Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sammelklage-gegen-amd-haben-bulldozer-cpus-acht-kerne-oder-nicht-1901-138920.html    Veröffentlicht: 23.01.2019 12:59    Kurz-URL: https://glm.io/138920

Sammelklage gegen AMD

Haben Bulldozer-CPUs acht Kerne oder nicht?

In Kalifornien wurde einer Sammelklage gegen AMD stattgegeben, die die Frage klären soll, ob die auf der Bulldozer-Architekturen basierenden FX-Prozessoren keine echten Achtkerner sind. AMD muss sich nun mit den Käufern einigen oder aber vor einer Laienjury argumentieren.

Im kalifornischen San Jose hat ein Richter die Sammelklage gegen AMD wegen deren Bulldozer-Octacore-CPUs für rechtens erklärt und die Erläuterungen des Herstellers abgelehnt. Bei dem Class Action Lawsuit geht es darum, ob die weltweit als erste achtkernige beworbenen Desktop-Prozessoren genau das sind, nämlich achtkernig. AMD hatte argumentiert, dass eine signifikante Mehrheit sehr wohl verstehe, was ein Kern und ergo dass ein Bulldozer ein Octacore sei.

Anders als bei der aktuellen Zen-Architektur und früheren Designs für die Athlons oder die Phenoms nutzte AMD bei den Bulldozer-Chips einen Ansatz, der als Core Multithreading (CMT) bezeichnet wurde. Aktuelle Designs nutzen Kerne, bei denen jeder über alle Ressourcen verfügt. Die Bulldozer-Architektur hingegen weist sogenannte Module auf: Hier teilen sich zwei Integer-Einheiten eine Gleitkomma-Einheit und zumindest bis zur Piledriver-Ausbaustufe auch den L1I/L2-Cache und das Frontend. Erst bei Steamroller und Excavator gab es getrennte Decoder für jeden Integer-Block und die FPU, diese beiden Architekturen hat AMD aber nie für Achtkerner verwendet, sondern nur für Quadcores mit Grafikeinheit.

Die Sammelklage bezieht sich daher auf Prozessoren mit Bulldozer und Piledriver, diese Chips für den Sockel AM3+ werden als Zambezi und Vishera sowie Centurion bezeichnet. Darunter fallen folgende Modelle: FX-8170, FX-8150, FX-8140, FX-8120, FX-8100, FX-8370(e), FX-8350, FX-8320(e), FX-8310, FX-8300, FX-9590 und FX-9370. Es liegt nun an AMD, ob sich der Hersteller mit den Käufern solcher Prozessoren finanziell einigt, zumindest wenn diese ihren Anspruch geltend machen, oder ob eine Jury entscheiden muss, ob die Bulldozer-CPUs acht Kerne haben oder nicht. Am 5. Februar 2019 treffen sich die Parteien vor Gericht.

Ob die Anzahl der Integer- oder die der Gleitkomma-Einheiten einen Kern definiert, ist eindeutig festgelegt. Denn frühe Designs wie Intels 8086 nutzen den 8087 als externe FPU, erst der i486DX hatte eine integrierte Gleitkomma-Einheit.  (ms)


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