30 Pro keinen Monochromsensor mehr, sondern wie das Mate 20 Pro ein zusätzliches Superweitwinkelobjektiv mit einem 20-Megapixel-Farbsensor und einer auf das Kleinbildformat umgerechneten Brennweite von 16 mm. Die Anfangsblende liegt bei f/2.2. Die Standardkamera hat 40 Megapixel, eine Anfangsblende von f/1.6, einen optischen Bildstabilisator (OIS) und umgerechnet eine Brennweite von 27 mm.

Das Teleobjektiv des P30 Pro bietet nicht mehr nur eine dreifache optische Vergrößerung wie beim Mate 20 Pro, sondern eine fünffache. Da die Bautiefe für ein derartiges Objektiv zu groß für ein Smartphone ist und ein das Gerät dadurch entsprechend dick wäre, hat Huawei die Linsen liegend verbaut. Ein Prisma bricht das Licht um 90 Grad und leitet es durch eine Objektivgruppe an den Sensor weiter, der 8 Megapixel hat. Die Brennweite liegt bei umgerechnet 125 mm, die Kamera hat wie die Hauptkamera einen OIS.

Auf dem P20 Pro und dem Mate 20 Pro konnte Huawei nur eine digitale, aber hochwertige Fünffachvergrößerung anbieten. Das P30 Pro hat eine aufgewertete Zehnfachvergrößerung, deren Qualität die anderer Smartphones übersteigt. In unseren ersten Tests empfinden wir es aber als sinnvoller, ein Foto mit der optischen Fünffachvergrößerung zu machen und den Ausschnitt entsprechend zu vergrößern. Ein nicht weiter optimierter Digitalzoom ist bis zu einem 50-fachen Vergrößerungsfaktor möglich, diesen halten wir qualitativ aber nicht mehr für sinnvoll einsetzbar.

Den Sensor der Hauptkamera hat Huawei komplett neu entworfen: Der neue Superspectrum-Sensor hat keinen herkömmlichen Bayer-Farbfilter mehr wie ein Großteil der aktuellen Digitalkameras. Bei der RGB-Matrix hat Huawei hingegen Grün gegen Gelb ausgetauscht, um mehr Licht auf den Sensor zu lassen. Entsprechend musste der komplette Kamera-Stack neu konstruiert werden, damit Nutzer beim Fotografieren einer grünen Wiese keine gelben Grashalme auf dem fertigen Bild sehen.

Durch den Farbtausch will Huawei eine verbesserte Lichtausbeute und damit verbunden eine bessere Bilddynamik erreichen. Laut dem Hersteller erreicht das P30 Pro einen ISO-Wert von 409.600 - das ist viermal mehr als eine Canon 5D Mark IV. In der Realität dürften diese Werte aufgrund der geringen Größe des Sensors aber wenig Sinn ergeben, sie helfen aber, auch in sehr dunklen Umgebungen noch ein Bild zu bekommen - dazu später mehr.



Sehr ausgewogen belichtete Bilder

In unseren ersten Tests zeigt sich, dass das P30 Pro tatsächlich sehr ausgewogen belichtete Bilder macht. Im Master-AI-Modus, also bei zugeschalteter Bildverbesserung durch künstliche Intelligenz, schaltet die Kamera-App automatisch einen HDR-Effekt hinzu, wenn die Belichtungssituation es erfordert. Im Porträtmodus soll die KI des P30 Pro dafür sorgen, dass der HDR-Effekt partiell eingesetzt wird; in unseren ersten Tests funktioniert das gut, inwieweit dieser Modus aber einer klassischen HDR-Aufnahme überlegen ist, können wir erst bei einer genaueren Gegenüberstellung feststellen.

Verbessert hat Huawei auch den Nachtmodus, der klarere Bilder liefern soll. Er ist weiterhin als separater Menüpunkt in der Kamera-App vorhanden; zusätzlich macht das P30 Pro auch im normalen Automatikmodus dank des neuen Bildsensors verbesserte Aufnahmen in sehr dunklen Umgebungen. Diese sind darauf optimiert, die maximale Helligkeit zu erzielen.

Entsprechend können wir in einem für das menschliche Auge stockdunklen Raum noch ein Foto von einem Gemälde machen, das wir eigentlich nicht mehr sehen. Der neue Sensor schafft es, genügend Licht einzufangen, was jedoch sehr zu Lasten der Schärfe und der Details geht. Wir kennen allerdings kein anderes Smartphone, das in dieser Situation noch ein solch gut belichtetes Foto macht.

Bei Videoaufnahmen ermöglicht das Smartphone eine Kombination von optischem und KI-Bildstabilisator, was zu besonders ruhigen Filmen führen soll. In unseren Versuchen wirken die Aufnahmen tatsächlich sehr stabil, auch dann, wenn wir stark in der Horizontalen und Vertikalen wackeln. Dank des Superspectrum-Bildsensors können Nutzer zudem auch gut belichtete Videos in Low-Light-Szenarien aufnehmen.

