Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/360-reality-audio-ausprobiert-sony-erzeugt-dreidimensionalen-musikklang-per-kopfhoerer-1901-138565.html    Veröffentlicht: 08.01.2019 13:00    Kurz-URL: https://glm.io/138565

360 Reality Audio ausprobiert

Sony erzeugt dreidimensionalen Musikklang per Kopfhörer

Musik aus allen Richtungen zu hören ist bisher entweder mit sehr umfangreichen Lautsprecheraufbauten verbunden oder per Kopfhörer nur mit Abstrichen möglich. Sony will das mit 360 Reality Audio ändern und Raumklang für jedweden Kopfhörer ermöglichen - auch und gerade über Streamingdienste.

Sony hat auf der Elektronikmesse CES 2019 sein neues Projekt 360 Reality Audio vorgestellt. Mit 360 Reality Audio sollen Nutzer ohne spezielle Hardware Musik in Raumklang hören können, bei dem der Klang der Instrumente aus allen Richtungen kommt.

Diesen Effekt will Sony mit herkömmlichen Kopfhörern verschiedener Hersteller erreichen, spezielle Hardware ist nicht nötig. Stattdessen ist die Software entscheidend: Musiker müssen zum einen die von Sony bereitgestellte Software zur räumlichen Abmischung ihrer Stücke verwenden. Zum anderen muss die Software auch für die Wiedergabe verwendet werden. Wir haben uns das neue System angehört und finden die ersten Ergebnisse spannend.

3D Reality Audio ist explizit für Musik geeignet

Die Grundidee hinter 360 Reality Audio ist nicht neu: Audiosignale werden schon seit vielen Jahren über mehrere Lautsprecher wiedergegeben, um einen räumlichen Klang zu erzeugen. Bisher waren diese Systeme aber hauptsächlich für Filme gedacht und weniger für Musik - das will Sony ändern.

360 Reality Audio ist explizit für die räumliche Wiedergabe von Musik gedacht. Die Musikstücke können auf Lautsprechersystemen, die aus zahlreichen Speakern bestehen, oder auf 360-Grad-Lautsprechern abgespielt werden. Da aber viele Nutzer nicht den Platz oder das Geld für derartige Aufbauten haben, wird 360 Reality Audio auch auf herkömmlichen Kopfhörern nutzbar sein.

Bevor wir das ausprobieren können, muss Sony zunächst unser Ohr vermessen. Nur so kann das Signal auf den jeweiligen Nutzer zugeschnitten werden. Sony ist momentan noch in der Entwicklung von 360 Reality Audio, weshalb der Vermessungsvorgang aktuell etwas delikat ist: Uns werden zwei spezielle, sehr empfindliche, spiralförmige Mikrofone in die Gehörgänge eingeführt und anschließend ein kurzer Hörtest durchgeführt. Danach können wir den Raumklang über Kopfhörer ausprobieren.

Raumklang funktioniert mit herkömmlichen Kopfhörern

Zum Einsatz kommen dabei recht hochwertige Sony-Modelle, dem Hersteller zufolge funktioniert das System aber auch mit preiswerteren Kopfhörern. Vorgespielt wird uns ein kurzes Teststück, bei dem die räumliche Positionierung der Instrumente im Vordergrund stand, und ein Poplied.

Die Räumlichkeit ist über die Kopfhörer deutlich wahrnehmbar, besonders, wenn sich das jeweilige Instrument hinter uns befindet. Beim Teststück bemerken wir das etwas besser als beim Popsong, aber auch da ist eine gewisse Räumlichkeit wahrnehmbar.

Vergleichen wir den Raumklang des Kopfhörers mit dem eines uns zur Verfügung stehenden Vergleichssystems aus 13 Lautsprechern, so wirkt das Lautsprechersystem realistischer. Angesichts der Tatsache, dass die Kopfhörer aber nur zwei Lautsprecher haben, ist der räumliche Effekt beeindruckend.

3D-Musik soll über Streamingdienste nutzbar sein

Sony plant, neben der Software für Musiker ein Distributionsformat für 360 Reality Audio herauszubringen, das zusammen mit dem Fraunhofer IIS entwickelt werden soll. Musikstücke in dem neuen Format will Sony auch über Streamingdienste verbreiten. Aktuell ist die Einbindung von Deezer, Tidal, nugs.net und Qobuz geplant.

Idealerweise sollen die Apps der Streaminganbieter die nötige Software für die Umsetzung des Raumklangs mitbringen. Der Nutzer könnte dann mit seinen herkömmlichen Kopfhörern sowohl normale Musik als auch Stücke in 360 Reality Audio hören.

Für die Konfiguration, die aktuell noch mit teuren Spezialmikrofonen durchgeführt wird, plant Sony den Einsatz einer App. Nutzer sollen Fotos ihrer Ohren aufnehmen, anhand derer die Anwendung die Form des Hörkanals erkennt und die Audiowiedergabe einstellt. Zeigen konnte uns Sony dies noch nicht.

Datum für Markteinführung ist noch unbekannt

Das liegt schlicht daran, dass die Entwicklung noch nicht so weit ist. Wann 360 Reality Audio marktreif sein wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Entscheidend für die Nutzerakzeptanz dürften die Einfachheit und Effektivität der Ohrvermessung sein - ob die Idee mit den Fotos funktioniert, wird sich zeigen.  (tk)


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