Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/zensur-russland-blockiert-protonmail-1903-139941.html    Veröffentlicht: 12.03.2019 11:19    Kurz-URL: https://glm.io/139941

Zensur

Russland blockiert Protonmail

Von einer "subtilen Blockade" spricht der Protonmail-CEO. Die Weboberfläche kann weiterhin erreicht werden, russische Mails können jedoch nicht mehr empfangen werden. Auch andere Mailanbieter und Tor-Server sind von der Blockade betroffen.

Russische Internetprovider müssen mehrere Server des E-Mail-Anbieters Protonmail blockieren. Hintergrund sollen Bombendrohungen sein, die im Januar zu einer Evakuierung von mehreren Schulen und Regierungsgebäuden geführt haben. Zuerst hatte Techcrunch berichtet.

Auf einem russischen Blog wurde eine Kopie der Anordnung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB veröffentlicht: Laut dieser müssen insgesamt 26 IP-Adressen von russischen Providern blockiert werden. Darunter sind zwei Protonmail-Mailserver, mehrere Server des Anonymisierunsdienstes Tor sowie verschiedene andere Mailanbieter. Die IP-Adresse eines Tor-Exit-Nodes findet sich gleich zweimal in der Liste.

Die Protonmail-Nutzer können weiterhin auf die Weboberfläche zugreifen. "Protonmail wird nicht auf dem üblichen Weg blockiert, die Blockade ist subtiler", sagt der Protonmail-Gründer und CEO Dr. Andy Yen zu Techcrunch. "Sie blockieren den Zugang zu den Protonmail-Mailserveren. Beispielsweise kann Mail.ru - und die meisten anderen russischen Mailserver - keine E-Mails mehr an Protonmail zustellen. Russische [Protonmail-]Nutzer können jedoch problemlos an ihre Mailboxen gelangen." Protonmail arbeite bereits an technischen Maßnahmen, um seinen russischen Nutzern weiterhin ihre Dienste anbieten zu können, erklärt Yen.

In Russland wird viel blockiert

In Moskau demonstrierten am 10. März 15.000 Menschen gegen die zunehmende Überwachung im Internet. Mitte des vergangenen Jahres begann Russland damit, den Messenger Telegram zu blockieren - allerdings wenig erfolgreich. Über Proxy-Server kann Telegram weitergenutzt werden. Zuvor war in Russland bereits der Messenger Zello gesperrt worden, eine "Walkie-Talkie-App", die zwischenzeitlich zur Kommunikation bei Protesten in Russland eingesetzt wurde. Weil Zello auf Amazons AWS-Dienste auswich, blockierte die russische Behörde für Telekommunikationsregulierung Roskomnadzor zwischenzeitlich bis zu 13,5 Millionen IP-Adressen von AWS.  (mtr)


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