Die Frontkamera des P30 Pro hat 32 Megapixel und ist in einer kleinen Notch untergebracht, eine direkt im Display eingelassene Kamera gibt es nicht. In der Notch ist kein IR-Blaster wie beim Mate 20 Pro verbaut, der die Gesichtserkennung sicherer macht. Der OLED-Bildschirm ist 6,47 Zoll groß und hat eine Auflösung von 2.340 x 1.080 Pixeln. Auf ein höher auflösendes Display verzichtet Huawei, da der durchschnittliche Nutzer den Unterschied zu einem Full-HD-Bildschirm nicht erkenne.

Das Display hat wie das des Mate 20 Pro abgerundete Ränder auf der linken und rechten Seite. Wie bei anderen Smartphones mit derartigen Bildschirmrändern erfüllen diese auch beim P30 Pro keinen Zweck und sollen lediglich der Optik dienen. Erfahrungsgemäß führen diese Displays im Alltag zu unabsichtlichen Fehlbedienungen und leichten optischen Störungen, wenn Nutzer schräg darauf schauen. Ansonsten macht der Bildschirm auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck: Er ist blickwinkelstabil und hat gute Farben.

Optischer Fingerabdrucksensor unter dem Display-Glas

Wie das Mate 20 Pro hat das P30 Pro einen direkt unter dem Display eingebauten Fingerabdrucksensor. Beim Prozessor setzt Huawei auf ein bekanntes SoC: Im P30 Pro kommt der Kirin 980 mit Dual-NPU (Neural Processing Unit) zum Einsatz, der auch im Inneren des Mate 20 Pro steckt. Wie beim Mate 20 Pro ist die NPU unter anderem für die KI-Funktionen der Kamera-App zuständig, bei der Motive erkannt werden und die Bildeinstellungen entsprechend optimiert werden. Der Arbeitsspeicher ist beim P30 Pro 8 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher wahlweise 128, 256 oder 512 GByte. Ein Steckplatz für NM-Speicherkarten ist eingebaut.

Das P30 Pro unterstützt Cat21-LTE und WLAN nach 802.11ac. Bluetooth läuft in der Version 5.0, ein NFC-Chip ist eingebaut. Das Smartphone ist nach IP68 vor Wasser und Staub geschützt. Das P30 Pro hat keine Klinkenbuchse für Kopfhörer. Ausgeliefert wird das Gerät mit Android 9 und Huaweis eigener Benutzeroberfläche Emotion UI 9.1.

Der Akku des P30 Pro hat eine Nennladung von 4.200 mAh. Er soll sich dank des mitgelieferten 40-Watt-Ladegerätes in 30 Minuten von null auf 70 Prozent Ladung aufladen lassen. Das Smartphone unterstützt zudem drahtloses Schnellladen mit 15 Watt. Außerdem können Nutzer das P30 Pro dazu verwenden, andere Geräte drahtlos aufzuladen.

Fazit

Unser erster Eindruck des P30 Pro ist sehr gut. Die Kamera bildet einen großen Dynamikumfang ab, der HDR-Effekt funktioniert gut. Wie sinnvoll eine Fünffachvergrößerung im Alltag ist, ist sicherlich Ansichtssache; mit dem normalen Weitwinkel- und dem Superweitwinkelobjektiv stehen dem Nutzer viele Optionen für die Bildgestaltung zur Verfügung.

Erst ein genauer Vergleichstest wird zeigen, wie sich die neue Kamera verglichen mit der Konkurrenz und dem Mate 20 Pro schlägt. Unser erster Eindruck ist aber, dass Huawei wieder ein starkes Kamerasystem abgeliefert hat.

Dass Huawei für das P30 Pro kein neues SoC entwickelt hat, halten wir für verschmerzbar. Der Kirin 980 ist immer noch ein sehr leistungsfähiger Chipsatz, zusammen mit 8 GByte RAM lief das Betriebssystem in unserem Test flüssig.

Die Notch, in der die Frontkamera steckt, ist Geschmackssache; uns stört eine derartige Ausbuchtung nicht, besonders, wenn sie so klein ist. Huawei hat bei seinem Tochterunternehmen Honor bereits Displays mit einer direkt in das Display integrierten Frontkamera im Einsatz, denkbar ist, dass diese über kurz oder lang auch bei den eigenen Smartphones zum Einsatz kommen.

Das P30 Pro mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher kostet 1.000 Euro. Mit 256 GByte Flash-Speicher steigt der Preis auf 1.100 Euro. Das Smartphone soll ab April 2019 in Deutschland verfügbar sein. Wer eines der Modelle bis zum 4. April vorbestellt, bekommt einen Sonos-One-Lautsprecher gratis.

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von Huawei an einem Pressetermin in Amsterdam teilgenommen, die Reisekosten wurden gänzlich von Huawei übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.  (tk)


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