Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/matebook-13-im-test-huaweis-drittes-ultrabook-verwirrt-1903-139549.html    Veröffentlicht: 01.03.2019 09:08    Kurz-URL: https://glm.io/139549

Matebook 13 im Test

Huaweis drittes Ultrabook verwirrt

Das Matebook 13 ist ein gutes Ultrabook zum attraktiven Preis. Der fällt nämlich recht niedrig aus, weshalb Huawei wohl beim Akku und bei den USB-C-Anschlüssen gespart hat. Dafür ist nützliche Software dabei.

Huawei ist zwar ziemlich neu im Ultrabook-Geschäft, dennoch konnten uns die beiden bisherigen Geräte des chinesischen Herstellers überzeugen: Auf das Matebook X (Test) von 2017 folgte vergangenes Jahr das Matebook X Pro (Test), das aktuelle Modell heißt Matebook 13. Und auch wenn es auf den ersten Blick an Apples Macbook Air erinnert, so unterscheiden sich die zwei Notebooks bei genauerem Hinsehen deutlich.

Das aus Aluminium gefertigte Matebook 13 misst kompakte 286 x 211 x 15 mm und liegt unerwartet schwer in der Hand - kein Wunder bei fast 1,3 kg. Zwar hat Huawei das Gerät gut verarbeitet und der Deckel samt Display ist schön verwindungssteif, die Basiseinheit hingegen lässt sich oberhalb des Clickpads und vor allem oberhalb der F6-Taste für unseren Geschmack zu leicht eindrücken. Das bekommen andere Ultrabooks, etwa das XPS 13 von Dell, bei ähnlichen Maßen und Gewicht besser hin.

Bei den Anschlüssen gibt sich Huawei sparsam und verbaut neben einer 3,5-mm-Klinke für Headsets oder Kopfhörer nur zwei USB-C-Buchsen ohne Thunderbolt 3: Die linke eignet sich für Daten oder zum Aufladen des Matebook 13, die rechte für Daten oder für externe Monitore. Wir halten das für Quatsch, denn andere Notebooks geben über denselben Port ein Bild aus, über den sie auch geladen werden. Wir verwenden unseren Eizo Flexscan EV2785 etwa als eine Art Dock mit nur einem USB-C-Kabel, über das wir unseren Arbeitslaptop laden, gleichzeitig ein Bild ausgeben und den Monitor auch noch als USB-Hub für Maus, Tastatur und Ethernet verwenden. Beim Matebook 13 hingegen müssen wir beide Anschlüsse verwenden, wenngleich Huawei zumindest einen Adapter von USB-C auf USB-A sowie HDMI und VGA und USB-C beilegt.

Für das Display setzt Huawei auf ein Panel von Chi Mei, welches mit 2.160 x 1.440 Bildpunkten im 3:2-Format auflöst. Das sorgt bei Filmen zwar für Balken oben und unten, im Alltag erhöht es dafür die Produktivität, da wir vom Browser oder geöffneten Dokumenten mehr auf einmal sehen. Das Panel unterstützt kein Touch, durch die schützende Glasscheibe spiegelt es aber teils störend und zieht am Rand schnell Fingerabdrücke an. Mit einer Helligkeit von bis zu 290 cd/m² strahlt es zudem nicht übermäßig hell, dafür stimmt mit 1.342:1 der Kontrast. Bei schwarzem Hintergrund ist leichtes Clouding mit bloßem Auge in den Panel-Ecken erkennbar, der maximale Aufklappwinkel allerdings erfreulich weit.

Bei der Tastatur handelt es sich um ein typisches Chiclet-Design mit zweistufiger sowie optional abschaltbarer Beleuchtung; die Pfeiltasten sind winzig. Der kurze Hub ist gewöhnungsbedürftig, der straffe Anschlag gefällt uns aber. Clever ist wieder der Power-Knopf, der einen Fingerabdrucksensor für Windows Hello integriert - so bootet das Matebook 13 in Sekunden bis auf den Desktop. Das Clickpad für Gesten fällt sehr breit aus, dank Microsofts Precision-Treibern gibt es keine Aussetzer. Die 720p-Webcam rauscht; eine weiße LED zeigt, ob sie aktiv ist.

Das Innenleben des Matebook 13 wurde gut umgesetzt, bei der vorinstallierten Software gibt es mit dem PC Manager ein praktisches Tool.

