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Resident Evil 2 Remake im Test

Gruselig gelungene Rückkehr nach Raccoon City

So geht Remake! Die von Grund auf frisch produzierte Neuauflage von Resident Evil 2 schickt Spieler mit Leon und Claire erneut mitten in Horden von Zombies und anderen Monstern - ein spannendes Abenteuer für (erwachsene) Actionfans.

Feiner aufgelöste Texturen, ein Modus für hochaufgelöste Grafik und Unterstützung für aktuelle Eingabegeräte: Die meisten Entwicklerstudios geben sich nicht sehr viel Mühe, wenn sie Neuauflagen ihrer Klassiker veröffentlichen. Anders hat es nun Capcom mit seinem Remake von Resident Evil 2 gemacht: Die Hauptfiguren sind die gleichen, die Handlung ist mehr oder weniger unverändert - aber alles andere ist neu. Das Spielgefühl erinnert uns nicht an Zweitverwertung, sondern einfach an ein aktuelles und in diesem Fall auch sehr gelungenes Computerspiel.

Das Original erschien vor etwas mehr als 20 Jahren für die erste Playstation. Damals wie im jetzt veröffentlichten Remake ist Resident Evil 2 eine Mischung aus Adventure und Actionspiel mit sehr vielen Horror- und Gruselelementen. Hauptfiguren sind der Polizist Leon S. Kennedy und eine junge Frau namens Claire Redfield, die sich am Anfang der Handlung in der Stadt Raccoon City kennenlernen und sich im Verlauf der Handlung dann immer wieder verlieren und begegnen.

Das Remake erzählt diese Geschichte in zwei Kampagnen - einmal steuern wir Leon als Hauptfigur und einmal steht Claire im Mittelpunkt (im Original von 1998 war das etwas anders aufgebaut und sortiert). Die beiden Kampagnen erzählen letztlich die gleiche Handlung rund um mysteriöse Vorgänge in Raccoon City, und die meisten besuchten Orte und zu lösenden Aufgaben sind gleich.

Nur gelegentlich gibt es Unterschiede, die dann aber durchaus auch mal größer sind. Beispielsweise muss Leon ganz anders als Claire vorgehen, um ein Parkhaus verlassen zu können. Jede der Kampagnen ist ohne Vorkenntnisse im mittleren der drei Schwierigkeitsgrade rund 8 bis 12 Stunden lang - im zweiten Durchgang mit dem anderen Charakter sparen wir dann aber locker ein paar Stunden ein.

Wie das Original setzt auch die Neuauflage von Resident Evil 2 auf eine abwechslungsreiche Mischung aus Actionelementen und Rätseln. Wir müssen Schalter finden, um verschlossene Türen zu öffnen, in Computern nach Informationen suchen oder in Aktenschränken der Polizei von Raccoon City, um an Ausrüstung zu gelangen.

Die Rätsel sind überwiegend einfach gehalten, dafür gibt es stellenweise eine andere Herausforderung: Nämlich in den teils komplex aufgebauten Umgebungen den Überblick zu behalten, wo wir welchen Gegenstand verwenden müssen, und welchen Gang wir noch nicht abgesucht haben. Zum Glück hilft uns hier die automatisch mitgezeichnete Übersichtskarte, auf der alle wichtigen und noch nicht abgearbeiteten Stellen gut sichtbar markiert sind.

Natürlich können wir als Leon oder Claire nicht ungestört durch Orte wie das Hauptquartier der Polizei oder die Kanalisation spazieren. So gut wie überall lauern angriffslustige Zombies, die uns mit ein paar Bissen in ihresgleichen verwandeln wollen - zu viele Attacken halten wir nicht aus, dann heißt es "Game Over" und wir müssen einen Spielstand laden.

Im Normalfall können wir die nicht allzu schnellen Untoten ohne große Gefahr für uns mit Pistole oder Schrotflinte ausschalten. Kniffliger sind dann allerdings die Auseinandersetzungen mit Oberbossen - dann müssen wir herausfinden, wo die speziellen Schwachstellen der teils ziemlich großen Mutanten sind.

