Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mini-y2k-per-gps-in-die-vergangenheit-1902-139400.html    Veröffentlicht: 14.02.2019 14:53    Kurz-URL: https://glm.io/139400

Mini-Y2K

Per GPS in die Vergangenheit

Mit 10 Bit reicht die Variable für die Wochenanzahl in GPS für knapp 20 Jahre. Im April wird sie wieder auf Null gesetzt - das könnte bei manchen Geräten Probleme verursachen.

GPS-Signale enthalten einen Zeitstempel, in dem die aktuelle Woche in einer Variable übertragen wird. Diese umfasst 10 Bit oder 1.024 Wochen. Die Wochen werden durchgezählt; ungefähr alle 20 Jahre wechselt der Zähler von 1.023 zurück auf Null. Das ist beim Wochenwechsel von Samstag den 6. April auf Sonntag den 7. April 2019 der Fall - die US-Amerikanische Woche beginnt bereits am Sonntag. Ältere GPS-Geräte, die nicht auf einen Wochenwechsel ausgelegt wurden oder keinen Patch erhalten, könnten zurück in die 1990er-Jahre reisen, was laut einem Bericht von The Register zu einem Fehler in der Positionsbestimmung führen kann. Es handelt sich bereits um den zweiten Wochenwechsel: Die Wochenzählung begann im Januar 1980.

Das US-Amerikanische Department of Homeland Security warnt in einem Memorandum Betreiber kritischer Infrastrukturen, die auf die GPS-Zeit angewiesen sind. In Tests habe sich gezeigt, dass nicht alle GPS-Geräte den Wochenwechsel richtig handhaben. Manche Geräte könnten den Wechsel im April dieses Jahres zwar bewerkstelligen, aber die Zeit relativ zu dem Erstellungsdatum ihrer Firmware interpretieren - was wiederum zu Problemen in der Zukunft führen kann. Die Behörde rät Betreibern von kritischer Infrastruktur, ihre Abhängigkeit von der GPS-Zeitübermittlung zu überprüfen. Auf GPS-Geräten solle die aktuelle Firmware verwendet werden sowie der Hersteller des jeweiligen Gerätes kontaktiert werden, ob mit einer aktuellen Firmware keine Probleme bei dem Wochenwechsel auftreten.

Nach dem Bericht von The Register sind beispielsweise Rechenzentren, die ihre Synchronistation mittels GPS-Zeit realisieren, gefährdet. Laut der offiziellen GPS-Informationsseite der US-Regierung, sollten aktuelle Geräte, die dem Standard ICD-200 folgen, keine Probleme mit dem Wochenwechsel haben. Geräte, die nach dem Jahr 2010 auf den Markt gekommen sind, sollten keine Probleme haben.

Das Jahr-2000-Problem

Probleme mit zu kurzen Variablen oder Zeiträumen gibt es immer wieder. Herausragend war das Jahr-2000-Problem, auch Millennium-Bug oder Y2K genannt, bei dem der Jahreswechsel von 1999 auf 2000 Probleme verursachen konnte. Aufgrund von Speicherplatzknappheit waren häufig nur die letzten zwei Ziffern (z.B. 99 und 00) verwendet worden. Mit dem Wechsel auf das Jahr 2000 begann die Zählung auch hier wieder von vorn. Die Ende der 90er Jahre prognostizierten Schreckensszenarien traten jedoch nicht ein.  (mtr)


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