Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/galaxy-s10-im-test-top-und-teuer-1903-139774.html    Veröffentlicht: 05.03.2019 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/139774

Galaxy S10+ im Test

Top und teuer

Mit dem Galaxy S10+ bringt Samsung erstmals eine Dreifachkamera in eines seiner Top-Smartphones. Die Entwicklung, die mit dem Galaxy A7 begann, hat sich gelohnt: Das Galaxy S10+ macht sehr gute Bilder, beim Preis müssen wir aber schlucken.

Nach der Präsentation der neuen Galaxy-S10-Serie schien diese etwas im Schatten des Galaxy Fold zu stehen. Schließlich ist Samsungs faltbares Smartphone weitaus aufsehenerregender als ein herkömmliches Smartphone. Dabei sind die neuen Galaxy-S10-Modellen durchaus interessant, weil sie an einigen Stellen sinnvolle Weiterentwicklungen beinhalten.

Technisch am interessantesten ist das Galaxy S10+, das nicht nur eine Dreifachkamera auf der Rückseite hat, sondern auch eine duale Frontkamera. Zusammen mit einem Fingerabdrucksensor unter dem Display, einem starken Prozessor und einer hohen Verarbeitungsqualität bietet das Galaxy S10+ ein gutes Gesamtpaket. Anlass für Kritik gibt es aber trotzdem, wie unser Test des Gerätes zeigt.

Das Galaxy S10+ ist das zweitgrößte der vier neuen Galaxy-S10-Modelle, nur das Galaxy S10 5G ist noch größer. Das Display misst in der Diagonale 6,4 Zoll und hat eine Auflösung von 3.040 x 1.440 Pixeln. Wie gewohnt verbaut Samsung ein OLED-Panel, das HDR-Darstellung unterstützt. Der Bildschirm gefällt uns sehr gut: Er ist absolut blickwinkelstabil, weist eine sehr gute Schärfe und eine in der Grundeinstellung natürliche Farbdarstellung auf. Diese lässt sich, wenn gewünscht, auch noch in der Sättigung intensivieren. Praktisch finden wir auch die optional zuschaltbare Videooptimierung, die die Display-Helligkeit erhöht, wenn Apps wie Youtube und Netflix starten. Dadurch sehen auch Nicht-HDR-Inhalte etwas besser aus.

Direkt unter dem Display-Glas ist ein Fingerabdrucksensor eingebaut, Nutzer müssen ihren Finger zum Entsperren des Smartphones also nur auf den Bildschirm legen. Anders als beim Huawei Mate 20 Pro oder beim Oneplus 6T funktioniert der Sensor nicht mit einer Kamera, sondern mit Ultraschall. Das macht ihn in unserem Test merklich zuverlässiger als die anderen bisher verfügbaren Sensoren: Während wir beim Mate 20 Pro teilweise mehrmals unseren Finger auf das Display legen müssen, um das Smartphone zu entsperren, funktioniert das beim Galaxy S10+ fast immer beim ersten Mal.

Interessanterweise ist der Fingerabdrucksensor bei direkter Sonneneinstrahlung auf das Display sichtbar, besonders vor einem weißen Hintergrund. Störend finden wir das im Alltag nicht, da eine derartige Situatiuon eher selten vorkommt. Der Sensor liegt in etwa dort, wo sich das mittlere Symbol der App-Leiste befindet. Je nach Handhaltung finden wir das manchmal etwas zu tief: Wir müssen unseren Daumen für unseren Geschmack stellenweise zu weit nach unten bewegen. Um den Fingerabdrucksensor nutzen zu wollen, müssen wir das Display des Galaxy S10+ nicht aktivieren, sondern lediglich unseren Finger auf den Standby-Bildschirm legen.

