Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/automotive-cloud-vw-baut-kooperation-mit-microsoft-aus-1902-139689.html    Veröffentlicht: 27.02.2019 14:29    Kurz-URL: https://glm.io/139689

Automotive Cloud

VW baut Kooperation mit Microsoft aus

Der Volkswagen-Konzern setzt bei der Vernetzung seiner Autos auf Microsoft. Die VW-Cloud auf Basis von Azure soll auch in den USA und China verfügbar sein.

Der Volkswagen-Konzern will zusammen mit dem US-Softwareunternehmen Microsoft seine Fahrzeuge vernetzen. Dazu werde die geplante Volkswagen Automotive Cloud künftig neben Europa auch in den USA und China verfügbar sein, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der vollelektrische Volkswagen ID werde dabei die erste Fahrzeuggeneration sein, die mit der Cloud verbunden werde. Die beiden Firmen hatten ihre Partnerschaft im Oktober 2018 angekündigt.

"Unsere strategische Partnerschaft mit Microsoft ist ein wesentlicher Baustein, um Volkswagen zum softwaregetriebenen Mobilitätsanbieter zu entwickeln", sagte VW-Chef Herbert Diess anlässlich einer gemeinsamen Veranstaltung mit Microsoft-Chef Satya Nadella in Berlin. Laut Nadella will VW auf Basis von Microsofts Azure Cloud "neue Mobilitätsdienste entwickeln".

VW hatte im vergangenen August angekündigt, vom Jahr 2020 an nur noch vernetzte Fahrzeuge zu verkaufen. Für das kommende Jahr ist auch der Marktstart der ID-Familie in Europa geplant. Der Konzern plant dabei Ausgaben in Höhe von 3,5 Milliarden Euro für die "Digitalisierungsoffensive" und will "mit digitalen Angeboten und Diensten Umsätze in Milliardenhöhe generieren".

Neuer Standort in Seattle

Für die Entwicklung der Automotive Cloud gründete VW bereits Ende 2018 einen eigenen Standort in Seattle, dem Firmensitz von Microsoft. Das Softwareunternehmen unterstützte den Aufbau des Standortes "unter anderem bei der Ansprache von Fachkräften und beim Projektmanagement", hieß es weiter.

In Berlin ist dem Bericht zufolge das Tochterunternehmen Carmeq angesiedelt, das die Entwicklung des neuen Fahrzeugbetriebssystems vw.OS vorantreibt. Derzeit sind 650 Entwickler mit dem neuen Betriebssystem sowie mit Funktionssoftware für Fahrerassistenz, Fahrkomfort und Infotainment beschäftigt. Die neue IT-Architektur im Auto verzichtet laut VW auf verteilte Steuergeräte mit herstellerspezifischer Software, von denen sich derzeit bis zu 70 in einem Fahrzeug befinden. "Stattdessen wird die Fahrzeug-Intelligenz in wenigen Zentralrechnern mit einheitlicher Programmiersprache konzentriert", hatte VW im vergangenen August mitgeteilt.

Nachtrag vom 27. Februar 2019, 16:23 Uhr

Diess betonte, sein Unternehmen entwickle sich zu einer Software-Firma. "Das ist aber ein langer Weg. Unsere Software-Fähigkeiten sind noch begrenzt, das ändert sich aber gerade." Volkswagen müsse zusätzliche Software-Kapazitäten schnell aufbauen. "Bei der Hardware sind wir schon ziemlich gut und spielen international in der ersten Liga. Die spannende Frage wird sein, ob wir bei der Software-Entwicklung auch so gut werden."

Zu dem Szenario gehörten auch umfassende Software-Updates für die Fahrzeuge mit neuen Funktionen. "Das ist aber eine ganz neue Welt für uns", sagte Diess. In der Smartphone-Welt bräuchten die Hersteller manchmal mehrere Anläufe, bis ein Update richtig funktioniere. "Das können wir uns nicht leisten."

Nadella sagte, Microsoft könne viel von der Automobil-Branche lernen, beispielsweise wenn es um den Betrieb von kritischen Systemen gehe. "Unternehmen wie Volkswagen können aber auch von der Software-Branche lernen, beispielsweise was das Tempo der Veränderungen angeht", sagte der Microsoft-Chef.

Nach Angaben von Christian Senger, VW-Markenvorstand für Digitales, soll die IT-Architektur künftig ähnlich wie beim Smartphone aufgebaut sein. Auf Basis einer einheitlichen Plattform, One Digital Platform genannt, sollen die unterschiedlichen Anwendungen nach entsprechenden Standards entwickelt werden. Das ermögliche schnellere Update-Zyklen, die anders als bei den bislang genutzten eingebetteten Systemen nicht mehr hardware-abhängig seien.  (fg)


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