Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/5g-noch-nie-war-eine-frequenzauktion-so-unsicher-1903-140080.html    Veröffentlicht: 18.03.2019 16:57    Kurz-URL: https://glm.io/140080

5G

Noch nie war eine Frequenzauktion so unsicher

Die aus den USA gesteuerte Debatte um Huawei, hohe Erwartungen sowie Auflagen an das 5G-Netz machen die gesamte Frequenzauktion dem Bitkom-Präsidenten zufolge unsicher. Die Rolle von United Internet bleibt laut ZEW dabei unklar.

Noch nie sei eine Frequenzauktion mit ähnlichen Unsicherheiten behaftet gewesen. Das hat Bitkom-Präsident Achim Berg am 18. März 2019 zur am Dienstag beginnenden 5G-Versteigerung in den Bereichen 2 GHz und 3,4 bis 3,7 GHz gesagt. "Die Auktion wurde von politischen Grundsatzdiskussionen überlagert, und es wurden Erwartungen an die 5G-Netze geschürt, die mit dem jetzt zu vergebenden Frequenzspektrum schlicht nicht zu erfüllen sind. Gleichzeitig werden die Unternehmen in ein Auflagenkorsett gezwungen, das die Wirtschaftlichkeit der geplanten Investitionen infrage stellt"

Unklar bleibt laut Berg weiterhin, ob die Vergaberegeln überhaupt rechtmäßig sind. Zudem sind aus Sicht der Konzerne regulatorische Maßnahmen angekündigt worden, die nach Abschluss der Auktion das Wettbewerbsumfeld stark verändern könnten. "Damit steht das gesamte Verfahren auf tönernen Füßen", erklärte Berg. Die teilnehmenden Unternehmen stünden bei der Auktion vor schwierigen und wirtschaftlich schwerwiegenden Entscheidungen.

ZEW: United Internet könnte einfach nur die Preise hochtreiben

Die Teilnahme von United Internet Drillisch bringt laut Professor Vitali Gretschko, Leiter der Forschungsgruppe Marktdesign des ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung), zudem Bewegung ins Spiel. "Einen möglichen Markteintritt eines neuen Anbieters hat es zuletzt bei der UMTS-Auktion im Jahr 2000 gegeben. Auch dadurch wurden die Preise damals bis auf 50 Milliarden Euro hochgetrieben. Ein solcher Preisanstieg ist bei der aktuellen Auktion eher nicht zu erwarten, da der frühere Hype um 3G doch recht überzogen war."

Es sei nicht klar, ob Drillisch wirklich durch den Kauf von Frequenzen in den Markt eintreten wolle. Deshalb sei es möglich, dass der Anbieter eine Strategie verfolgen könnte, die Preise in die Höhe zu treiben, ohne am Ende diese Frequenzen kaufen zu wollen. "Dieses mögliche Bietverhalten könnte Drillisch strategisch als Hebel nutzen, um an anderer Stelle der Geschäftsbeziehungen einen Vorteil zu erzielen, etwa durch das Neuverhandeln ihrer Mobilfunkprovider-Verträge mit den Netzbetreibern."

In allen bisherigen Auktionen seien die Frequenzen relativ gleichmäßig aufgeteilt worden. "Jeder Netzbetreiber hatte einen ähnlichen Anteil bekommen, gemessen an den Frequenzen, die er bereits hatte." Insbesondere die zu versteigernden 2-Gigahertz-Frequenzen hätten ähnliche Eigenschaften wie 1,8-Gigahertz-Frequenzen, die aktuell aber sehr ungleich verteilt seien.  (asa)


Verwandte Artikel:
United Internet: Niedrige Preise im 5G-Mobilfunk erwartet   
(18.03.2019, https://glm.io/140076 )
Innogy: 1&1 schließt Partnerschaft für 250 MBit/s   
(14.03.2019, https://glm.io/140015 )
5G: Vodafone für gleiche Regeln bei Frequenzvergabe in der EU   
(17.10.2018, https://glm.io/137176 )
Kredite: Gewerkschaft befürchtet Verzögerung von 5G über Jahre   
(18.03.2019, https://glm.io/140072 )
5G: Intelligente Straße des 17. Juni in Berlin   
(16.03.2019, https://glm.io/140053 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/