Alternativ lässt sich das Galaxy S10+ auch mit einem Gesichtsscan entsperren. Dafür wird die duale Frontkamera verwendet, das zweite Objektiv ist ein Tiefensensor. Im Dunkeln funktioniert die Gesichtserkennung nicht mehr so zuverlässig. In den Systemeinstellungen können wir zwischen einer schnellen und einer langsameren Gesichtserkennung wählen; die langsamere ist Samsung zufolge sicherer, die schnelle soll sich auch mit einem Foto überlisten lassen - gelungen ist uns das im Test allerdings nicht.

Das Galaxy S10+ hat Stereolautsprecher: Audioinhalte werden sowohl über einen im unteren Rahmen verbauten Lautsprecher als auch über den Lautsprecher im Ohrhörer wiedergegeben. Der Klang ist nicht nur laut, sondern auch gut: Wir können Bässe gut erkennen, insgesamt klingt das Galaxy S10+ sehr voll. Nicht alle aktuellen Top-Smartphones bieten einen derartig guten Stereoklang - das LG V40 Thinq beispielsweise hat nur einen Lautsprecher und hört sich eher durchschnittlich an.

Duale Frontkamera im Display

Die Frontkamera beim Galaxy S10+ ist in zweierlei Hinsicht besonders: Sie hat nicht nur zwei Objektive, sondern ist auch direkt in das Display-Glas eingelassen. Das macht Samsung bei den anderen Galaxy-S10-Geräten auch, allerdings haben nur das Galaxy S10+ und das Galaxy S10 5G eine duale Frontkamera. Wir können bei Selbstporträts zwischen einem normalen Weitwinkel und einem Superweitwinkel umschalten.

Der Unterschied zwischen den beiden Brennweiten ist allerdings gering, da er nur durch einen Beschnitt erreicht wird. Das zweite Objektiv ist lediglich für die Tiefenmessung zuständig.

Für das zweite Objektiv musste Samsung im Display den Ausschnitt, hinter dem die beiden Kameras liegen, entsprechend vergrößern. Das Endresultat ist ein 19 x 5 mm großer Bereich in der oberen rechten Ecke, auf dem keine Bildschirminhalte angezeigt werden. Im Alltag hat uns dieses Punchhole nicht sonderlich gestört, wir hätten aber auch nichts dagegen gehabt, wenn Samsung den Bereich kleiner gehalten hätte.

Auf der Rückseite kommt erstmals bei einem von Samsungs Top-Smartphones eine Dreifachkamera zum Einsatz. Bisher hatte Samsung eine Kamera mit drei Objektiven nur beim Galaxy A7 verbaut, einem Smartphone aus der Mittelklasse. In unserem letzten großen Kameravergleichstest schnitt das Galaxy A7 nicht gut ab - beim Galaxy S10+ ist das allerdings nicht zu erwarten, wie wir im Vergleich mit dem Mate 20 Pro von Huawei feststellen konnten, dem Smartphone mit der aktuell am besten bewerteten Kamera.

Die Hauptkamera des Galaxy S10+ hat 12 Megapixel und nimmt Fotos mit einem gemäßigten Weitwinkelobjektiv auf. Die Kamera hat Samsungs mit dem Galaxy S9 eingeführte variable Blende: In hellen Umgebungen wird die Blendenöffnung f/2.4 verwendet, bei schlechterer Beleuchtung schaltet die Kamera auf die offenere Blende f/1.5 um. Das zweite Objektiv ist ein Zweifach-Tele, das eine Brennweite von ungefähr 50 mm hat (aufs Kleinbild umgerechnet) und ebenfalls einen 12-Megapixel-Sensor verwendet.

Viele Perspektiven dank drei Brennweiten

Die dritte Kamera hat einen 16-Megapixel-Sensor und ein Superweitwinkelobjektiv. Mit den drei Kameras haben Nutzer des Galaxy S10+ eine gute Auswahl an Brennweiten und sind für verschiedene Aufnahmesituationen gewappnet. Andere Hersteller verwenden bereits etwas länger eine vergleichbare Kombination derartiger Brennweiten, beispielsweise Huawei mit seinem Mate 20 Pro. Dort kommt allerdings ein Dreifach-Tele zum Einsatz, und nicht wie beim Galaxy S10+ ein zweifaches.

