Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/asus-zenbook-pro-14-im-test-das-display-im-touchpad-macht-den-unterschied-1901-138764.html    Veröffentlicht: 23.01.2019 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/138764

Asus Zenbook Pro 14 im Test

Das Display im Touchpad macht den Unterschied

Ein zweiter Bildschirm im Touchpad, das kann doch nichts bringen. Allerdings stellt sich das Screenpad als sinnvolle Erweiterung heraus, die das Asus Zenbook Pro 14 im Test von anderen Notebooks abhebt. Trotz einiger Probleme wollen wir so etwas auch in anderen Geräten sehen.

Als Asus auf der Computex 2018 sein neues Zenbook Pro 14 erstmals zeigte, waren wir überrascht. Der Grund: Das Notebook hat einen Bildschirm im Touchpad, genannt Screenpad. Wir zogen direkt Parallelen zu ebenfalls sonderbaren Funktionen wie der Touchbar in Apples Macbook, waren aber neugierig, ob das Screenpad mehr als ein nettes Gimmick ist. Im Test zeigt sich: So ein Screenpad ist unerwartet praktisch. Allerdings bringt es auch einige Nachteile mit sich.

Das Zenbook Pro 14 kostet in unserer Konfiguration 1.600 Euro und wird mit Core-i7-8650U-CPU von Intel, 16 GByte RAM, Geforce-GTX-1050-Max-Q-Grafik von Nvidia und einer 512 GByte großen SSD ausgeliefert. Nach dem Auspacken des 14-Zoll-Geräts wird uns klar: Die Verarbeitungsqualität stand nicht primär im Fokus. Das Gehäuse ist zwar solide verarbeitet, allerdings fühlt sich das verwendete Aluminium etwas dünn an und die Spaltmaße zwischen den einzelnen Bauteilen sind recht groß. Das Zenbook ist - wie für Asus typisch - in einem recht aufdringlichen Design gehalten. Die Akzente aus kupferfarbenen Lautsprechergittern und schwarzer Gehäuseschale gefallen sicherlich nicht jedem Nutzer.

Wir finden die Farbgebung gelungen, das hervorstehende Displayscharnier allerdings weniger. Auch das ist ein Merkmal von Zenbooks. Beim Aufklappen wird das ohnehin schon nicht sehr dünne Gehäuse noch einmal angeschrägt, was Asus Ergolift nennt. Auf dem Schoß ist die untere Displaykante nicht sehr angenehm. Dafür ist das Scharnier sehr verwindungssteif und das Display sitzt fest in der von uns eingestellten Position.

Für ein 14-Zoll-Notebook ist unser Testmuster überraschend kompakt, wenn auch relativ dick und schwer. Die dünnen Displayränder ermöglichen, ähnlich wie beim Dell XPS 13 und anderen Subnotebooks, eine hohe Platzersparnis. Trotzdem ist hier die Webcam am oberen Bildschirmrand angebracht, was wir begrüßen. Mit 1.650 Gramm ist das Zenbook aber kein Leichtgewicht. Die zusätzliche Dicke von knapp 1,8 cm lassen das Notebook insgesamt etwas klobiger wirken als andere Geräte in diesem Preissegment.

Ähnlich ist es oftmals auch bei Lenovos Thinkpads, die dafür aber meist mit vielen Anschlüssen auftrumpfen können. Wir sind positiv überrascht, wie sehr das auch auf das Zenbook zutrifft: Zwei USB-A-Buchsen, ein USB-C-Anschluss, ein Micro-SD-Kartenleser und ein HDMI-Anschluss in voller Größe sind vorhanden. Etwas verwirrt sind wir nur von der Tatsache, dass es sich bei einem der zwei USB-A-Ports um ein älteres USB-2.0-Modell handelt. Trotzdem ist die Anschlussvielfalt von Vorteil.

