Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/indiegames-rundschau-affenzirkus-und-steinzeitidylle-1903-139929.html    Veröffentlicht: 13.03.2019 08:59    Kurz-URL: https://glm.io/139929

Indiegames-Rundschau

Affenzirkus und Steinzeitidylle

Vom Menschenaffen in Ape Out zum Steinzeitmenschen in Dawn of Man und weiter zur Weltraumkolonie in Space Engineers: Die Indiegames-Rundschau deckt im März 2019 ein besonders breites Spektrum an Spielen ab.

Vor kurzem wurde an dieser Stelle der Aufschwung qualitativ hochwertiger Indiegams aus China festgestellt, nun drängt sich die politische Realität vor den Spielspaß. Da ist mit dem taiwanesischen Horrorspiel Devotion endlich ein würdiger, aufwendig produzierter und sehr gelungener Nachfolger im Geiste zum legendären und nicht mehr im Netz verfügbaren Horrorklassiker P.T. aufgetaucht, der in dieser Rundschau einen Fixplatz gehabt hätte.

Und nun ist er schon wieder weg. Weil darin über die chinesische Führung gewitzelt wurde, entlud sich eine derartige Welle an Protesten über das kleine Spiel, dass die Entwickler es wieder von Steam entfernt haben.

Wir finden das schade. Sobald Devotion zurückkehrt, sollten sich Freunde des gepflegten Gruselns unbedingt diesem atmosphärischen Horrorspiel widmen. In der Zwischenzeit laden die folgenden Highlights zu verspielten Stunden ein. Viel Spaß!

Dawn of Man: Steinzeit für Aufbauspielfreunde

Aufbauspieler haben mit dem ebenso minimalistischen wie großartigen Banished seit Jahren einen Liebling. Nun schickt sich Dawn of Man an, ähnlich populär zu werden. Von der Steinzeit bis zur Eisenzeit begleitet und leitet man darin eine Gruppe früher Menschen bei der Sesshaftwerdung. Anfangs stehen Jagen und Sammeln im Zentrum, später folgen dank neu erworbener technischer Fähigkeiten auch Ackerbau und die Errichtung größerer Bauwerke. Jahreszeiten, Zufallsereignisse und Überfälle feindlicher Menschen sorgen für Abwechslung.

Dawn of Man konnte sich überraschend an die Spitze der Steam-Verkaufscharts setzen - und das, obwohl dem Spiel momentan noch ein wenig die langzeitmotivierenden Inhalte fehlen. Die Entwickler haben stetige Erweiterung versprochen, auch wenn das Spiel kein Early-Access-Titel ist. Bei ihrem vorherigen Titel Planetbase haben sie das gleiche Versprechen sogar vorbildlich eingehalten! Dank freundlicher Community und Mod-Support dürfte schon bald für Nachschub an Inhalten gesorgt sein.

Erhältlich für Windows-PC und MacOS; rund 21 Euro

Eastshade und Ape Out

Eastshade: Maler im Märchenland

Als Computerspieler ist man öfter in idyllischen Fantasywelten unterwegs, so entspannt wie in Eastshade geht es dort allerdings selten zu. In dem Open-World-Rollenspiel hat man nämlich keinen Grund, zur Waffe oder Zauberei zu greifen, denn Monster oder andere Gegner gibt es nicht. Stattdessen nutzt der Held dieses hübschen Inselabenteuers Pinsel und Farbe, um als wandernder Maler im Auftrag der verstorbenen Mutter die schönsten Orte der idyllischen Insel Eastshade auf Leinwand zu bannen.

Zu tun gibt es trotz fehlender Kämpfe dennoch genug. Die Bewohner der Insel, allesamt sprechende (und gut vertonte!) Tiere, haben kleinere und größere Aufträge für den malenden Abenteurer, vom Verscheuchen der Mäuse im Garten bis zum Lösen kleinerer Familienstreitigkeiten. Eastshade ist ein sympathisch gewaltloses Abenteuer, das vor allem durch seine stimmige Atmosphäre erfreut. Bei der Erforschung der bildhübschen Insel stößt man auch immer wieder auf Ausblicke und Szenen, die man sich wirklich selbst an die Wand hängen würde.