Unterschiedliche Bildqualitäten je nach Objektiv

Die Bildqualität beim Galaxy S10+ gefällt uns im Vergleich mit dem Mate 20 Pro sehr gut. Generell bemerken wir schnell, dass die Kontraste beim Galaxy S10+ etwas kräftiger sind als beim Mate 20 Pro, die Bilddynamik ist wie von Samsung gewohnt sehr ausgewogen. Dabei hilft ein automatischer HDR-Modus, der zuverlässig funktioniert.

Je nachdem, in welcher Lichtsituation wir das Galaxy S10+ verwenden, ist die Detailschärfe verglichen mit der jeweils korrespondierenden Kamera des Mate 20 Pro mal besser, mal schlechter. Verwenden wir das Standardobjektiv, also den leichten Weitwinkel, sind bei Tageslicht die Aufnahmen des Mate 20 Pro zwar etwas schärfer, zeigen dafür aber auch mehr Artefakte. Die Bilder, die wir mit dem Galaxy S10+ machen, sind etwas weicher. Das gleiche Ergebnis erhalten wir bei Aufnahmen in der Dämmerung: Von der Belichtung her nehmen sich die beiden Smartphones nicht viel, das Bild des Galaxy S10+ wirkt aber etwas feiner.

Wird die Beleuchtung allerdings schlechter, also etwa bei wirklichen Nachtaufnahmen, sind die Aufnahmen des Mate 20 Pro besser: Selbst ohne Huaweis Nachtmodus sind die Bilder besser belichtet, beim Galaxy S10+ werden die Motive für unseren Geschmack häufig zu stark aufgehellt oder zu stark unterbelichtet - einen passenden Mittelweg gibt es selten. Mit Huaweis separatem Nachtmodus werden die mit dem Mate 20 Pro gemachten Fotos noch besser, da die Schärfe höher ist. Auch das Galaxy S10+ hat einen Nachtmodus, der sich allerdings nicht manuell aktivieren lässt wie beim Mate 20 Pro. Zudem verfügt er nicht über eine automatische Stabilisierung, dank der auch mehrere Sekunden währende Aufnahmen verwacklungsfrei gelingen; beim Galaxy S10+ benötigen wir ein Stativ oder eine sehr, sehr ruhige Hand.

Schalten wir auf das Superweitwinkelobjektiv des Galaxy S10+, so empfinden wir die Aufnahmen als etwas unschärfer als diejenigen, die wir mit dem Superweitwinkelobjektiv des Mate 20 Pro gemacht haben. Beim Galaxy S10+ ist der Bildwinkel etwas größer, weshalb mehr auf dem Bild zu sehen ist; auch gefällt uns die Belichtung meist besser. Der Kontrast ist wieder etwas stärker als beim Mate 20 Pro, ebenso sind die Farben kräftiger und der Weißabgleich etwas kühler. Beim Teleobjektiv schneiden die beiden Smartphones so ab wie beim Standardobjektiv.

Das Galaxy S10+ hat wie das Mate 20 Pro eine Szenenerkennung, allerdings wird uns nicht genau klar, inwieweit diese die Bildparameter beeinflusst. Anders als das Mate 20 Pro oder das P20 Pro von Huawei schaltet das neue Samsung-Smartphone auch nicht in den Porträtmodus, wenn wir die Kamera auf eine Person richten. Stattdessen müssen wir ihn selbst aktivieren, er nennt sich weiterhin Live Focus.

Art der Hintergrundunschärfe beim Live Focus anpassbar

Samsung hat den Live-Focus-Modus, bei dem der Hintergrund künstlich unscharf maskiert wird, um einige Funktionen erweitert. So ist es beispielsweise möglich, die Art der Hintergrundunschärfe zu beeinflussen und die normale Unschärfe gegen einen Dreh-Effekt oder einen Zoom-Effekt auszutauschen. Auch die farbliche Absetzung der fotografierten Person (oder Personen) gegenüber einem monochromen Hintergrund ist möglich und funktioniert gut. Die Trennung zwischen scharfem Vordergrund, also etwa einer Person, und unscharfem Hintergrund funktioniert in unseren Tests bestens, die Porträtaufnahmen sehen gut aus.