Nur durchschnittlicher Bildschirm

Das Full-HD-Panel unseres Testmusters misst 14 Zoll in der Diagonale und ist leider nicht entspiegelt. Trotzdem stören Reflektionen auf dem Panel nicht ganz so stark wie bei einigen anderen Notebooks. Das ist auch gut so, denn die Helligkeit des Displays ist nur durchschnittlich gut: Wir messen durchschnittlich 271 cd/m². Außerdem schwankt die Helligkeit recht stark, denn der minimale Wert beträgt etwa 247 cd/m². In Innenräumen sind diese Werte unproblematisch, allerdings wollen wir damit nicht im Freien sitzen. Ein Touchscreen und ein Stift-Digitizer fehlen laut Asus, trotz der anfänglichen Pressebilder, die etwas anderes suggerierten.

Ironischerweise ist das ziemlich einzigartige Screenpad ein besseres Display und bringt nebenbei diverse andere Vorteile.

Kaufgrund statt Spielerei

Die Tastatur des Zenbook Pro ist durchschnittlich gut. Wir können darauf nach etwas Eingewöhnung auch längere Texte tippen. Die Tasten im Chiclet-Design sind ausreichend groß, haben aber einen etwas inkonsistenten Druckpunkt. Einige Tasten drücken sich weicher als andere. Der Tastendruck ist generell relativ weich und die in die Tastatur integrierte Power-Taste nimmt ein wenig Platz für die anderen Tasten weg. Die angeschrägte Tastatur ist nicht unbedingt ein Vorteil. Im Gegenteil: Theoretisch sollte diese Ergolift-Position zudem eher schlecht für die Hände sein.

Definitiv der Höhepunkt des Zenbook Pro ist das Screenpad. Die Idee klingt recht absurd, ist aber genial: Asus hat einen 5-Zoll-Touchscreen direkt in das Clickpad eingebaut. Den können wir als Taschenrechner, als Kalender-Applikation oder als Benachrichtigungsfeld nutzen. Viel interessanter ist aber die Tatsache, dass es sich auch als zweiter Bildschirm nutzen lässt. Das Screenpad integriert sich dabei wie ein herkömmlicher externer Zweitmonitor in Windows. Wir können den Desktop spiegeln oder erweitern und beliebige Windows-Fenster auf den zweiten kleinen Screen ziehen.

Das eröffnet viele Möglichkeiten: So spielen wir während des Schreibens ein Youtube-Video ab oder zeigen zusätzliche PDF-Dokumente dort an. In einem anderen Anwendungsfall nutzen wir das Screenpad für die Videovorschau in der Videoschnittsoftware Adobe Premiere Pro CC. Zwei Bildschirme sind gerade für solche Multitasking-Arbeiten von Vorteil. Die Größe spielt dabei auf den zweiten Blick keine Rolle, da das Screenpad bei natürlicher Nutzung des Notebooks recht nah an uns positioniert ist. Trotzdem müssen wir uns an die winzigen Bedienungselemente und den schwer erkennbaren Cursor anfangs gewöhnen.

Aus diesem Grund hat Asus eine Benutzeroberfläche auf dem Notebook installiert, mit der wir etwa die Helligkeit des Screenpads einstellen können. Häufig nutzen wir die Schnelltaste auf dem Zweitbildschirm, die das derzeit aktive Fenster automatisch darauf in voller Größe verschiebt. Das erspart zeitintensives Herumschieben von Applikationen. Außerdem können wir das Screenpad in den Touchscreenmodus umschalten, so dass sich der Bildschirm wie ein 5-Zoll-Smartphone und nicht wie ein herkömmliches Trackpad steuert. Das ist von Vorteil, wenn wir nur auf dem Screenpad Applikationen öffnen.

Was uns ein wenig verwundert: Der Bildschirm im Touchpad ist wesentlich heller als das eigentliche Hauptdisplay. Wir messen 435 cd/m², ein Topwert! Die Auflösung ist mit 1.920 x 1.080 zudem für einen so kleinen Screen ausreichend hoch.

Noch nicht ganz ausgereift

Wir finden, dass das Screenpad eine sehr gute Idee ist, wenn sie funktioniert. Wir hatten einige Male das Problem, dass Windows den Bildschirm nicht erkannt hat, nachdem wir unser Notebook aus dem Ruhezustand geholt haben. Teils hilft in dieser Situation nur ein Systemneustart oder ein Deaktivieren und Reaktivieren des Bildschirms im Geräte-Manager. Diese technischen Probleme haben wir während des Tests recht häufig entdeckt. In seltenen Fällen startet zudem die Software nicht richtig, so dass die praktischen On-Screen-Buttons auf dem Touchpad nicht angezeigt werden.

