Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/slighter-im-hands-on-wenn-das-feuerzeug-smarter-als-der-raucher-ist-1901-138626.html    Veröffentlicht: 10.01.2019 11:25    Kurz-URL: https://glm.io/138626

Slighter im Hands on

Wenn das Feuerzeug smarter als der Raucher ist

Mit Slighter könnte ausgerechnet ein Feuerzeug Rauchern beim Aufhören helfen: Ausgehend von den Rauchgewohnheiten erstellt es einen Plan - und gibt nur zu ganz bestimmten Zeiten eine Flamme.

Für alle, die weniger rauchen oder gleich ganz aufhören wollen hat das libanesische Startup Slighter auf der Elektronikmesse CES 2019 sein gleichnamiges smartes Feuerzeug vorgestellt. Es analysiert die Rauchgewohnheiten des Nutzers und erstellt darauf basierend einen Plan, um die Anzahl der Zigaretten stufenweise zu reduzieren.

Einfach formuliert funktioniert Slighter nur dann, wenn der Plan eine Zigarette vorsieht. Das System ist aber weitaus komplizierter und ausgefeilter, als es den Anschein hat, wie uns die Entwickler im Gespräch erklärt haben.

Auf den ersten Blick sieht Slighter aus wie ein herkömmliches wiederauffüllbares Gasfeuerzeug, es ist allerdings ein klein wenig größer. Drehen wir das Gerät um, wird ein Display sichtbar. Hierüber werden Informationen zum Zigarettenkonsum angezeigt, außerdem kann der Plan angepasst werden.

Das Feuerzeug ist per Bluetooth mit einem Smartphone und einer passenden App verbunden. Fängt ein Raucher an, Slighter zu verwenden, wird zunächst eine Woche lang das Rauchverhalten analysiert - wichtig ist, dass der Nutzer in dieser Zeit wie bisher weiter raucht. Dem Hersteller zufolge kommt hierbei künstliche Intelligenz zum Einsatz.

Nach diesen sieben Tagen kann der Raucher entscheiden, ob er seinen Zigarettenkonsum nur reduzieren oder ganz mit dem Rauchen aufhören will. Entsprechend erstellt Slighter dann einen Plan, der noch angepasst werden kann - beispielsweise in der Laufzeit. Je schneller mit dem Rauchen aufgehört werden soll, desto drastischer sind die Einschnitte beim Rauchverhalten.

Slighter verfolgt das Prinzip einer schrittweisen Reduzierung der Nikotinzufuhr. Der Grundgedanke ist, dass bei einer Vergrößerung der Rauchpausen das Verlangen nach Nikotin abnimmt. Entsprechend soll es mit der Zeit einfacher sein, auf Zigaretten zu verzichten. Im Laufe der festgelegten Zeitspanne werden also die Rauchpausen sukzessive vergrößert.

Plan passt sich dem realen Leben an

Slighter erstellt aber nicht einfach einen starren Plan, bei dem der Nutzer beispielsweise in der ersten Woche einmal pro Stunde eine Zigarette rauchen darf, in der zweiten Woche dann nur noch alle zwei Stunden und so weiter. Stattdessen berücksichtigen das Feuerzeug und die verbundene App auch, wie er sich währenddessen verhält.

So kann es beispielsweise passieren, dass er die erlaubte Zigarette aus verschiedenen Gründen nicht rauchen kann oder will. Dann hat er mehrere Möglichkeiten: Zum einen kann er die Zigarette wie einen Wecker auf Schlummern stellen. So kann er sie eine halbe Stunde später rauchen, ohne gegen den Plan zu verstoßen. Die Schlummerfunktion lässt sich direkt am Touchscreen des Feuerzeugs auslösen.

Er kann die Zigarette aber auch direkt auslassen - entweder, indem er nichts tut, oder indem er den Rauchtermin auf dem Feuerzeug wegklickt. Verzichtet jemand häufig auf Zigaretten, passt Slighter den Rauchplan entsprechend an.

Umgekehrt ist es auch möglich zu "cheaten" und dann eine Zigarette zu rauchen, wenn der Plan es eigentlich nicht vorsieht. Normalerweise erzeugt Slighter in diesem Fall keine Flamme; durch einen Tipp auf den Cheat-Knopf kann er das Feuerzeug aber aktiviert werden.

Feuerzeug ist mit einer App verbunden

Der Algorithmus wiegt die Anzahl der ausgelassenen Zigaretten und der Schummelversuche gegeneinander ab. Der Nutzer wird bei einem großen Missverhältnis benachrichtigt und der Rauchplan entsprechend angepasst. Auf dem Display von Slighter ist immer ersichtlich, wann die nächste Zigarette geraucht werden kann.

In der Smartphone-App können Fortschritt und Statistiken eingesehen werden. Slighter lässt sich wie ein herkömmliches Feuerzeug auffüllen. Der Gastank lässt sich von innen mit einer LED beleuchten, damit der Füllstand des Feuerzeugs abgelesen werden kann. Geladen wird das Gerät über einen Micro-USB-Anschluss. Der Akku reicht dem Hersteller zufolge für eine normale Nutzung über 72 Stunden hinweg.

Slighter soll ab Mitte 2019 erhältlich sein und 130 US-Dollar kosten. Das Feuerzeug soll auch nach Deutschland kommen.  (tk)


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