Kein Langläufer-Akku

Huawei verwendet als Prozessor je nach Modell zwei aktuelle Chips von Intel: Die intern Whiskey Lake genannten Designs haben vier Kerne und acht Threads, wobei in unserem Muster des Matebook 13 der flottere Core i7-8565U steckt. Der schafft im Cinebench R15 im ersten Durchlauf sehr starke 695 Punkte, danach pendelt er sich bei rund 530 Punkten ein. Huawei hat die CPU auf über 20 Watt eingestellt, was in durchschnittlich rund 2,5 GHz unter Last resultiert - nur wenige Geräte, etwa Dells XPS 13 (9370/9380), sind deutlich schneller als das Matebook 13.

Als Speicher wird wie üblich verlöteter LPDDR3-2133 im Dualchannel verwendet, beim Matebook 13 sind es immer 8 GByte. Das ist für alltägliche Anwendungen genug, kann jedoch bei vielen Tabs im Browser und ein bisschen aufwendigerer Bildbearbeitung knapp werden. Als SSD verwendet Huawei ein gestecktes M.2-2280-Modell von Western Digital, die SN720. Die entspricht der WD Black 3D, deren nahezu identischen Nachfolger - die WD Black SN750 - wir kürzlich getestet haben. Die SN720 im Matebook 13 liest mit hohen 3,45 GByte/s und schreibt mit sehr zügigen 2,5 GByte/s.

Um die SSD oder das ac-9560-2x2-WLAN-Kärtchen (bis zu 1.733 MBit/s brutto) von Intel auszutauschen, müssen wir die vier verklebten Füßchen an der Unterseite entfernen, erst dann lassen sich die darunter liegenden Schrauben lösen. Im Inneren sehen wir die nach unten gerichteten Lautsprecher, die halbwegs passabel klingen - dafür recht laut sind. Die Kühlung besteht aus zwei zum Scharnier hin pustenden Lüftern, wobei nur eine Heatpipe zum Prozessor führt. Eine zweite wäre für die dedizierte Geforce MX150 als Grafikeinheit gedacht, die fehlt jedoch bei den europäischen Modellen. Die Lüfter stehen bei leichter Last still, werden dann aber schnell laut und etwas hochfrequent.

Huawei hat Windows 10 Home vorinstalliert, leider inklusive üblicher Bloadware wie Candy Crush Saga, Fitbit Coach, Phototastic Collage und Xing. Gut finden wir hingegen den PC Manager, welcher wie Lenovos System Update (Vantage) die Firmware und die Treiber aktualisiert. Zudem integriert er Huawei Share, mit welchem wir ein Huawei-Smartphone drahtlos verbinden. Dann lassen sich Fotos auch ohne Google und Co. flott synchronisieren und per Mausklick aktivieren wir Tethering - sehr praktisch. Ein kleines grünes Smartphone im Symbol des PC Manager zeigt zudem, ob die Geräte verbunden sind.

Der Akku des Matebook 13 hat überraschend niedrige 42 Wattstunden - ähnlich kompakte Geräte wie das XPS 13 kommen auf gleich 52 Wattstunden, was fast ein Viertel mehr ist. Beim Test mit dem Productivity-Benchmark des Powermark, welcher sehr leichte Web-Last simuliert, erreicht das Ultrabook bei normierten 200 cd/m² Helligkeit (Stufe 7/10) nur schwache 5:58 Stunden. Eine Wiederholung ergab quasi identische 5:55 Stunden, beim Netflix-Streaming von Star Trek Discovery reichte es immerhin für 6:27 Stunden.

Zum Lieferumfang gehört ein USB-C-Netzteil mit 65 Watt und abnehmbarem USB-C-auf-USB-C-Kabel, das Matebook 13 lädt damit in gut einer Stunde fast vollständig auf.

Seltsames unter Linux

Dank der dem Matebook 13 zugrunde liegenden Intel-Platform läuft das Gerät von Huawei auch problemlos mit Linux. Wir haben das Gerät mit dem aktuellen Ubuntu 18.04 alias Bionic Beaver mit Langzeitsupport getestet. Das die Linux-Unterstützung so gut ist, überrascht im Prinzip nicht, immerhin hat sich die CPU-Architektur von Intel seit Jahren im Prinzip nicht geändert und auch die verbaute integrierte GPU ist schon länger verfügbar, sodass die Treiberunterstützung hier als durchaus ausgereift gilt.

Probleme haben wir auch mit der restlichen Hardware unter Linux nicht. Die WLAN-Karte von Intel können wir sofort in Betrieb nehmen, ebenso wie das Touchpad und die verbaute Webcam. Auch die Sondertasten auf der F-Tastenreihe oder die Soundausgabe arbeiten wie vorgesehen.