Außerdem müssen wir Kompromisse bei der Akkulaufzeit eingehen. Die verkürzt sich nämlich drastisch, wenn wir beide Bildschirme parallel nutzen. In Futuremark Powermark, der leichte Schreibarbeiten und Webbrowsing simuliert, messen wir eine Laufzeit von 5:23 Stunden. Dabei haben wir die Helligkeit des Screenpads auf etwa 200 cd/m² eingestellt. Im Touchpad-Modus ohne Bildschirmanzeige hält das Notebook beim gleichen Test und mit 200 cd/m² Displayhelligkeit 10:25 Stunden durch, was ein guter Wert ist. Dass wir fast 50 Prozent Laufzeit einbüßen, ist schon ein ziemlich grober Nachteil, den wir berücksichtigen müssen.

Im fordernderen Benchmark PCMark 8 in der Voreinstellung Home Conventional erreicht das Notebook noch etwa 5:39 Stunden - ebenfalls ein guter Wert. Dabei ist das Screenpad ausgeschaltet und die Displayhelligkeit ebenfalls auf 200 cd/m² eingestellt. Unter der Last, die auch Casual Games und Videochat simuliert, halbiert sich auch in diesem Benchmark die Akkulaufzeit auf knapp 3:00 Stunden, wenn wir den zweiten Bildschirm anschalten. Dadurch sollten wir das Screenpad am besten immer an der Steckdose nutzen, ansonsten ist der eigentlich leistungsfähige Akku mit 70 Wattstunden einfach zu schnell leer.

Dabei ist das Notebook auf dem Tisch gut aufgehoben, da es eine starke Hardware vorweisen kann und sich gut als Desktopersatz eignet.

Schnell genug für Videoschnitt und Counter-Strike

Das Zenbook Pro 14 ist für seine recht kompakte Größe ein ziemlich leistungsfähiges Notebook. Unser Testmuster nutzt einen Intel Core i7-8565U mit vier Kernen, acht Threads und einem maximalen Kerntakt im Turbo von 4,6 GHz. Der Whiskey-Lake-Chip hat ein Power-Budget von 15 Watt, die auch ausgenutzt und stellenweise auf 30 Watt erhöht werden. Während einer Partie im Team-Shooter CSGO taktet der Chip maximal auf 4,1 GHz und arbeitet damit nah am Temperaturlimit - maximal 96 Grad Celsius messen wir. Im Durchschnitt sind es noch immer fast 85 Grad.

Trotzdem ist die Kühlung nicht übermäßig laut. Unter Last hören wir das System zwar deutlich, allerdings ist es nicht nervend laut. Bei leichter Last und im Idle ist die Kühlung stumm - und das obwohl neben dem Whiskey-Lake-Prozessor eine dedizierte Geforce GTX 1050 Max-Q als Grafikeinheit rechnet. Die reicht aus, um CSGO bei hohen Details in Full-HD-Auflösung auf mindestens 85 fps zu beschleunigen. In Blizzards Shooter Overwatch müssen wir bei gleicher Auflösung die Details auf "Mittel" stellen und erhalten noch immer gut spielbare 70 Frames pro Sekunde mindestens.

Der CPU-Rendering-Benchmark BMW27 für Blender ist da schon fordernder: In 12:21 Minuten ist das Bild fertiggestellt. Zum Vergleich: Die 45-Watt-CPU Core i7-8750H in einem Alienware m15 schafft das in lediglich 7:07 Minuten. Hier macht sich die niedrigere Package-Power bemerkbar. Eine Folge des Golem.de-Wochenrückblicks renderte ausreichend schnell: Das Zenbook Pro 14 ist etwa 50 Prozent schneller, als ein Razer Blade aus dem Jahre 2016 mit Geforce GTX 970 und Core i7-6700HQ.