Verfügbarkeit und Fazit

Eine wesentliche Herausforderung beim Überleben in Raccoon City ist, dass wir sparsam mit Munition und den anderen Ressourcen umgehen - was gar nicht so einfach ist, weil unser Inventar anfangs kaum Platz bietet und erst durch gefundene Extras vergrößert wird. Vor allem zu Beginn der Kampagne bedeutet das mitunter lange Laufwege, weil wir einen Teil der Ausrüstung in den für Monster unzugänglichen Sicherheitsräumen in eine Truhe legen müssen; in diesen Zimmern können wir an Schreibmaschinen übrigens auch unseren Spielstand sichern.

Die gefundenen Extras und Ressourcen sind nicht nur nötig für das Vorankommen, sondern laden ein Stück weit auch zum Experimentieren ein. So können wir verschiedenfarbige Heilpflanzen miteinander kombinieren, was jeweils andere Verbesserungen für die Helden haben kann. Auch mit Schießpulver und weiteren Chemikalien können wir unsere Überlebenschancen langfristig verbessern.

Eine wesentliche Änderung gegenüber dem Original ist übrigens die Steuerung. Im Resident Evil 2 von 1998 haben wir Claire und Leon aus einer Kamera gesehen, die fest irgendwo im Raum installiert war. Im Remake verfolgen wir das Geschehen aus der Schulterperspektive, was auch in den teils sehr engen Umgebungen erstaunlich gut funktioniert und weniger hakelt als in vielen anderen Titeln. Es gibt noch eine Reihe weiterer Details, an denen Capcom etwas umgestellt hat: Ein Teil der Levels ist anders aufgebaut, es gibt weitere Nebenfiguren mit zusätzlichen Handlungssträngen und ähnliche Überraschungen.

Von Grund auf neugestaltet ist die Grafik. Das Remake von Resident Evil 2 basiert wie das Anfang 2017 veröffentlichte Resident Evil 7 auf der RE Engine von Capcom. Die Optik der beiden Programme ähnelt sich sehr: Beide bieten eine Grafik, die auf den ersten Blick etwas detail- und farbarm wirkt, aber dann immer wieder mit detailreichen Darstellungen und sehenswerten Licht- und Schatteneffekten punktet.

Resident Evil 2 Remake erscheint am 25. Januar 2019 für Windows-PC, Xbox One und Playstation 4 für jeweils rund 60 Euro. Das Programm bietet eine gelungene deutsche Sprachausgabe und übersetzte Bildschirmtexte. Es gibt weder einen Multiplayermodus noch Mikrotransaktionen. An einigen Stellen sind Animationen und Szenen zu sehen, die sehr verstörend und schockierend wirken können. Von der USK hat das Spiel - ohne inhaltliche Schnitte - wohl vor allem deshalb eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.

Fazit

Bei Capcom haben sie derzeit in Sachen Horror ein monstermäßig gutes Händchen. Nach dem hervorragenden Resident Evil 7 ist auch das Remake des zweiten Serienteils geglückt. Das neue Resident Evil 2 fühlt sich nicht wie ein Remake an, sondern wie ein frisch programmiertes Spiel. Das schafft sogar das Kunststück, Fans des Originals zu fesseln und gleichzeitig Neulinge in den Bann von Raccoon City zu ziehen.

Natürlich wissen Kenner der Version von 1998 über die Rahmenhandlung und das Ende schon Bescheid. Dank der überarbeiteten Umgebungen und zusätzlicher Details bieten die Abenteuer von Leon und Claire dennoch wieder Spannung - mit dem zusätzlichen Reiz, die alte mit der überarbeiteten Fassung vergleichen zu können. Die geänderte Steuerung inklusive der Verteidigungsoptionen etwa mit dem Messer funktioniert wunderbar.

Vor allem aber ist die Mischung aus Action und Adventure inklusive der sehr fairen Rätsel gelungen. Auf Dauer haben uns nur die manchmal langen Laufwege gestört - vor allem, wenn wir nur wegen Platzmangel im Inventar ständig zwischen dem aktuellen Einsatzort und einem Sicherheitsraum pendeln mussten.

Grafik und Stimmung sorgen für mehr als nur gepflegtes Denken, Kämpfen und Gruseln. Dazu kommen übrigens auch einige Ekelanimationen, wegen denen Minderjährige und empfindliche Naturen lieber einen Bogen um Resident Evil 2 machen sollten. Alle anderen sollten sich dieses rundum gelungene Remake nicht entgehen lassen.  (ps)


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