Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lg-34wk95u-im-test-suboptimaler-5k2k-ultrawide-1901-138664.html    Veröffentlicht: 21.01.2019 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/138664

LG 34WK95U im Test

Suboptimaler 5K2K Ultrawide

5.120 x 2.160 Pixel klingen toll im Marketing, aber im Test des 5K2K finden wir einige Schwachstellen an LGs Ultrawide-Monitor, selbst in der Kombination mit dem farblich abgestimmten Macbook Pro.

Der LG 34WK95U soll nicht die eierlegende Wollmilchsau unter den Monitoren sein. Sonst hätte der Bildschirm, der Ende 2018 auf den Markt kam, mindestens eine Bildwiederholfrequenz von 120 Hertz oder mehr. Hohe Bildraten sind angesagt, wie auch die CES 2019 wieder gezeigt hat.

Stattdessen bietet der Monitor eine besonders hohe Auflösung für den Ultrawide-Aspekt von 21:9. Die native Auflösung liegt bei 5.120 x 2.160 Pixeln. Da dürften trotz der maximalen Bildwiederholfrequenz von 60 Hertz einige Video-Produzenten hellhörig werden. Windows und MacOS skalieren die Inhalte automatisch jeweils auf 150 Prozent.

Die Diagonale von 34 Zoll wirkt ideal für die gewählte Auflösung. Die Pixeldichte liegt bei 164 ppi (Pixel pro Zoll) und erlaubt es, bei regulärem Abstand zum Bildschirm augenschonend zu arbeiten, ohne dabei einzelne Pixel unterscheiden zu können. Das AH-IPS Panel hat eine Farbtiefe von 10 Bit (8 Bit + FRC) und eine maximale Helligkeit von 450 cd/m².

HDR-1000-Quellen können durch ein Local-Dimming-Verfahren mit 12 vertikalen Zonen angezeigt werden, wirken aber verglichen mit aktuellen nativen HDR-Fernsehern wenig beeindruckend. Das verwendete Display HDR 600 ist zwar keine Mogelpackung, allerdings auch kein echtes Verkaufsargument. HDR-Inhalte erscheinen uns auf dem 34WK95U in SDR insgesamt stimmiger als im HDR-Modus. Das Local Dimming ist sehr träge und in hellen Bildbereichen, bei Destiny 2 zum Beispiel, verschwinden Details eher, als dass mehr zu erkennen wären.

Der DCI-P3-Farbraum wird nach unseren eigenen Messungen zu 97 Prozent abgedeckt, sRGB zu beinahe 100 Prozent. Ein weiterer Nachteil im HDR-Modus ist, dass sobald er aktiv ist, keine Farbnuancen mehr eingestellt werden können. Nur im SDR-Modus lassen sich die Farbwerte kalibrieren, wie wir es von Arbeitsmonitoren gewohnt sind.

Sehr gut platzierte Anschlüsse

Auf der Rückseite befinden sich angenehm weit oben und gut erreichbar die Anschlüsse des 34WK95U. Ganz oben ist ein Thunderbolt-3-Anschluss inklusive Stromzufuhr für bis zu 85 Watt. Darunter befinden sich ein Display-Port-1.4- und zwei HDMI-2.0-Anschlüsse. Rechts daneben sind ein 2-Port-USB-A-3.0-Hub sowie ein Klinkenausgang. Über eine Klemm-Manschette werden die Kabel hinter dem Standfuß zusammengehalten.

Die integrierten 5-Watt-Stereo-Lautsprecher feuern nach unten Richtung Schreibtisch und klingen, abhängig von der Oberfläche, entsprechend ihrer Leistung. Die Lautstärke-Regelung ist über den 4-Wege-Joystick unter dem Display möglich.

Für die native Auflösung bei 60 Hertz müssen entweder der Display-Port- oder der Thunderbolt-3-Anschluss genutzt werden. Wer ein Standard-USB-C-Kabel benutzt, um beispielsweise die aktuellen Macbooks mit dem 34WK95U zu verbinden, wird nicht die volle Auflösung übertragen können und auch sonst Probleme bei der Lautstärke-Regelung oder Sound-Übertragung haben. Die HDMI-2.0-Verbindungen reichen ebenfalls von der Bandbreite nicht aus, um alle Pixel anzusteuern. Mit dem mitgelieferten Thunderbolt-3-Kabel hatten wir im Test keinerlei Probleme.

Tolle Bedienung, suboptimale Verarbeitung

Auch wenn LGs Marketing zum 5K2K(!)-Monitor beeindruckend klingt, werden in der Realität weniger Pixel angesteuert als zum Beispiel beim einfachen 5K-Display aus dem eigenen Hause oder Apples iMac-Display. Handelsübliche 5K-Bildschirme haben eine Auflösung von 5.120 x 2.880 Pixeln, also ein gutes Viertel mehr Pixel in der Vertikalen, was sich vor allem beim Programmieren oder der Bearbeitung von Bildern bemerkbar macht.