Im CPU-Benchmark Cinebench R15 schneidet das Zenbook Pro mit maximal 742 Punkten gut ab. Die recht effiziente Kühlung des Gerätes lässt diese Punktzahl nach sechs Durchläufen auf 645 Punkte fallen, was noch immer ein solider Wert ist.

Auch bei der NVMe-SSD kann Asus überzeugen. Unser Testmuster nutzt eine Western Digital PC SN520 mit 512 GByte Kapazität. Die M.2-SSD ist flott unterwegs: Wir messen 1.722 MByte/s im sequentiellen Lesen und 1.455 MByte/s im sequentiellen Schreiben. Programme und Dateien laden dadurch ziemlich schnell. Die Arbeit in Programmen wie Photoshop CC macht damit viel Spaß.

Wir finden, dass das Zenbook Pro 14 eine gute Mischung aus Akkulaufzeit und Leistung bietet, ohne dabei zu laut aufzudrehen. Nicht viele Notebooks können eine so ausbalancierte Leistung abliefern.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Zenbook Pro 14 kann ab etwa 1.300 Euro bei Onlinehändlern gekauft werden. Die preiswerte Version nutzt einen Core i5-8265U, eine Nvidia Geforce GTX 1050 Max-Q, 8 GByte RAM und eine 256-GByte-SSD. Für die von uns getestete Version mit Core i7-8565U, 16 GByte RAM, 512-GByte-SSD werden 1.600 Euro fällig. Dem Notebook liegt als Zubehör eine passende Tasche bei.

Fazit

Das Zenbook Pro 14 zeigt, wie ein Hersteller eine Neuauflage richtig macht. Nicht nur hat Asus das komplette Chassis der Serie generalüberholt, auch das Screenpad ist eine originelle und auf den zweiten Blick sogar effiziente Neuerung.

Das Gehäuse ist aus gebürstetem Aluminium und fühlt sich solide, wenn auch nicht übermäßig hochwertig an. Die Kupferakzente an den Kühlungsschlitzen heben das Notebook optisch von Konkurrenten ab. Uns gefällt die Farbgebung, wenn auch das Scharnier etwas stört, indem es die Tastatur anschrägt und dadurch einen schlechten Halt auf dem Schoß oder dem Tisch hat. An den Gehäuseseiten des 14-Zöllers sind zwei USB-A-Ports und eine USB-C-Buchse verbaut, so dass wir stets genug Peripherie oder einen externen Monitor per HDMI 2.0a daran anschließen können.

Sehr überzeugt sind wir vom Konzept des Screenpads. Das können wir als vollwertigen Zweitmonitor nutzen. Im Videoschnitt lassen wir dort die Vorschau laufen, beim Schreiben zeigen wir ein Dokument an. Das erleichtert den Arbeitsprozess auch ohne externen Monitor schon sehr. Eine gute Idee ist es, dass Asus diverse Funktionstasten in einer Benutzeroberfläche auf dem Screenpad einblendet, so können wir aktive Fenster mit einem Knopfdruck auf dem kleinen 5-Zoll-Bildschirm direkt herunterziehen oder vom herkömmlichen Trackpad-Modus auf einen Touchscreen-Modus umschalten.

Bei der Umsetzung muss Asus allerdings noch etwas nachbessern. Wir hatten öfter das Problem, dass der zweite Bildschirm ausgeschaltet blieb, nachdem wir das Notebook aus dem Standby aufgeweckt haben. Auch die Akkulaufzeit verkürzt sich zu stark, wenn wir beide Displays betreiben.

Das 14-Zoll-Hauptpanel mit Full-HD-Auflösung ist bestenfalls durchschnittlich gut und eignet sich für die Arbeit draußen auch wegen des spiegelnden Panels nicht sehr gut. Im Gegensatz dazu kann uns die Leistung für ein kompaktes Gerät überzeugen.

Für den gebotenen Preis von 1.600 Euro ist das Zenbook ein sehr guter Allrounder mit dem gewissen Vorteil: Das Screenpad ist entgegen unserer Erwartungen keine Spielerei und die Leistung ist solide. Asus hat ein gutes Produkt entwickelt, das wir als Arbeitsmaschine unterwegs gerne verwenden.  (on)


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