Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/far-cry-new-dawn-angespielt-das-gleiche-chaos-im-neuen-gewand-1901-138806.html    Veröffentlicht: 23.01.2019 19:43    Kurz-URL: https://glm.io/138806

Far Cry New Dawn angespielt

Das gleiche Chaos im neuen Gewand

Zwar sind die bisher gesehenen Gegner in Ubisofts kommendem Far Cry New Dawn keine religiösen Fanatiker mehr, allerdings verhalten sie sich sehr ähnlich. Auch Waffen und Talente erinnern an den Vorgänger, während einige Elemente von anderen Spielen inspiriert sind. Reicht das?

Wie sieht die Zukunft nach einer Nuklearapokalypse aus? Wir stellen uns ein karges Ödland ohne Bäume, Gras, Blumen und mit klackernden Geigerzählern vor. All das gibt es in der Welt von Ubisofts kommendem Ego-Shooter Far Cry New Dawn nicht: Im postapokalyptischen Montana blühen Pflanzen stärker und bunter als je zuvor, nachdem dort und auf den Rest der Welt Atombomben gefallen sind. Golem.de konnte die Landschaft vor dem Release des neuen Far Cry bereits ein wenig erkunden. Vieles erkennen wir wieder.

In der Demoversion starten wir in unserer Heimatbasis - einem aus improvisierten Holzhütten und Segeltuch zusammengebauten Fort. Dort sprechen wir mit den Überlebenden der Insel, jagen Schätzen hinterher und retten künftige KI-Begleiter aus der Bredouille. Das sind wieder teils skurrile Charaktere und Haustiere. Wir können künftig sogar einen wilden Eber statt eines gezähmten Grizzlybären in den Kampf schicken.

Unsere Basis ist ein zentrales Element des Spielerlebnisses, zu dem wir häufig zurückkehren. Mit Ressourcen, die wir in der Spielwelt einsammeln, können wir unsere Werkstatt aufrüsten. Dort erhöhen wir unsere Lebenspunkte, unsere Tragekapazität, rüsten Waffen auf und gehen auf neue Missionen, die sich Expeditionen nennen. Solche kleinen Instanzen sind von der offenen Spielwelt abgekoppelt und schicken uns in andere Ecken der verwüsteten USA. Das ist eine der wenigen offensichtlichen Neuerungen von Far Cry New Dawn und könnte die Langzeitmotivation auch nach Kampagnenende erhöhen. Die bot der Vorgänger nicht unbedingt.

Schon wieder ein M60 - mit Rostspuren

Ubisoft verwendet vieles wieder: Zuerst fällt das Waffenarsenal auf. Die einzige zumindest in der Demo gesehene neue Waffe ist eine Armbrust, die mit Sägeblättern schießt. Die ist schon ziemlich cool, allerdings kein Trost für die ansonsten identischen Waffen: Wie in Far Cry 5 haben wir Zugriff auf M4-Sturmgewehr, Remington-870-Schrotflinte, Mac-10-Maschinenpistole, M60-MG und andere Schießeisen. Sogar das Schussverhalten ist dem Vorgänger übernommen, das dort bereits exzellent umgesetzt ist. Einziger spürbarer Unterschied: Unsere Kanonen haben Rostspuren am Verschluss oder sind mit Duct-Tape zusammengeklebt - schließlich lagen sie jahrelang im Wald herum. Uns ist das Gesehene zu wenig für ein wirklich neues Spielgefühl.

Kennern des Vorgängers wird zudem schnell klar: Auch diese Landkarte haben wir schon einmal gesehen. Kein Wunder, denn Ubisoft recycelt das bekannte Hope County mit identischen Levelgrenzen, Bergen, Flüssen und Wäldern. Sogar Gebäude stehen noch dort, wo sie vor dem Nuklearschlag standen - nur sind sie marode und verfallen. Far Cry New Dawn ist der erste Teil der Serie, der die Geschichte des Vorgängers fortsetzt. Auch auf den fanatischen Prediger und Bösewicht Joseph Seed treffen wir auf seiner Insel wieder. Ein Teil des Spiels ist es, Fotos von alten Schauplätzen zu sammeln und einen Vorher-nachher-Effekt zu erzielen - eine nette Idee, wenn sie auch über das offensichtliche Kopieren des Vorgängers nicht hinwegtäuschen kann.