Die Bedienung erfolgt über den von LG bekannten 4-Wege-Joystick zentral am unteren Bildschirmrand. Alle Optionen sind übersichtlich gestaltet und schnell erreichbar. Wir halten LGs Bedienungskonzept für ziemlich ausgereift und insgesamt gut.

Die Reaktionszeit liegt bei den marktüblichen 5 Millisekunden, der Grau-zu-Grau-Wechsel gelingt laut Herstellerangaben in 16 Millisekunden. Das macht den Monitor nicht zur ersten Wahl für ernsthafte Spieler, ist aber völlig ausreichend für generelles Gaming. Wir haben weder Probleme in Rocket League noch in Battlefield V und auch nicht das Gefühl, als würde uns der Monitor von besseren Leistungen abhalten. Einzig das Ghosting, also das Nachziehen von Bildinhalten bei erhöhten Overdrive-Einstellungen, empfinden wir als eher störend.

Schönheitsfehler bei der Verarbeitung

Der mitgelieferte schlanke Standfuß ist aus Aluminium und farblich an die graue Apple-Hardware angepasst. Der 34WK95U kann auf ihm in der Höhe um 110 mm angepasst, aber nicht geschwenkt werden. Eine Neigung ist um 20 Grad möglich. Pivot wird nicht unterstützt. Die Montage ist simpel. Am Monitor ist ein Kensington-Lock am unteren Rand und Vesa-kompatibel nach dem 100mm-Standard. Insgesamt macht der 34WK95U aber nicht den stabilsten Eindruck. Er wackelt deutlich sichtbar bereits bei kleinen Erschütterungen.

Für erwähnenswert, weil unschön, halten wir die kleinen sichtbaren Überlappungen der schwarzen Displayränder. Hier hätte LG bei der Produktion für einen einheitlichen Rand etwas mehr investieren können, anstatt vier Einzelteile zu verkleben.

Zum Marktstart berichteten zahlreiche Käufer von Inkompatibilitäten mit dem Macbook Pro 2018, das AMDs 560X-Grafikchip nutzt. Wir konnten dieses Problem aufgrund der fehlenden Hardware nicht nachvollziehen, wollen aber dennoch darauf hinweisen. In unserem Test mit einem Windows-PC und der Verbindung einer Nvidia RTX 2070 über Display-Port sowie einem Macbook Pro 2018 und AMD-GPU lief alles problemlos.

Die Leistungsaufnahme liegt bei kalibrierten 120 cd/m² bei etwa 55 Watt, maximal bei 82 Watt. Das Netzteil ist hinter der Plastikrückwand im Monitor integriert. Ein sehr leises Surren ist abhängig von der eingestellten Helligkeit bei völliger Stille hörbar.

Verfügbarkeit und Fazit

Der LG 34WK95U ist seit Ende November 2018 in Deutschland erhältlich und kostet circa 1.350 Euro.

Fazit

34 Zoll ist die ideale Größe für diesen Ultrawide. An LGs mattem 34WK95U lässt es sich dank der hohen Auflösung von 5.120 x 2.160 Pixeln angenehmer arbeiten als am üblichen 4K-Monitor. Man darf sich aber auch nicht vom Marketing blenden lassen: LGs 5K2K-Bildschirm bietet weniger Pixel und damit Arbeitsfläche als die bereits länger erhältlichen 5K-Displays in 16:9. LGs Ultrawide wirkt in diesem Vergleich schlicht wegen der größeren Bildschirmdiagonale von 34 Zoll mächtiger als die 27- oder 32-Zoll-Geräte.



Das macht vor allem die Videobearbeitung oder das Streaming sehr angenehm. Der Monitor eignet sich wunderbar für Internetrecherchen als auch für Programmierung. Einzig wer das technisch maximal Mögliche an Auflösung will, wird hier nicht glücklich.

Optisch gefallen uns dank des guten IPS-Panels mit ordentlichem Kontrast-Wert und DCI-P3-Farbumfang auch Spiele im cineastischen 21:9-Bildformat äußerst gut. Die maximale Bildwiederholfrequenz von 60 Hertz und leichtes Ghosting bei der Nutzung der Overdrive-Funktion schmälern die Gaming-Kapazitäten des Bildschirms jedoch. HDR-Inhalte erscheinen uns auf dem 34WK95U in SDR insgesamt stimmiger als im HDR-Modus, der durch das langsame Local Dimming kein überzeugendes Bild liefert und sogar Details verschluckt.

Insgesamt halten wir LGs 34WK95U zwar nicht für optimal verarbeitet, aber dennoch durchaus für gelungen und gut. Wir denken aber auch, dass seine Alleinstellungsmerkmale relativ schnell vom technischen Fortschritt vor allem durch HDMI 2.1-Support bei kommenden Modellen verblassen werden.  (mw)


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