Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/flash-preisverfall-die-2-tbyte-ssd-fuer-130-euro-ist-denkbar-1903-139819.html    Veröffentlicht: 08.03.2019 09:22    Kurz-URL: https://glm.io/139819

Flash-Preisverfall

Die 2-TByte-SSD für 130 Euro ist denkbar

Die SSD-Preise sinken weiter. Bald könnten Überkapazitäten beim Flash-Speicher erreicht sein. Festplatten lohnen sich immer weniger.

Mit der kommenden Erhöhung der 96-Layer-Flashspeicherproduktion werden SSDs merklich günstiger werden. Ab dem zweiten Quartal dieses Jahres würden die Produktionskapazitäten nennenswert erweitert, was ein weiteres Sinken der Preise zur Folge haben werde, berichtet der taiwanesische Branchendienst Digitimes unter Verweis auf Industriequellen. Für Endkunden wie Unternehmen ist das eine vorteilhafte Entwicklung. Hersteller von Flashspeichern, basierend auf alter Produktionstechnik, werden hingegen wohl deutlich leiden.

Der Branchendienst Dramexchange spricht sogar schon länger von einer absehbaren Halbierung der Preise aufgrund von Überkapazitäten. Das wären dann gerade einmal 5 US-Cent je GByte. Damit wären für namhafte 2-TByte-SSDs Preise um die 130 Euro denkbar.

Unwägbarkeiten bleiben bei solchen Prognosen natürlich. Denn der Markt ist angespannt, da ist eine Konsolidierung nicht ausgeschlossen. Sie würde den Preisverfall stoppen. Bislang zeichnet sich eine solche Entwicklung aber nicht ab, vor allem 2018 sind die Preise für SSDs stark gesunken.

Das ist am Beispiel der 64- und 72-Layer-Flashspeicher zu sehen. Die Kapazitäten sind maßgeblich für den aktuellen Preisverfall auf nur 10 US-Cent je GByte verantwortlich. Einige Marktteilnehmer versuchen demnach, die Produktion zu drosseln. Ob sie damit allerdings gegen die Kapazitätsausweitungen der 96-Layer-Produktion eine Chance haben, bleibt abzuwarten. Eine künstliche Verknappung könne diese nicht ausgleichen, sagten Marktbeobachter Digitimes. Für das zweite Halbjahr 2019 rechnet der Dienst zudem damit, dass Samsung die Produktion von 96-Layer-1-TBit-Chips hochfahren wird.

Die Marktpreise liegen bei etwas über 10 Euro-Cent

Die angegebenen 10 US-Cent je GByte (ohne Steuern) sind hierzulande auch schon fast im Endkundenmarkt erreicht. Laut unserem Preisvergleich liegen die günstigsten SSDs im Handel derzeit bei knapp über 10 Eurocent je GByte (mit Steuern). Das sind zugegebenermaßen keine SSDs bekannter Marken oder gar High-End-Modelle. Viele davon sind schon länger über den Channel ausgeliefert und lassen sich unserer Einschätzung nach schwerer verkaufen. Wer allerdings einen Cent mehr je GByte ausgibt, landet vereinzelt schon bei Marken wie Intel, Kingston und Sandisk. Das sind dann auch keine besonders kleinen SSDs, sondern schon 1 bis 2 TByte für rund 110 respektive 220 Euro.

Allgemein lässt sich sagen, dass namhafte 1-TByte-SSDs derzeit etwa 120 Euro und 2-TByte-Modelle um die 250 Euro kosten. Darunter fallen etwa Intels SSD 660p (M.2 NVMe) mit 1 TByte und Samsungs SSD 860 QVO (SATA 6Gb/s) mit 2 TByte. Die Preise sind seit einigen Monaten einigermaßen stabil. Bei den Angeboten handelt es sich um SSDs, die sich in alten wie neuen Notebooks gut verbauen lassen und gleichzeitig eine anständige Kapazität bieten. High-End-Geschwindigkeiten kann der Anwender allerdings nicht erwarten. Die werden von vielen Endkunden aber ohnehin nicht gebraucht.

Zwar kosten die oben genannten Modelle immer noch dreimal so viel wie eine Notebook-Festplatte mit Spindel. Aber der Aufpreis ist in absoluten Zahlen nicht mehr so hoch wie noch vor einigen Jahren, auch bei vergleichsweise hohen Kapazitäten. Insbesondere beim Aufrüsten alter Hardware oder beim Neukauf spricht einiges für SSDs - und gegen die klassische Festplatte.

Festplatten lohnen sich bald nur noch bei hohen Kapazitäten

So ist der Leistungssprung zum Beispiel für ein zehn Jahre altes Notebook enorm. Einen solchen Austausch haben wir kürzlich in der Praxis mit einem Macbook Pro 2009 gemacht, in dem die 1-TByte-SSHD durch eine 2-TByte-SSD ersetzt wurde. Bei neueren Geräten ist aber oftmals die Aufrüstung nicht möglich. Immerhin steigen aber auch hier preisbedingt die Kapazitäten, so dass das auch solche Geräte annehmbare und langfristig nutzbare Speichergrößen bieten.

Es gibt aber auch Ausnahmen. So verkauft Apple sein Profimodell Macbook Pro immer noch mit einer nicht austauschbaren 128-GByte-Platte in einer Standardkonfiguration. Im PC-Bereich ist das Problem aufgrund vieler Alternativen leichter zu lösen.

Die Zwischenlösung der SSHD hat sich leider am Markt kaum durchgesetzt. Es gibt sie zwar noch, doch die Entwicklung ist im Notebookbereich bei 2 TByte stehengeblieben. Im Serverbereich wird gerne auf eigene Lösungen gesetzt, die SSDs und Festplatten kombinieren.

Sollten sich die Preise, wie von Digitimes und Dramexchange vermutet, tatsächlich noch einmal halbieren, dürfte es für Festplattenhersteller in mehreren Bereichen schwierig werden. Vor allem im unteren und mittleren Kapazitätsbereich. Schon heute lohnt es sich kaum mehr, eine Festplatte zu kaufen, wenn der Anwender die Kapazität nicht braucht. Sollten die Preise sogar im 2-TByte-Bereich auf unter 130 Euro sinken, dürfte die Verlockung, ein paar Euro für eine langsame Festplatte zu sparen, weiter sinken. Damit bliebe den Festplattenherstellern nur noch die Domäne der besonders hohen Kapazitäten.

Bei 2,5-Zoll-Platten liegt das Gros der Angebote im Handel bei 4 TByte mit einer geringen Auswahl von 5-TByte-Festplatten, die vor allem in externen Gehäusen vermarktet werden. Die Preise liegen bei 150 beziehungsweise 250 Euro. 3,5-Zoll-Festplatten im Handel erreichen derzeit 14 TByte für etwa 500 Euro. Festplattenhersteller sind zudem dazu übergegangen, sogenannte Bundles mit höheren Kapazitäten zu vermarkten, was natürlich gut im Prospekt aussieht - letztendlich sind es aber nur mehrere kleinere Festplatten.

All diesen Angeboten gemein ist, dass die SSD-Hersteller preislich im Markt der Endanwender oder auch kleineren Unternehmen kaum eine Chance haben, wenn Kapazität gefragt ist. Das dürfte sich auch mit der drohenden Halbierung der SSD-Preise nicht ändern. Noch ist der Vorsprung der altgedienten Festplattentechnik hier zu groß.  (ase)


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