Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/manfred-schoch-bmw-betriebsrat-soll-start-von-elektroautos-verzoegert-haben-1901-138997.html    Veröffentlicht: 27.01.2019 13:15    Kurz-URL: https://glm.io/138997

Manfred Schoch

BMW-Betriebsrat soll Start von Elektroautos verzögert haben

BMW-Aufsichtsratsvize und Betriebsratschef Manfred Schoch hat angedeutet, dass die Markteinführung des i4 und des iNext bewusst verzögert wurde, um die Fahrzeuge in Deutschland bauen zu können. Er fordert zudem, dass BMW, Daimler und VW eigene Akkuzellen bauen.

Es könnte zu einem massenhaften Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland kommen, wenn die deutschen Autohersteller keine eigenen Akkuzellen für Elektroautos bauen, befürchtet Manfred Schoch, Betriebsratschef und stellvertretender Aufsichtsratschef von BMW, im Gespräch mit dem Magazin Focus.

Sollten es die deutschen Hersteller versäumen, die Produktion von Akkuzellen selbst in die Hand zu nehmen, werde Deutschland in dieser wichtigen Technologie abgehängt. "Aber das sehen die Herren im Vorstand noch nicht", sagte Schoch in dem Interview. "Sie kaufen die Zellen lieber ein und glauben, dass sie langfristig günstige Verträge mit den Chinesen schließen können", so der Gewerkschafter. Schon jetzt würden die Akkupreise steigen.

Die deutschen Autohersteller kaufen ihre Zellen bei asiatischen Herstellern und bauen sie zu kompletten Akkus zusammen. Schoch plädiert für eine konzertierte Aktion mehrerer deutscher Konzerne und sieht BMW, Daimler, Volkswagen, Siemens, Continental und Bosch in der Pflicht, sich auf eine standardisierte Zelle zu einigen.

Schoch hat auch eine überraschende Begründung für die Zurückhaltung von BMW bei Elektroautos geliefert. Dahinter stehe die Sorge um deutsche Arbeitsplätze. BMW lasse sich mit der Markteinführung des i4 und des iNext bis 2021 Zeit, um die Fertigung in Deutschland so umzubauen, dass in den Fabriken gleichzeitig Verbrenner und Elektroautos hergestellt werden könnten. "Der Betriebsrat will, dass die Elektromobilität für BMW in Deutschland stattfindet und nicht nur in China oder in Mexiko. Wenn wir für den i4 eine Fabrik auf die grüne Wiese gestellt hätten, beispielsweise in Mexiko, könnten wir die Produktion schon 2019 oder 2020 anfahren. Ich habe aber bewusst dafür gekämpft, dass er nicht nach Mexiko kommt. Dafür nehmen wir eine Verzögerung in Kauf", sagte Schoch.

Andere deutsche Hersteller wie Mercedes haben vor, noch in diesem Jahr ein neues Elektroauto mit hoher Reichweite anzubieten oder haben wie Audi bereits eines auf dem Markt.

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