Übrigens sind auch die Gebäude, die wir in der Basis ausbauen, im Prinzip nur Talente aus Far Cry 5. Ubisoft hat etwa den längeren Lebensbalken aus dem jetzt wesentlich kleineren Talentbaum ausgelagert. Dort sind Fähigkeiten wie der Wurfhaken, das Angeln und Schlösserknacken bereits bekannt und wieder mit dabei.

The Division in Egoperspektive

An anderer Stelle haben sich die Entwickler offensichtlich von anderen Spielen inspirieren lassen. So gibt es Versorgungsabwürfe aus der Luft, die an Ubisofts Third-Person-Shooter The Division erinnern. Generell ist das Konzept, eine zentrale Basis mit Ressourcen zu errichten, dem Titel verblüffend ähnlich, genau wie das Gegnerdesign. Wir haben es in New Dawn nämlich mit Level-1- bis Level-4-Schurken zu tun, die entsprechend unterschiedlich stark sind und zudem Lebensanzeigen haben. Wie in The Division sind schon Level-3-Gegner ziemliche Kugelschwämme. So strecken wir einen verrückten Hundemetzger mit Motorradhelm erst nach mehreren Schrotsalven in den Kopf nieder. Wir finden das aber in diesem Setting passend - Far Cry 5 war nämlich selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad für Fortgeschrittene zu großen Teilen recht einfach.

Das gleiche Chaos ohne Story-Zwang

Die KI-Gegner verhalten sich im Vergleich zu Far Cry 5 nahezu gleich. Während unserer Erkundungstour treffen wir wieder auf Banditen an allen Ecken. Strecken wir die nieder, kommt an der nächsten Wegkreuzung schon der nächste Buggy mit einer Ladung Schurken vorbei. Diese chaotische Welt war in Far Cry 5 gewöhnungsbedürftig und irgendwie unpassend. Und obwohl wir uns die Frage stellen, wo in einem Endzeitszenario all die Banditen herkommen sollen, passt es irgendwie zum knallig abgedrehten Setting von Far Cry New Dawn.

Was wir ebenfalls begrüßen: Wir werden nicht mehr gezwungen, nach einer bestimmten Zeit eine Storymission abzuschließen, was in Far Cry 5 teilweise sehr nervig war. Statt aus dem Nichts einen Pfeil abzubekommen und im Gefängnis aufzuwachen, können wir uns jetzt auch erst einmal dafür entscheiden, die Welt zu erkunden und Außenposten zu befreien, Handwerksmaterialien zu sammeln oder Weggefährten zu rekrutieren.

Wie die Hauptstory um die zwei verrückten Zwillingsschwestern letztlich aussieht, können wir zum Zeitpunkt des Anspielens nicht sagen. Das können Spieler aber ab dem 22. Februar 2019 erfahren, wenn das Spiel planmäßig erscheinen soll. Ubisoft selbst sieht sein Sequel wohl nicht als Vollpreisspiel an. Es soll demnach auf den Plattformen Playstation 4, Xbox One und PC etwa 40 Euro kosten. Es gibt wieder Anzeichen auf einen Ingame-Shop, der zum Anspielevent noch nicht funktionsfähig war. In Far Cry 5 konnten wir uns damit mächtige Wummen schon kaufen, bevor sie überhaupt freigeschaltet werden konnten. Es wird sich zeigen, ob das im neuen Titel auch so sein wird.

Far-Cry-Fans, die den Vorgänger spannend fanden, könnte auch New Dawn gefallen. Der Titel hat sehr viele Ähnlichkeiten und bietet im Prinzip mehr vom Gleichen. Wir finden das postapokalyptische Setting spannend, wünschten uns auf den ersten Blick aber trotzdem mehr Neues. So spielt sich New Dawn wie Far Cry 5 mit einem Farbanstrich. Das Spiel könnte daher durch Konkurrenten wie The Division 2 und Anthem, die zu einer ähnlichen Zeit erscheinen, untergehen.  (on)


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