Was uns etwas stört, ist, dass wir im Live-Focus-Modus nicht von der Standardkamera auf das Teleobjektiv umschalten können, um eine vorteilhaftere Perspektive zu erhalten. Beim Mate 20 Pro ist das ohne Schwierigkeiten möglich, beim Galaxy S10+ lassen sich mit dem Zweifach-Teleobjektiv nur Aufnahmen ohne künstliche Hintergrundunschärfe aufnehmen.

Dafür bietet das Galaxy S10+ andere KI-Funktionen an, die dem Nutzer bei der Aufnahme besserer Fotos helfen sollen. So lässt sich in den Einstellungen der Kamera-App beispielsweise die Mängelerkennung aktivieren, die den Nutzer nach der Aufnahme darauf hinweisen soll, dass das Bild beispielsweise verwackelt ist. Die Erkennung scheint uns etwas übervorsichtig zu sein: Sie hat uns einige Male auf verwackelte Bilder hingewiesen, die nicht verwackelt waren - aber lieber einmal zu oft kontrolliert, als später nur ein verwackeltes Foto vom Lieblingsmotiv zu haben.

Aufnahmevorschläge nehmen die Motivsuche ab

Weiter als die Mängelerkennung gehen die Aufnahmevorschläge: Diese weisen uns nicht nur darauf hin, wenn wir das Smartphone bei der Aufnahme zu schräg halten, was das Mate 20 Pro auch macht; darüber hinaus wird uns auch ein konkreter Punkt vorgeschlagen, auf den wir die Smartphone-Kamera richten sollen, um das beste Bild in dieser Situation zu erhalten. In unserem Test sind diese Vorschläge generell ziemlich gut - auch wenn wir selbst stellenweise einen etwas anderen Blickwinkel wählen würden. Wirklich daneben liegt die Aufnahmevorschlagsfunktion aber nie, was sie zu einer guten Hilfe für unerfahrene Fotografen macht.

Das Galaxy S10+ kann Videos in 4K mit bis zu 60 fps aufnehmen. Auch bei 4K-Auflösung verwendet die Kamera eine Bildstabilisierung. Diese ist bereits recht unempfindlich gegenüber wackligen Händen, was sich mit der Einstellung "Superstabil" noch steigern lässt. Dann schaltet das Galaxy S10+ auf die Superweitwinkelkamera um und stabilisiert das Bild zusätzlich durch Wegschneiden der Bildränder. Das Ergebnis ist sehr beeindruckend: Wir können entlang der X- und Y-Achse sehr stark wackeln, ohne dass wir im fertigen Video davon etwas zu sehen bekommen. Lediglich Wackler entlang der Z-Achse kann der Superstabil-Modus nicht so gut ausgleichen. Dies ist aber auch schwieriger - und in der Praxis meist nicht das größte Problem von verwackelten Videos.

Insgesamt gefällt uns die neue Dreifachkamera des Galaxy S10+ sehr gut. Besonders bei Tageslichtaufnahmen ist die Qualität der Aufnahmen verglichen mit denen des Mate 20 Pro häufig besser, was sowohl an der Detailschärfe als auch an der Bilddynamik liegt. Echte Nachtaufnahmen sind jedoch im Vergleich mit dem Mate 20 Pro nicht die Paradedisziplin des Galaxy S10+. Die KI-Szenenerkennung funktioniert, wir wissen aber nicht wirklich, was sie eigentlich macht. Hilfreicher, besonders für unerfahrene Fotografen, sind die Aufnahmevorschläge.

