Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/e-scooter-verleih-coup-baut-rollerflotte-in-europa-deutlich-aus-1902-139714.html    Veröffentlicht: 28.02.2019 15:13    Kurz-URL: https://glm.io/139714

E-Scooter-Verleih

Coup baut Rollerflotte in Europa deutlich aus

Die Bosch-Tochter Coup will in diesem Jahr deutlich mehr Elektroroller auf die Straße bringen. Von einer minutengenauen Abrechnung sollen die Nutzer bei kürzeren Fahrten profitieren, längere Fahrten werden teurer.

Der Elektroscooter-Verleih Coup stockt seine Fahrzeugflotte an den drei Standorten Berlin, Paris und Madrid deutlich auf. Zu den bislang 3.550 Elektrorollern der taiwanesischen Marke Gogoro sollen in den drei europäischen Hauptstädten jeweils 500 Roller hinzukommen, sagte Coup-Chef Bernd Schmaul am Donnerstag in Berlin. Dann wären in Berlin 1.500 Gogoro im Einsatz, in Paris 2.200 und in Madrid 1.300. Dies entspricht insgesamt einem Anstieg um 40 Prozent. Zum 1. April 2019 ändert die Bosch-Tochter zudem ihr Abrechnungsmodell.

So können Nutzer ihre Fahrten nur noch über einen Minuten-basierten Tarif buchen. Dabei kostet jede Minute bei einer Mindestmietdauer von zehn Minuten 21 Cent. Bislang liegt der Basispreis bei 3,00 Euro für 30 Minuten. Der neue Mindestpreis von 2,10 Euro ist damit deutlich niedriger als ein ÖPNV-Ticket von 2,80 Euro. Das Nutzungsgebiet wurde lediglich um den Flughafen Tegel erweitert.

Mindestalter gesenkt

Bei einer Fahrt von mehr als 15 Minuten zahlen Nutzer jedoch mehr als beim bisherigen Modell. Schmaul begründete die Umstellung mit Wünschen der Nutzer. Denn fast jede zweite Fahrt dauere weniger als 15 Minuten. Konkurrent Emmy bietet die Fahrten bei einem Preis von 19 Cent pro Minute noch etwas günstiger an, zudem gibt es keine Mindestmietdauer. Ebenfalls ist es möglich, für 5 Cent pro Minute eine Fahrtpause einzulegen.



Darüber hinaus senkt Coup in diesem Jahr das Mindestalter für die Nutzer auf 18 Jahre. Bislang mussten die Scooter-Mieter mindestens 21 Jahre alt sein. Die Hürden beim Bezahlen werden vorerst jedoch nicht abgebaut. Weiterhin lässt sich der Dienst nur per Kreditkarte bezahlen. Produktmanager Christian Geißler wollte bei der Präsentation der Pläne jedoch nicht ausschließen, dass weitere Bezahlmöglichkeiten hinzukommen könnten. Hier wolle das Unternehmen auf Nachfragen der Nutzer reagieren.

Bei Jelbi noch nicht dabei

Offen ist das Unternehmen zudem für die Integration des Angebots in andere Dienste und Apps. "Wir glauben, dass diese Dienste zusammen eine Änderung des Mobilitätsverhaltens in der Stadt bewirken können. Insofern sind wir aufgeschlossen gegenüber Plattformen", sagte Schmaul. Schon jetzt gebe es eine Schnittstelle, um das Angebot zu integrieren. Bei der neuen App Jelbi, mit der die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) verschiedene Mobilitätsdienste in der Hauptstadt bündeln wollen, ist Coup bislang nicht beteiligt.



Schmaul, der früher selbst für die Daimler-Töchter Car2go und Moovel gearbeitet hatte, zeigte sich auch offen für den neuen Mobilitätsdienst Reach Now, den BMW und Daimler am vergangenen Freitag präsentiert hatten. In die App soll demnächst auch die Möglichkeit integriert werden, ein Mobilitätsguthaben einzurichten. Firmen könnten beispielweise ihren Mitarbeitern einen bestimmten monatlichen Betrag freischalten, den sie dann für die unterschiedlichsten Transportmittel nutzen könnten. Solche Kooperationen seien auch eine Frage der kommerziellen Einigung der Partner, sagte Schmaul.

Angaben zu Umsatz und Nutzern macht Coup weiterhin nicht. An allen Standorten arbeiteten zusammen 150 Mitarbeiter, davon 80 in Berlin. Eine Ausdehnung auf andere Städte plant das Unternehmen derzeit nicht. Das Pilotprojekt in der Universitätsstadt Tübingen mit 30 Rollern werde jedoch fortgesetzt. Weiteres Wachstumspotenzial gibt es aber noch in den drei Hauptstädten. Nach Angaben von Schmaul haben die Verwaltungen bislang kein Limit für die Zahl der Roller gesetzt. Mit Paris sei jedoch ein Verhaltungskodex vereinbart worden, um das Stadtbild trotz der vielen Roller zu erhalten.

Konkurrenz durch elektrische Tretroller

Konkurrenz könnte es für Dienste wie Coup und Emmy künftig durch elektrisch angetriebene Tretroller geben, die Schmaul als "positiv" bewertete. Um diese "Elektrokleinstfahrzeuge" im Straßenverkehr zu erlauben, leitete das Bundesverkehrsministerium am Donnerstag eine entsprechende Verordnung (PDF) zur Notifizierung an die EU-Kommission weiter. Demnach dürfen die E-Scooter und E-Skateboards ohne Fahrerlaubnis genutzt werden. Die Fahrer müssen mindestens zwölf Jahre alt sein, wenn die Roller nicht schneller als zwölf Kilometer pro Stunde (km/h) fahren. Bei Rollern bis 20 km/h müssen die Fahrer mindestens 14 Jahre alt sein. Eine Helmpflicht besteht nicht. Aber die Fahrzeuge brauchen ein Versicherungskennzeichen. Sie müssen auf der Straße oder auf Radwegen fahren und dürfen nicht schneller als 20 km/h sein.  (fg)


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