Irritiert sind wir unter Linux aber von den unterschiedlichen Funktionen der zwei USB-C-Buchsen. Denn als wir die Bildschirmausgabe testen wollen, sagt uns das Ubuntu-System wider Erwarten, dass der Akku geladen wird. Auch das Kommandozeilenwerkzeug Upower zeigt uns, dass der Akku lädt, obwohl das eigentlich nicht funktionieren dürfte. Unser USB-C-PD-Messgerät zeigt dann auch wie eigentlich erwartet, dass kein Ladestrom fließt. Die Anzeige von Ubuntu zeigt nach ein paar Minuten dann aber auch korrekterweise an, dass das Gerät an der rechten Buchse nicht lädt.

Für Verwunderung sorgt bei uns auch die BIOS-Nachricht: 'Boot Fail', die uns beim ersten Start mit Ubuntu angezeigt wird. Wir ahnen schon das Schlimmste, bestätigen die Nachricht trotzdem mit der einzig verfügbaren Auswahl 'OK' und nur wenige Sekunden später erscheint der violette Starthintergrund von Ubuntu. Bei erneuten Starts tritt die Warnung nicht mehr auf.

Das Matebook benötigt mit Ubuntu im Idle-Betrieb bei aktiviertem WLAN und einer Bildschirmhelligkeit von 50 Prozent knapp 4 Watt. Dass das System hier nicht deutlich effizienter ist, liegt an der in Linux noch fehlenden Unterstützung für die besonders tiefen Schlafmodi des Intel-Packages.

Wichtig zu erwähnen ist außerdem, dass Hersteller Huawei mit seinem recht überschaubaren Laptop-Angebot den Linux Vendor Firmware Service (LVFS) nicht unterstützt. Das heißt, Linux-Nutzer können Firmware-Updates nicht besonders einfach und wenn überhaupt nur über Umwege einspielen. Auf Anfragen zur Unterstützung des LVFS hat Huawei laut Angaben des Projekts bisher noch nicht reagiert.

Fazit und Verfügbarkeit

Huawei verkauft das Matebook 13 in zwei Konfigurationen: Für 1.000 Euro gibt es einen Core i5-8256U samt 8 GByte Arbeitsspeicher und eine 256 GByte fassende NVMe-SSD. Wer 1.200 Euro zahlt, erhält den etwas schnelleren Core i7-8565U mit ebenfalls 8 GByte RAM, aber 512 GByte an Storage. Die im Ausland verfügbaren Versionen mit Touch-Display oder dedizierter Geforce-MX150-Grafik gibt es hierzulande bisher (noch?) nicht.

Fazit

Das Matebook 13 ist angesichts gerade des Preises ein gutes Gerät: Die Verarbeitung passt weitestgehend, die Tastatur und das Clickpad taugen und dank Adapter gibt es genug Ports - ein Kartenleser fehlt allerdings. Was Huawei jedoch geritten hat, den Stromanschluss und die Display-Ausgabe auf die beiden USB-C-Buchsen aufzuteilen, ist uns schleierhaft. Das Resultat ist verwirrend und vor allem unpraktisch, weil wir das Gerät im Büro nicht einfach mit einem Kabel an einen Monitor mit Power Delivery und USB-Hub hängen können.

Viele Ultrabooks mit nützlichem 3:2-Display gibt es abseits der Huawei-Modelle und des Surface Laptop 2 von Microsoft nicht. Verglichen mit dem Matebook X Pro ist der spiegelnde Bildschirm des Matebook 13 deutlich dunkler, wenngleich ausreichend. Dafür stimmt mit 8 GByte Arbeitsspeicher, flotter NVMe-SSD und starkem 20-Watt-Quadcore die Leistung des Gerätes. Schade finden wir den kleinen Akku und die mäßige Laufzeit, denn sechs bis sieben Stunden bei leichter Last sind schwach.

Für 1.000 Euro sind ernsthafte Alternativen jedoch rar, gerade wenn es ein 3:2-Panel sein soll. Besagter Surface Laptop 2 hat für 1.040 Euro zwar einen Quadcore, aber nur magere 128 GByte Speicherplatz und das Surface Pro 6 - ein Tablet - kostet bei gleicher Ausstattung selbst ohne die 150 Euro teure Anstecktastatur schon 960 Euro.  (ms)


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