Schnelles neues Exynos-SoC

Das Galaxy S10+ hat Samsungs neues SoC Exynos 9820 mit eingebauter Neural Processing Unit (NPU) für die KI-Anwendungen - zumindest in der europäischen Version. In den USA bekommen Käufer des Smartphones Qualcomms neuen Snapdragon 855, der auf dem Papier schneller als Samsungs Chip ist. Das Gerät kommt wahlweise mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 512 GByte Flash-Speicher oder sogar mit 12 GByte RAM und 1 TByte Flash-Speicher. Unser Testgerät ist die 8-GByte-Version. Diese reagiert in jeder von uns getesteten Situation flink, auch rechenintensive Anwendungen sind für das Galaxy S10+ kein Problem. Das spiegelt sich auch in den Benchmark-Ergebnissen wider, die sehr gut ausfallen: Im Geräte-Benchmark Geekbench erzielt das Smartphone einen Single-Wert von 4.490 Zählern. Das sind über 700 Punkte mehr als beim Galaxy S9+ und Galaxy Note 9 und ist nicht mehr weit entfernt von den 4.832 Zählern des iPhone Xs Max.

Im Icestorm-Unlimited-Test von 3DMark schafft das Galaxy S10+ 54.889 Punkte. Das Galaxy S9+ kam in unserem damaligen Test auf 37.239 Zähler. Zum Vergleich: Das iPhone Xs Max erreicht mit 77.638 Punkten immer noch gut 23.000 Zähler mehr. Im Grafik-Benchmark GFX Bench kommt das Galaxy S10+ auf einen Offscreen-Wert von 43 fps im Car-Chase-Test; das Galaxy S9+ erreichte 28 fps.

Ausgeliefert wird das Galaxy S10+ mit Android 9 und Samsungs neuer Benutzeroberfläche One UI. Diese ist verglichen mit der vorigen vom Design her etwas unauffälliger, sowohl was die Farben als auch die Schrift und die Symbole betrifft. Zudem soll One UI besser auf die einhändige Bedienung großer Smartphones ausgelegt sein. Ein Grundprinzip ist, dass in den unteren zwei Dritteln Eingaben mit dem Daumen gemacht werden, während das obere Drittel eher der Anzeige von Informationen dient.

Dieses Prinzip wird beispielsweise im Einstellungsmenü offensichtlich. Rufen wir die Einstellungen auf, werden die zur Auswahl stehenden Elemente nur in den unteren zwei Dritteln des Displays angezeigt. Wir können dann nach unten scrollen, wobei die Elemente dann auch in den oberen Bereich des Bildschirms rutschen. Die Idee dahinter ist gut, Samsung versucht, diese Prämisse bei den System-Anwendungen umzusetzen. Manche, wie etwa die SMS-App, starten aber in einer Ansicht, bei der das oberste anwählbare Element am oberen Display-Rand sitzt und somit mit einer Hand nicht mehr zu erreichen ist. Wir können die Ansicht aber wieder ein Stück scrollen, um bequem an den obersten Eintrag zu kommen.

Eine derartige Bildschirmaufteilung ergibt angesichts des großen Displays des Galaxy S10+ Sinn, im Alltag helfen uns Samsungs Bemühungen diesbezüglich aber nur selten weiter. Bei den meisten Android-Apps achten die Entwickler nicht darauf, dass die Bedienelemente nur in den unteren zwei Dritteln untergebracht sind. Browser, Messenger etc. erfordern im Ernstfall immer einen Wechsel der Halteposition des Smartphones oder den Einsatz der zweiten Hand. Auch Samsung kann das Schema nicht bei allen System-Apps durchhalten, etwa bei der Kamera-Anwendung.

Auslieferung mit deutschsprachigem Bixby

Samsungs Sprachassistent Bixby ist wie bei den vorigen Smartphone-Modellen in das Betriebssystem integriert, mittlerweile spricht der Assistent auch Deutsch. Bixby lässt sich entweder über den auf der linken Seite des Smartphones eingebauten Bixby-Button aufrufen oder mit dem Sprachkommando "Hi Bixby", das der Nutzer erst einrichten muss. Wer den Assistenten nicht verwenden will, kann den Button dank eines kürzlich erfolgten Updates auch mit einer anderen Funktion belegen.

