Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/unity-millionenschwerer-streit-zwischen-epic-games-und-unity-1901-138670.html    Veröffentlicht: 11.01.2019 12:43    Kurz-URL: https://glm.io/138670

Unity

Epic Games und Unity streiten um Millionen

Eine Middleware namens Spatial OS hat zu Auseinandersetzungen zwischen Epic Games und Unity geführt - und vorerst mit einem Fonds über 25 Millionen US-Dollar für Entwickler geendet, die zur Unreal Engine wechseln.

Die Middleware Spatial OS des britischen Entwicklerstudios Improbable hat einen Streit zwischen Unity - Hersteller der gleichnamigen Engine - und Epic Games geführt, dem Unternehmen hinter dem Konkurrenzprodukt Unreal Engine 4. Spatial OS unterstützt sowohl Unity als auch Unreal, aber mit Unity gibt es schon länger Diskussionen um technische und lizenzrechtliche Details.

Am 10. Januar 2019 ist die Lage dann eskaliert. Zuerst hat Unity die weitere Unterstützung von Spatial OS untersagt. Das ist nicht nur ein Problem für Improbable, sondern auch für die Lizenznehmer des Unternehmens. Spatial OS erlaubt es, über die Cloud vergleichsweise einfach miteinander verbundene Welten zu erschaffen, so dass auch kleinere Entwicklerstudios etwa ein MMO produzieren und im Erfolgsfall relativ schnell mit den wachsenden Spielerzahlen skalieren können.

Diese Studios stehen nun womöglich vor einem Problem. Ganz dramatisch scheint die Lage aber vorerst nicht zu sein: Die Entwickler des auf Unity und Spatial OS basierenden Worlds Adrift haben über Twitter erklärt, dass sie an einer Lösung arbeiteten und von Unity eine Art Entwarnung bekommen hätten.

Fast gleichzeitig hat sich aber Epic Games in die Sache eingeschaltet. Firmenchef Tim Sweeney griff unter anderem auf Twitter die erst im Dezember 2018 überarbeiteten Nutzungsbedingungen (Eula) von Unity an. Er schreibt etwa, dass die "verrückten Eula" den Vertrieb von Spielen auf Basis von Unity in nicht autorisierten Downloadshops verböten, aber in einer entsprechenden Liste sei kein einziger Store aufgeführt - was effektiv bedeuten würde, dass die Games gar nicht mehr vermarktet werden dürften. Wenig später schreibt Sweeney selbst, dass es sich "vermutlich nur um einen Fehler eines ahnungslosen Anwalts handelt, der keine Ahnung hat, wie Engines funktionieren".

Diese Einsicht hat Sweeney aber nicht abgehalten, noch am selben Tag gemeinsam mit Improbable einen Blogbeitrag mit Angriffen auf Unity zu veröffentlichen. Außerdem kündigen Epic Games und Improbable einen mit 25 Millionen US-Dollar ausgestatteten Fonds an, "um Entwicklern den Übergang zu offeneren Engines, Services und Ökosystemen zu erleichtern."

Solche spontanen Aktionen sind für Epic Games ein Klacks: Tim Sweeney wurde gerade mit einem geschätzten Vermögen von 7,2 Milliarden US-Dollar auf der Bloomberg-Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 198 eingestuft.

Unity hat sich in seinem Blog ebenfalls zu Wort gemeldet. Der (vermutlich auch nicht arme) Firmengründer Joachim Ante schreibt dort, dass es tatsächlich Schwierigkeiten zwischen Improbable und Unity gegeben habe und gebe - es geht offenbar um die Unterstützung von Spatial OS und unabhängigen Anbietern von Cloud-Diensten.

Ante schreibt ausdrücklich, dass Drittentwickler wie die Macher von Worlds Adrift von den Problemen nicht betroffen seien. Nach Veröffentlichung des Blogbeitrags merkte Ante dann noch mit einem Update an, dass die Nutzungsbedingungen von Unity überarbeitet würden, um verständlicher zu sein.  (ps)


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