Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/zweite-staffel-star-trek-discovery-weniger-wumms-mehr-story-1901-138788.html    Veröffentlicht: 17.01.2019 12:10    Kurz-URL: https://glm.io/138788

Zweite Staffel Star Trek Discovery

Weniger Wumms, mehr Story

Charakterentwicklung, weniger Lens Flares, dazu eine spannende neue Storyline: Nach dem etwas mauen Ende der ersten Staffel von Star Trek: Discovery macht der Beginn der zweiten Lust auf mehr. Achtung Spoiler!

Achtung! Wir verraten in dieser Rezension so wenig wie möglich über die Handlung der neuen Staffel. Ganz ohne Informationen kommt allerdings kein Artikel aus; zudem nehmen wir Bezug auf die erste Staffel. Wer gar nichts wissen möchte, bevor er selbst Star Trek: Discovery schaut, sollte hier nicht weiterlesen.

Zum Staffelfinale von Star Trek: Discovery flog uns die Geschichte derart rasant um die Ohren, dass wir nicht sicher waren, was dabei alles kaputtgegangen war. Sämtliche losen Enden aus zwölf Folgen mit Meuterei, Klingonenkriegern, Sporenantrieb und Paralleluniversum wurden in einem atemlosen und wenig glaubwürdigen Finale irgendwie zusammengestrickt - mit viel Tempo, aber deutlich zulasten der Handlung. Glücklicherweise scheinen die Macher der Serie daraus gelernt zu haben.

Die neuen Folgen knüpfen direkt an das Ende der ersten Staffel an, an dem die Discovery der USS Enterprise unter Captain Christopher Pike gegenüberstand. Anders, als in unserer Rezension der ersten Staffel vermutet, spielen die Enterprise und ihre Crew zumindest in den ersten Folgen der neuen Staffel aber noch keine große Rolle - mit zwei Ausnahmen, zu denen Captain Pike zählt, der Vorgänger von Captain Kirk.

Captain Kirk, ähh ... Pike

Diese Figur gehörte für uns zu den gelungenen Überraschungen des ersten Staffelfinales. In den ersten neuen Folgen zeigt sich, dass er sich gut in die Crew der Discovery einfügt: Er ist ein wohlwollend gezeichneter Charakter und hat viel von Captain Kirk aus der ursprünglichen Star-Trek-Serie. Allerdings gehen uns die Ähnlichkeiten zu weit. Schauspieler Anson Mount ist mit seiner Körperhaltung und Mimik zu nah an seinem Nachfolger auf der Enterprise. Auch der Humor wirkt auf uns stellenweise wie eine 1:1-Kopie von Kirk - schade, hier wäre mehr Raum für einen eigenständigen Charakter drin gewesen.

Bei den schon aus der ersten Discovery-Staffel bekannten Figuren haben sich die Macher aber durchaus Gedanken über die Charakterentwicklung gemacht. In den neuen ersten Folgen zeigen sich bereits einige interessante Ansätze.

Mehr Fokus auf die einzelnen Charaktere

Die Figuren, die das Ende der ersten Staffel überlebt haben, sind auch in der neuen wieder Hauptakteure und wir bekommen Gelegenheit, einige von ihnen besser kennenzulernen. Dabei scheint die Serie an die Tradition von Next Generation anzuknüpfen: Zwar gibt es offenbar keine Folgen, die sich explizit nur mit einem einzigen Charakter beschäftigen, eine Fokussierung auf persönliche Geschichten ist aber durchaus spürbar.

An dieser Stelle wollen wir noch nicht zu viel verraten, aber auch Spock wird eine prominente Rolle spielen. Die Beziehung zwischen ihm und seiner Stiefschwester Michael Burnham scheint dabei mit viel Konfliktpotenzial ausgestattet zu sein - das verspricht Spannung. Da die übergeordnete Storyline dabei nicht vernachlässigt wird, finden wir diese Mischung sehr gelungen.

Auch die Klingonen kommen in der zweiten Staffel zum Zuge: Die Serienproduzenten versuchen auch hier, der Story mehr Tiefe zu verleihen. Zudem gibt es eine neue Storyline, abseits der Klingonenproblematik der ersten Staffel, die uns gut gefällt und die vor allem Raum für spannende Einzelgeschichten lässt. Diese sind - und das zeigt sich bereits in den ersten drei Folgen - immer noch über einen roten Faden miteinander verbunden. Und es gibt einige interessante Wendungen, die der Geschichte Spannung verleihen.

Georgiou kommt zurück

Dazu zählt das Wiederauftauchen von Philippa Georgiou, Ex-Imperatorin aus dem Spiegeluniversum und nun im Dienst der Sternenflotte stehend. Georgiou wird eine eigene Serie bekommen, weshalb wir uns noch nicht sicher sind, ob ihr Auftritt in der neuen Staffel entscheidend und von Dauer sein wird. Ihre Einbindung in die Story gleich in den ersten neuen Folgen halten wir für clever, mal sehen, was sich daraus noch entwickeln wird.

Auch von der Produktionsseite her gibt es einige Unterschiede zur ersten Staffel. Besonders auffällig ist das Fehlen von Lensflares - die bei den Serienfolgen aus dem Jahr 2017 mitunter noch recht prominent waren. Nach der ersten Folge nimmt zudem der Anteil der Haudrauf-Weltraum-Action merklich zugunsten einer charakterfokussierten Erzählweise ab, was uns gut gefällt. Es bleibt zu hoffen, dass die Macher diesmal durchhalten - und nicht zum Schluss doch wieder mit viel zu viel Action alle Fäden der Storyline schnell wieder zusammenbringen.

Star Trek: Discovery startet am 18. Januar 2019 auf Netflix. Pro Woche wird es eine neue Folge geben.  (tk)


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