Bixby nicht so gut bei kontextrelevanten Fragen

Bixby funktioniert in unseren Tests so weit gut, allerdings reagiert der Assistent nicht so gut auf Nachfragen zu bereits erfolgten Anfragen. Diese kontextrelevanten Fragen, bei denen Nutzer Teile der ursprünglichen Frage nicht wiederholen müssen, funktionieren mit dem Google Assistant viel besser. Dafür kann Bixby umfassender auf System-Anwendungen zugreifen. Fragen wir etwa nach unseren letzten SMS, bekommen wir diese angezeigt - nicht jedoch beim Google Assistant. Dieser kann zwar wie Bixby auch die zuletzt aufgenommenen Fotos anzeigen, die Frage nach den von der Samsung-Galerie erstellten Stories kann aber nur Bixby beantworten.

Mit Bixby können wir auch sogenannte Routinen einstellen, mit denen wir das Galaxy S10+ in bestimmten Situationen automatisch Funktionen aktivieren oder ausschalten lassen können. So können wir beispielsweise am Abend die Routine "Gute Nacht" starten lassen, die einen roten Bildschirmfilter aktiviert, das Smartphone stumm stellt und das Always-on-Display deaktiviert. Routinen können entweder zeitlich automatisch gestartet werden, etwa am Abend und am Morgen, oder zu einer von uns festgelegten Uhrzeit. Auch örtliche Routinen, die automatisch aktiviert werden, sind möglich.

Insgesamt gefällt uns One UI besser als Samsungs vorige Benutzeroberfläche. Das Smartphone wirkt aufgeräumter, die Funktionen sind sinnvoll zu erreichen und übersichtlich angeordnet. Die Bixby-Routinen finden wir praktisch, im Gegensatz zur Seitenleiste, die Samsung seit der Einführung des Edge-Displays vorinstalliert. Manch ein Nutzer mag es nützlich finden, mit einem Wisch vom Bildschirmrand verschiedene Apps starten zu können, wir brauchen das nicht - praktischerweise lässt sich die Funktion abstellen.

Von der Verarbeitung her ist das Galaxy S10+ sehr hochwertig. Die Rückseite unseres weißen Testmodells ist aus einem weißen Keramikverbundstoff, was gut aussieht und sich auch gut anfassen lässt. Zudem bleiben Fingerabdrücke so gut wie nicht haften. Unser Testgerät ist ein Duos-Modell, Nutzer können also zwei SIM-Karten parallel verwenden. Samsung weist auf diesen Umstand immer noch sehr prominent mit Hilfe eines entsprechenden Schriftzuges hin. Wir finden, dass das die Rückseite etwas verschandelt. Sie würde besser aussehen, wenn einfach nur Samsung draufstünde.

Bei der Bedienung des Galaxy S10+ ist uns ein nerviges Detail aufgefallen: Der Einschaltknopf ist zu weit oben angebracht. Wollen wir das Smartphone ausschalten, müssen wir unweigerlich die Halteposition verändern - bei unserer normalen Handhabung können wir den Knopf nicht mit unserem Daumen erreichen. Beim Einschalten kann dieses Problem jedoch umgangen werden: Ein doppeltes Tippen auf den Standby-Bildschirm weckt das Galaxy S10+ ebenfalls auf.

Ordentliche Akkulaufzeit

Der Akku des Galaxy S10+ hat eine Nennladung von 4.100 mAh und kann per Kabel oder drahtlos schnellgeladen werden. Einen Full-HD-Film können wir bei maximaler Helligkeit 11 Stunden lang anschauen - ein guter Wert. Im Alltagstest schneidet das Smartphone aber eher durchschnittlich ab: Wenn wir im Laufe des Tages häufiger Youtube-Videos schauen, ab und an ein Casual Game zocken und surfen sowie E-Mails abrufen, kommen wir mit dem Akku des Smartphones nur knapp über den Tag.

