Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/meyer-optik-goerlitz-2-000-euro-objektiv-war-ein-chinesisches-fabrikat-1903-139930.html    Veröffentlicht: 12.03.2019 08:46    Kurz-URL: https://glm.io/139930

Meyer-Optik Görlitz

2.000-Euro-Objektiv war ein chinesisches Fabrikat

Meyer-Optik Görlitz hatte 2015 ein 50-mm-Objektiv mit f/0,95 vorgestellt, das für 2.000 Euro verkauft wurde. Es handelte sich um das geringfügig veränderte chinesisches Modell, das nur 900 Euro kostet. Das hat der neue Firmeneigentümer zugegeben.

Der neue Eigentümer von Meyer-Optik Görlitz gibt zu, dass die vom Vorgänger verkaufte Made-in-Germany-Optik Nocturnus 50mm f/0,95 für rund 2.000 Euro eigentlich das chinesische Mitakon Zhongyi Speedmaster 50 mm f/0,95 ist. Es wird für rund 900 Euro verkauft.

Meyer-Optik Görlitz ging 2018 in die Insolvenz, wurde aber nach der Übernahme der Muttergesellschaft Net SE durch die deutsche OPC Optics wiederbelebt. Der neue Besitzer hat die Geschäftspraktiken des Vorbesitzers untersucht und festgestellt, dass das Nocturnus tatsächlich ein modifiziertes chinesisches Objektiv war. Es wird nicht mehr verkauft.

Nach einem Bericht von Petapixel gab es bereits zuvor Hinweise, dass die 50-mm-Optik dem Mitakon Zhongyi Speedmaster überraschend ähnlich war. Fotograf Ori Cohen hat festgestellt, dass die interne Optik und die Spezifikationen der Objektive identisch sind. "Es scheint unbestreitbar, dass die Nocturnus 50mm f/0,95 I und II auf dem Mitakon 50mm f/0,95 basierten, nachdem sie mehrere Redesign-Phasen durchlaufen hatten", schrieb Cohen 2017.

"Wie in der Vergangenheit in diversen Online-Medien, Foren etc. bereits diskutiert wurde, war auch den jetzigen Meyer-Optik-Mitarbeitern sehr schnell klar, dass es sich im Inneren des Somnium um ein umgebautes, russisches Objektiv und bei dem Nocturnus um ein umgebautes, chinesisches Objektiv gehandelt hat", so Timo Heinze, Geschäftsführer OPC Optics.

"Das ist ein absolutes No-Go. Als deutscher Hersteller, der mit dem Gütesiegel 'Made in Germany' arbeitet, ist dies ein absolutes Armutszeugnis. Diese Objektive mögen für sich genommen durchaus gut sein, jedoch widerspricht die Art und Weise der Produktion und Vermarktung all unseren Prinzipien", stellt Heinze klar.  (ad)


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