Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ace-combat-7-im-test-action-ueber-den-wolken-1901-138825.html    Veröffentlicht: 18.01.2019 13:19    Kurz-URL: https://glm.io/138825

Ace Combat 7 im Test

Action über den Wolken

Sieht aus wie eine Simulation, ist aber Ballern pur: Ace Combat 7 schickt uns mit Düsenjägern in einen fiktiven Krieg. Das Fluggefühl ist zwar gelungen, ansonsten kommen actionhungrige Piloten aber nicht wirklich auf ihre Kosten.

Düsenjäger sind aus unserem Alltag verschwunden. Am Himmel sind sie kaum noch zu sehen, und auch im Kino oder in Computerspielen tauchen die Jets viel seltener auf als früher. Zumindest was das Entertainment angeht, bisschen ändert sich das aber gerade wieder: Tom Cruise dreht einen Nachfolger zu Top Gun und Bandai Namco hat Ace Combat 7 veröffentlicht - und damit nach langer Pause eine altehrwürdige Serie fortgesetzt.

Wie in den Vorgängern schickt uns die rund zehn bis zwölf Stunden lange Kampagne in naher Zukunft in einen Krieg zwischen zwei Großmächten. Das ist relativ abstrakt gehalten, allerdings folgen wir auf einer zweiten Handlungsebene dem Schicksal einzelner Personen, etwa einer Mechanikerin. In der Story spielen Drohnen eine große Rolle - also ferngesteuerte und unbemannte Flugkörper, mit denen der Feind unsere Verteidigungsanlagen überwindet und mit denen wir uns Luftgefechte liefern.

Eigentlich dürften wir gegen die viel manövrierfähigeren Drohnen keine Chance haben, aber Ace Combat 7 nimmt es mit solchen Details nicht allzu genau. Unsere zielsuchenden Raketen treffen ihre Ziele zwar nicht immer, aber doch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit - während wir selbst den Geschossen der Feinde fast immer relativ einfach ausweichen können.

Allerdings will das Programm gar keine schraubengenaue Simulation sein, ganz im Gegenteil. Beim Start etwa müssen wir einfach die Triggertaste drücken, um Geschwindigkeit aufzubauen, den Rest erledigt der Autopilot. In der niedrigsten der drei Schwierigkeitsstufen ist sogar eine kurze Bodenberührung beim Flug kein Problem - wir prallen kurz auf und sausen dann unbeschädigt weiter.

In den Missionen geht es vor allem darum, die richtige Übersichtskarte aufzurufen und die rot markierten Feinde dann so anzufliegen, dass wir unsere Raketen abfeuern können. Auf diese Art fangen wir feindliche Bomber ab, liefern uns Dogfights mit Jets oder eben Drohnen, zerstören Bodenziele oder fliegen in Bodennähe unterhalb des Radars. Die Entwickler haben sich spürbar um Abwechslung bemüht, dennoch machen wir gefühlt eigentlich fast immer das Gleiche, und für echte Dramatik geht es uns zu anonym zu.

Die Grafik auf Basis der Unreal Engine sieht stimmig aus und ist eine der Stärken des Programms. Es gibt schöne Lichteffekte, das Meer unter uns wirkt ebenso fast unendlich wie Waldlandschaft, und sogar in schicken Stadtumgebungen sind wir unterwegs. Besonders schön sind die Wettereffekte, etwa wenn wir durch Wolken fliegen und passend dazu auf gut gemachte Art die Scheiben nass werden.

Ace Combat 7 ist mit dem Untertitel Skies Unknown für Xbox One und Playstation 4 erhältlich. Am 1. Februar 2019 soll das Programm auf Steam als Download erscheinen, alle Versionen kosten rund 60 Euro. Im Multiplayermodus können bis zu acht Spieler in Modi wie Team Deathmatch oder einer Variante von Battle Royale antreten. Besitzer einer Playstation VR können in drei speziell angepassten Missionen antreten, in denen der Blick auf Feinde durch Kopfbewegungen erfolgt. Mikrotransaktionen gibt es nicht. Im Spiel ist englische Sprachausgabe zu hören, dazu kommen deutsche Untertitel. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 12 Jahre erhalten.

Fazit

Eigentlich finden wir, dass Ace Combat 7 kein besonders gutes Spiel geworden ist. Trotzdem geben wir gerne zu: Es macht wahnsinnig viel Spaß, mit dem Jet durch die Luft zu sausen. Etwa wenn unter uns das Meer in der Sonne funkelt, wenn Raketen fauchend und mit schöner Rauchfahne in Richtung Feind schießen, oder wenn sich auf der Scheibe vor uns in Wolken sofort Niederschlag bildet - da lacht das Herz von Flugfans.

Davon abgesehen haben wir aber eine lange Liste mit Sachen, die nur mittelprächtig sind. Die Kampagne bietet zu wenig Abwechslung, es stellt sich kein Gefühl von Teamgeist ein, die Figuren sind furchtbar klischeehaft und die Story selbst ist auch nicht wirklich spannend. Natürlich wünschen wir uns auch wieder realistische Simulationen - aber wenn schon Arcade, dann gerne besser inszeniert. Ein gelungenes Fluggefühl mag ein Anfang sein, reicht aber langfristig nicht.  (ps)


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