Beim Mate 20 Pro haben wir am Ende des Tages ein paar Prozent mehr Akkustand übrig. Huaweis Smartphone verfügt aber auch über eine von Hause aus ziemlich restriktiv eingestellte Hintergrundüberwachung, die Apps schnell schließt. Glücklicherweise können Nutzer Apps von dieser Praxis ausschließen, ansonsten ist die Nutzung mitunter sehr nervig. Das Galaxy S10+ bietet die Möglichkeit, Apps in eine Art Standby-Zustand zu versetzen, wenn wir sie mehrere Tage lang nicht verwenden. Diese Funktion müssen wir allerdings bei der Einrichtung aktivieren.

Wie das Mate 20 Pro kann auch das Galaxy S10+ andere Qi-kompatible Geräte drahtlos aufladen. Diese Power Share genannte Funktion ist vor allem angesichts weiterer Produkte Samsungs interessant: So lassen sich beispielsweise auch Samsungs aktuelle Smartwatches sowie die neuen Galaxy Buds direkt über das Smartphone drahtlos laden. Das ist besonders auf Reisen praktisch: Das Galaxy S10+ kann über ein Kabel geladen werden und parallel und drahtlos weiteres Zubehör. Dessen Aufladegeräte können dann zu Hause gelassen werden.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Galaxy S10+ kostet in der günstigsten Version mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 512 GByte Flash-Speicher 1.250 Euro. Für die Variante mit 12 GByte RAM und 1 TByte Flash-Speicher will Samsung 1.600 Euro haben.

Das Smartphone soll ab dem 8. März 2019 in Deutschland erhältlich sein.

Fazit

Das Galaxy S10+ ist ein technisch sehr gut ausgestattetes, hochwertig verarbeitetes Smartphone. Samsung hat eine sehr gute Kamera verbaut, auch das Display überzeugt uns - etwas anderes sind wir in den letzten Jahren von Samsung aber eigentlich auch nicht gewöhnt. Lediglich die abgerundeten Ränder des Bildschirms sind uns weiterhin ein Dorn im Auge, erfüllen sie doch keinen Zweck, außer Fehleingaben zu forcieren und beim Videoschauen einen Farbsaum zu produzieren.

Die neue Dreifachkamera macht sehr gute Bilder. Anders als beim Galaxy Note 9 schafft es Samsung bei seinem neuen Smartphone, der Konkurrenz von Huawei Paroli zu bieten. Die Bildqualität beim Galaxy S10+ ist häufig ein klein wenig besser als beim Mate 20 Pro, außer bei Nachtaufnahmen. Zudem gefallen uns die Motivvorschläge und der Superstabil-Modus der Videofunktion, der auch sehr starke Wackler quasi ausblendet.

Die duale Frontkamera ist eigentlich nur eine Kamera mit einem zusätzlichen Tiefensensor, eine echte zweite Kamera hat das Galaxy S10+ nicht. Das "Loch" im Bildschirm stört uns im Alltag nicht mehr als eine Notch.

Die drahtlosen Ladeoptionen finden wir praktisch, besonders, wenn Nutzer weitere Geräte besitzen, die sich über den Qi-Standard laden lassen. Die Idee des Power-Sharings ist allerdings nicht neu: Huawei hatte sie als erster Hersteller bei seinem Mate 20 Pro eingeführt.

Huaweis aktuelles Smartphone ist der stärkste Konkurrent für das Galaxy S10+, was die Kamera betrifft - und den Preis. Das Mate 20 Pro ist mittlerweile für gut 750 Euro zu haben, das sind 500 Euro weniger, als Samsung für das preiswerteste Galaxy S10+ haben will.

Wem dieser Aufpreis für den Speicher und die marginal bessere Kamera zu hoch ist, könnte stattdessen auch zum normalen Galaxy S10 greifen: Das Smartphone ist bis auf die Display-Größe und die einfache anstatt duale Frontkamera mehr oder weniger identisch mit dem Galaxy S10+. Die Version mit 128 GByte Speicher, so viel wie beim Mate 20 Pro, kostet mit 900 Euro deutlich weniger als das Galaxy S10+.  (tk)


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