Erhältlich für Windows-PC; rund 21 Euro

Ape Out - Jazz, Kunst und ein zorniger Gorilla

Ape Out spielt sich wie die Nahkampfvariante des Indie-Klassikers Hotline Miami und sieht aus wie die Anfangssequenz eines klassischen Hollywoodfilms, wie ihn der Grafiker Saul Bass gestaltet haben könnte - und es klingt wie ein Free-Jazz-Drum-Solo. Wer sich jetzt schon fragt, wie diese unterschiedlichen Elemente zusammenpassen, weiß das Wichtigste noch nicht: In Ape Out treten wir als Gorilla an, der auf der Flucht aus seinem Gehege in unterschiedlichen Zoos die Wachen an die Wand klatscht, sie als Schutzschilde verwendet oder an ihnen vorbeischleicht.

Das simple, arcadige Gameplay wird durch die Präsentation zu etwas Besonderem gemacht: Jede Aktion, jede Bewegung und jeder Angriff wird vom Soundtrack als Bestandteil eines furiosen Percussion-Solos in Musik umgesetzt. Der affige Blutrausch wird so zum fast hypnotischen Free-Jazz-Fieber, dessen Instrumente sich im Verlauf der vier "Alben" genannten Abschnitte des Spiels subtil verändern. Herausfordernd, dank prozeduraler Generierung abwechslungsreich und ästhetisch einzigartig: Ape Out ist schon jetzt ein Höhepunkt des Indie-Jahres.

Erhältlich für Windows-PC und Nintendo Switch; rund 15 Euro

Space Engineers, Beacon und The Cursed Forest

Space Engineers: Dem Ingenieur ist nix zu schwör

Sechs Jahre lang erfreut Space Engineers die Freunde von aberwitzigen Sciencefiction-Konstruktionschon schon im Early Access. Seit kurzem ist die Weltraum-Sandbox endlich in einer finalen Version erhältlich. Die Liste der Funktionen und Inhalte ist beachtlich: Survival, Crafting, Technologiebäume, Raumschiffe, Kolonien auf Asteroiden, Monden und Planeten - und noch mehr. Was sich viele Spieler von No Man's Sky erhofften, wird hier geboten. Vor allem gemeinsam mit Freunden macht das Aufbauen und Planen eines Lebens im All oder auf exotischen fremden Planeten viel Spaß.

Im Kreativmodus steht das Bauen im Vordergrund, der Survivalmode hingegen verwandelt Space Engineers in ein Überlebensabenteuer. Eine lebhafte Community und fast endlose Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung machen das Programm sogar zu einer Art Minecraft für Möchtegern-Astronauten, die sich wie Matt Damon im Kinofilm The Martian als Ingenieure stets zu helfen wissen.

Erhältlich für Windows-PC; rund 17 Euro

Und sonst?

Der stylische Twin-Stick-Shooter Beacon (Early Access, Windows-PC, 16 Euro) bietet nicht nur eine hübsche Science-Fiction-Welt, sondern auch ein besonderes Gimmick: Nach dem Tod lassen sich gefundene DNA-Schnipsel in den nächsten Körper integrieren und so zunehmend stärkere Eigenschaften und Fähigkeiten zusammenmixen. Eine clevere Idee, die dem soliden Gameplay Abwechslung verschafft.

The Cursed Forest (Windows-PC, 11 Euro) hat eine längere Geschichte: Ursprünglich als kostenloses Horrorspiel auf Indie DB veröffentlicht, ist das Remake des gruseligen russischen Waldalbtraums nun als grafisch auf Hochglanz poliertes Remake in der Cryengine ein optisch beeindruckender, dank Schreckmomenten und dichter Atmosphäre das Fürchten lehrender Horror-Leckerbissen.  (rs)


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