Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/opennet-initiative-netflix-blockiert-auch-freifunker-1901-138550.html    Veröffentlicht: 07.01.2019 16:03    Kurz-URL: https://glm.io/138550

Opennet Initiative

Netflix blockiert auch Freifunker

Netflix setzt sein Geoblocking gegen Freifunk-Nutzer ein, weil der Betreiber ein VPN nutzt. Unter anderen unterliegt die lokale Flüchtlingshilfe der Sperrung.

Freifunker in Rostock sind von Sperrungen durch Netflix betroffen, weil sie ihre Verbindungen von Hotspots zusätzlich über VPNs absichern. Das teilte die Opennet Initiative Golem.de mit. Obwohl die Exitnodes bei normalen Hostern liefen, blockiere Netflix die Initiative ebenso wie zuvor den rheinland-pfälzischen Netzbetreiber NX4 Networks. "Da ich selbst bei Freifunk - in Rostock die Opennet Initiative - aktiv bin, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass diese Situation für freie Funknetzwerke leider völlig normal ist", erklärte ein Sprecher.

"Konkret heißt das, dass sowohl unsere Mitglieder zu Hause, als auch mobile Nutzer und Organisationen, die wir unterstützen - unter anderem die Flüchtlingshilfe - keine Filme anschauen können, für deren Abo sie aber bezahlt haben." Eine Anfrage an die Netflix-Deutschland-Pressestelle durch Golem.de wurde bislang nicht beantwortet.

Dem ehrenamtlich betriebenen Projekt gelang es nach monatelangen Umwegen über soziale Medien und den Kundensupport, zum Netflix-Geosupport durchzudringen. Dem teilten die Betreiber Anfang Dezember 2018 die statischen IPs ihrer Exitnodes mit. Aber dort hielt man lediglich daran fest, dass die eigene Policy einen Zugang nicht zulasse.

Kundendienst gab Problem zuvor zu

Im Chat mit dem Netflix-Kundendienst hatte ein Betroffener im Jahr 2016 erfahren: "Wir blocken uns bekannte VPN/Proxydienste, (...) es können aber wohl Kunden betroffen sein, die solche Sachen nicht einsetzen, wenn der Internetanbieter, von denen Sie ihre IP bekommen, eben seinen Verkehr über einen dieser Dienste routet."

Hintergrund ist, dass Netflix-Chef Reed Hastings im Januar 2016 angekündigt hatte, der Streaminganbieter werde mit Technologien der Filmstudios sein Vorgehen gegen Proxys verstärken. Es werde mit Proxy-Servern und Mechanismen zur Umgehung von Zugriffsbeschränkungen nicht mehr möglich sein, auf Inhalte zuzugreifen, die in der eigenen Region nicht verfügbar seien. Dies geschehe auf Druck der Filmstudios, die sich durch Geoblocking höhere Gewinne versprechen. Wegen des Rechteverkaufs an lokale Fernsehsender und Pay-TV-Anbieter sind einige Serien oft erst Jahre nach dem Erscheinen in den USA per Streaming im Ausland verfügbar.  (asa)


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