Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bluetooth-5-1-direction-finding-bluetooth-bekommt-eine-richtungssuche-1901-139030.html    Veröffentlicht: 29.01.2019 09:56    Kurz-URL: https://glm.io/139030

Bluetooth 5.1 Direction Finding

Bluetooth bekommt eine Richtungssuche

Mit Bluetooth 5.1 bekommt der Funkstandard eine neue Funktion zum Navigieren. Während bisher nur Abstände erkennbar waren, bietet die Direction-Finding-Lösung auch die Möglichkeit, Objekte besser zu finden.

Der Standardgeber Bluetooth Special Interest Group (SIG) hat für den Funkstandard Bluetooth die neue Funktion Direction Finding (PDF) angekündigt. Sie ist Teil des Standards Bluetooth 5.1, den SIG-Mitglieder bereits herunterladen können. Auf der Grundlage des Standards können Entwickler in den nächsten Monaten und Jahren neue Hardware entwickeln.

Das Interessante an Direction Finding ist die Möglichkeit, die Richtung von Objekten zu bestimmen. Bluetooth wird damit zu einem verbesserten Navigationssystem. Das ging allerdings auch schon vorher, etwa über professionelle WLAN-Hotspots mit integrierten Bluetooth Beacons. Über Bluetooth Low Energy alias Bluetooth Smart ist eine Navigation mit günstiger Hardware möglich.

Direction Finding erhöht allerdings die Genauigkeit enorm, wie die SIG verspricht. Bisher konnte nur die Distanz zu einem Kommunikationspartner grob gemessen werden, etwa über die Signalstärken (RSSI). Direction Finding hingegen findet ein Navigationselement aufgrund der Richtung, aus der das Signal kommt. Ein Bluetooth-Gerät mit dem neuen Teil des Standards kennt also seine Ausrichtung in Relation zu anderen Bluetooth-Geräten.

Bluetooth RTLS und IPS werden verbessert

Bluetooth unterscheidet dabei zwischen zwei Positionierungsservices: Real Time Locating Systems (RTLS) und Indoor Positioning Systems (IPS). Direction Finding kann als Option auf diese Systeme angewandt werden. RTLS ist laut der Darstellung der SIG vor allem für Warenhäuser und Logistik interessant. Der Anwender kann über das System wichtige Werkzeuge für die Arbeit oder Waren finden, die irgendwo im Lager stehen oder geparkt wurden. Solche Lösungen gibt es zwar heute auch schon, sie sind aber annäherungsbasiert und damit ungenau.

Von der Metergenauigkeit zur Zentimetergenauigkeit

Ohne Direction Finding liegt die Genauigkeit bei ein bis zehn Metern. Mit der neuen Technik wäre es möglich, dank Triangulation einen Schlüssel bis auf den Zentimeter genau aufzuspüren. Auch das Suchen von Gegenständen ohne Gebäudeinfrastruktur soll so genauer werden. Wenn etwa der Schlüssel mit Bluetooth-Anhänger in den Spalt einer Couch gefallen ist, dürfte die verbesserte Präzision auch Endkunden interessieren.

Mit dem zweiten System IPS wird Bluetooth hingegen zu einem Navigationssystem innerhalb von Gebäuden oder ähnlich anspruchsvollen Orten, bei denen Ortung per GPS, WLAN oder WWAN nicht oder nur schwer umsetzbar ist, zumal die Genauigkeit bei den anderen Funkdiensten im Indoor-Bereich ohnehin zu wünschen übrig lässt. Auch diese Systeme werden mit Direction Finding genauer. Ein großer Vorteil für Shoppingcenter und ähnliche Orte ist die Reduktion der notwendigen Bluetooth-Beacons.

Möglich wird das durch die Verwendung von Antennen-Arrays auf einer der Bluetooth-Kommunikationsseiten. Diese ermöglichen überhaupt erst die Richtungsbestimmung. Kleine Distanzunterschiede zwischen den Antennen werden dafür gemessen.

Damit die Hardware dies beherrscht, reicht eine reine Bluetooth-5.1-Unterstützung nicht aus. Laut Bluetooth SIG gibt es mehrere dafür relevante Bluetooth-Profile. Fehlen die Profile, bleibt es trotz neuer Hardware bei der gewohnten alten Genauigkeit im Meterbereich.

Bis die erste Hardware auf den Markt kommt, wird noch einige Zeit vergehen. Die SIG macht typischerweise keine Angaben, wann die Partner mit Geräten auf den Markt kommen.  (ase)


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