Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/messenger-was-bringt-eine-fusion-von-facebook-whatsapp-und-instagram-1901-139014.html    Veröffentlicht: 28.01.2019 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/139014

Messenger

Was bringt eine Fusion von Facebook, Whatsapp und Instagram?

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will angeblich die verschiedenen Messengerdienste seines Unternehmens miteinander verknüpfen. Doch wem nützt eine Verschmelzung von Whatsapp mit den anderen Diensten?

Die Nutzung von E-Mails wäre vermutlich nie so populär geworden, wenn die Nachrichten nur innerhalb eines bestimmten Providers hätten verschickt werden können. Analog gibt es seit Längerem Forderungen, Anbieter von Messengerdiensten zur Interoperabilität untereinander zu verpflichten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg will nun angeblich die Messengerdienste seines Unternehmens miteinander verknüpfen. Könnte dies ein Schritt in eine Zukunft sein, in der Nachrichten auch aus Signal oder Threema direkt an einen Whatsapp-Nutzer geschickt werden können? Oder geht es Facebook wie immer nur um höhere Werbeeinnahmen?

Zunächst ist derzeit noch unklar, was Zuckerberg eigentlich vorhat. Aus einem Bericht der New York Times vom 25. Januar 2019 geht lediglich hervor, dass die "zugrunde liegende technische Infrastruktur vereinigt" von Whatsapp, Instagram und Facebook werden solle. Das werde den zusammen gerechnet 2,6 Milliarden Nutzern erstmals eine plattformübergreifende Kommunikation ermöglichen, heißt es.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geplant

Facebook bestätigte in einem Statement allerdings lediglich, dass künftig sowohl der Facebook Messenger als auch Instagram Direct eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erhalten sollen. "Wir arbeiten daran, unsere weiteren Messenger-Produkte mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auszustatten und erwägen Möglichkeiten, die Erreichbarkeit von Freunden und Familie über unsere Netzwerke hinweg zu erleichtern." Wie das konkret umgesetzt werden soll, ist unklar. Die New York Times nannte als Beispiel, dass die Nutzer des in Südostasien beliebten Facebook-Marktplatzes künftig direkt über das dort ebenfalls weit verbreitete Whatsapp miteinander kommunizieren könnten.

Anders als bei der Firmentochter Whatsapp gibt es beim Facebook Messenger bislang keine durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Nachrichten. Es lassen sich bei dem Programm jedoch "geheime Unterhaltungen" starten. Auf solche Kommunikation hat Facebook keinen Zugriff, weshalb Ermittler sich laut US-Medienberichten im vergangenen Jahr gerichtlich einen Zugriff auf solche Daten verschaffen wollten.

Verschlüsselung erschwert Datenaustausch

Für Behörden ist die Verschlüsselung zudem ein Problem, da sie es erschwert, die Verbreitung von Falschnachrichten über Whatsapp zu bekämpfen. Whatsapp beschränkt daher seit der vergangenen Woche die Weiterleitung von Nachrichten auf maximal fünf Kontakte. Auch in Deutschland gab es Berichte darüber, dass durch das massenhafte Versenden von Falschnachrichten über Whatsapp die Einsatzkräfte und Ermittlungsbehörden bei ihrer Arbeit gestört wurden.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist zudem ein Hindernis auf dem Weg zu Interoperabilität von Messengerdiensten. Das Beispiel E-Mail zeigt die Schwierigkeiten beim Schlüsselaustausch, wenn es keinen zentralen Server für die Hinterlegung der öffentlichen Schlüssel bei asymmetrischer Verschlüsselung gibt. Was innerhalb eines einzelnen Dienstes noch einfach möglich ist, wird diensteübergreifend schwieriger.

Politiker fordern Interoperabilität

Dennoch hat es im vergangenen Jahr aus der Politik mehrfach Vorschläge gegeben, die Interoperabilität zwischen Messengerdiensten zu ermöglichen. So sagte Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), dass Messengerdienste "qua Gesetz gezwungen" werden müssten, sich für andere vergleichbare Angebote zu öffnen. So solle sichergestellt werden, dass Whatsapp-Nutzer "auch mit den Nutzern von einem anderen Anbieter kommunizieren" könnten.

Während für Barley eine solche Regulierung "idealerweise auf europäischer Ebene" erfolgen sollte, hatte der CDU-Netzpolitiker Thomas Jarzombek in einem Interview mit Golem.de einen deutschen Alleingang vorgeschlagen. "Für bestimmte Vorhaben braucht es auch die politische Stimmungslage, und jetzt ist klar geworden, dass hier Handlungsbedarf herrscht. Daher sollten wir an einem Gesetzentwurf arbeiten", hatte der Bundestagsabgeordnete gesagt.

Zuckerbergs Pläne unklar

Barley begründete ihren Vorstoß damit, dass Kunden zu Angeboten wechseln könnten, "die bessere Datenschutzstandards haben". Das dürfte für Zuckerberg jedoch der geringste Grund sein, die Dienste seiner Firma zu fusionieren. Im Gegenteil. Schließlich ist Whatsapp aus seiner Tradition her derjenige Messengerdienst, der im Facebook-Imperium noch am wenigsten Daten von seinen Nutzern sammelt. Für die Anmeldung ist lediglich die Telefonnummer erforderlich. Hoch umstritten ist hingegen die Weitergabe von Nutzerdaten an Facebook.

Für Zuckerberg könnte eine stärkere Integration von Whatsapp eine Möglichkeit sein, mit dem Dienst mehr Umsatz durch Werbung zu erzielen. Die New York Times berichtete unter Berufung auf zwei mit dem Projekt vertraute Personen, dass Zuckerberg jedoch noch keine konkreten Pläne entwickelt habe, wie das Unternehmen von der Integration der Dienste profitieren könne.

Facebook könnte Marktmacht ausbauen

Aber auch ohne zusätzliche Monetarisierung könnte eine Integration für Facebook von Vorteil sein. Schließlich würde es die Nutzung eines jeden der drei Messengerdienste attraktiver machen, wenn damit Nachrichten problemlos und verschlüsselt untereinander ausgetauscht werden könnten. Facebook könnte damit seine Marktmacht im Bereich der Messengerdienste vergrößern.

Auf der anderen Seite könnte eine Zerschlagung der Dienste schwieriger werden, wenn sie technisch vollständig integriert sind. Der demokratische Kongressabgeordnete Ro Khanna kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Übernahme von Instagram und Whatsapp durch Facebook kartellrechtlich hätte schärfer geprüft werden müssen. "Stellen Sie sich vor, wie anders die Welt wäre, wenn Facebook mit Instagram und WhatsApp konkurrieren müsste", twitterte Khanna. Dies hätte wirklichen Wettbewerb hervorgerufen, der den Datenschutz befördert hätte und von dem Verbraucher profitierten.

Die geplante Fusion der Dienste sollte von Politik, Datenschützern, Verbraucherverbänden und Kartellbehörden daher genau beobachtet werden. Eine verstärkte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und eine Interoperabilität von Messengerdiensten sind an sich eine gute Sache. Die SPD-Netzpolitikerin Saskia Esken kommentierte dies mit den Worten: "Facebook schafft es doch tatsächlich, das politische Gebot und den Bedarf der Nutzer nach Interoperabilität von Kommunikationsdiensten für sich zu interpretieren."

Gefährlich ist es jedoch, wenn dies zu Lasten des Datenschutzes und des Wettbewerbs geht. Sollte dies der Fall sein, dürften Forderungen nach einer gesetzlich vorgeschriebenen Interoperabilität und einer Zerschlagung von Facebook lauter werden. Zu Recht.  (fg)


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