Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/social-games-facebook-soll-systematisch-minderjaehrige-ausgenutzt-haben-1901-138979.html    Veröffentlicht: 25.01.2019 12:22    Kurz-URL: https://glm.io/138979

Social Games

Facebook soll systematisch Minderjährige ausgenutzt haben

Lieber ein paar US-Dollar mehr Umsatz, als Kinder und Jugendliche vor ungewollten Zahlungen mit echtem Geld zu schützen: Diese Geschäftspolitik soll Facebook jahrelang verfolgt haben - und das, obwohl Mitarbeiter intern frühzeitig an Änderungen gearbeitet hatten.

Facebook soll jahrelang Kinder und Jugendliche systematisch dazu gebracht haben, möglichst unbemerkt viel Geld ihrer Eltern für Social Games auszugeben. Das berichtet die US-Webseite Revealnews am 24. Januar 2019 mit Bezug auf interne Dokumente und Gerichtsunterlagen, die sich vor allem auf den Zeitraum 2010 bis 2016 beziehen. Die minderjährigen Nutzer sollen in Social Games wie Ninja Saga, Angry Birds und Pet Ville - die alle von unabhängigen Entwicklern auf Facebook betrieben werden - echte Euro oder Dollar ausgegeben haben, etwa über die zuvor hinterlegte Kreditkarte ihrer Eltern.

Das Zahlsystem auf Facebook sei so eingerichtet gewesen, dass die Spieler erst viel zu spät gemerkt hätten, dass sie teils sehr hohe Summen ausgegeben hatten. In einem konkreten Fall sei es um rund 6.500 US-Dollar gegangen. Das habe zu Beschwerden geführt und letztlich dann zu Rückbuchungen durch die Kreditkartenfirmen. Zeitweise seien mehr als 9 Prozent der Zahlungen wieder revidiert worden; üblicherweise liegt diese Quote bei 0,5 Prozent.

Auch den Mitarbeitern bei Facebook fiel laut dem Bericht von Revealnews auf, dass ihr System aus dem Ruder läuft. Deshalb arbeiteten sie aktiv an Lösungen. Eine sehr einfache, bei der schlicht vor jeder Nutzung ein Teil der Kreditkartendaten neu eingegeben werden muss, sei aber nach monatelanger Vorarbeit dann doch nicht verwendet worden, weil das den Umsatz geschmälert hätte.

Bei Beschwerden soll der Kundendienst von Facebook den betroffenen Kunden zeitweise nur virtuelle Güter als Entschädigung angeboten haben - solche Gegenstände hätten schließlich keine echten Kosten verursacht. Außerdem habe das Unternehmen irgendwann versucht, die Rückbuchungen der Kreditkartenunternehmen automatisch anzufechten. Laut Revealnews sei unklar, ob und wie lange das gut gegangen sei.

Facebook selbst wollte auf Anfrage von Revelanews die Vorgänge nicht im Detail kommentieren. Vonseiten des Unternehmens hieß es lediglich, seine Nutzungsbedingungen und die betroffenen internen Abläufe seien im Jahr 2016 überarbeitet worden.  (ps)


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