Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/overwatch-ellie-affaere-belastet-e-sport-szene-1901-138541.html    Veröffentlicht: 07.01.2019 12:20    Kurz-URL: https://glm.io/138541

Overwatch

Ellie-Affäre belastet E-Sport-Szene

Eine Spielerin namens Ellie, die auf Augenhöhe mit männlichen E-Sportlern in Overwatch kämpft? Kann es nicht geben - fand die Community, und hat Angriffe in Foren und im sozialen Netz gestartet. Inzwischen steht fest, dass Ellie wohl tatsächlich Betrug war.

Eigentlich gibt sich gerade Blizzard viel Mühe, die Overwatch League möglichst professionell und massentauglich zu gestalten. Trotzdem sorgt derzeit ein Skandal mit einer Figur namens Ellie für reichlich Ärger - der es Frauen langfristig noch schwerer machen könnte, sich im E-Sport zu etablieren. Hintergrund: Mitte Dezember 2018 hat ein Team namens Second Wind ein neues Mitglied vorgestellt, eben Ellie.

Anfang Januar 2019 hat sich herausgestellt, dass sich vermutlich ein halbwegs bekannter Overwatch-Profi mit dem Pseudonym Punisher als Ellie ausgegeben hat. Der sagt laut US-Medien wie Kotaku, dass das falsche Spiel ein "missglücktes soziales Experiment" gewesen sei, mit dem er auf Sexismus in der Szene aufmerksam machen wollte. Hintergrund sind offenbar Streitereien und massiv frauenfeindliche Äußerungen in einem der Teams.

Ellie sollte für Second Wind bei Overwatch in der Turnierserie Contenders antreten, in der sich aufstrebende Spieler für eine Karriere als Profi empfehlen können. Nach einigen Tagen kam es in Foren und im sozialen Netz zunehmend zu Streit über die Spielerin. Ein Teil der Diskussionen war zumindest unterschwellig geprägt davon, dass sich Ellie als Frau ziemlich erfolgreich in Matches schlug. Relativ schnell wurde dann aber auch gefragt, ob Ellie nicht doch ein Mann sei.

Die Zweifel wurden auch dadurch genährt, dass es über Ellie kaum echte Informationen gab. In Streams sagte sie entweder nichts oder reagierte sehr spät - so, dass auch eine Freundin ans Mikrofon gesprungen und einen eingeflüsterten Text aufgesagt haben könnte. Allerdings ist Schweigen sonst ein durchaus normales Verhalten für computerspielende Frauen, von denen viele in Turnieren ebenso wie in Privatmatches nach Möglichkeit jeden direkten Kontakt vermeiden, weil sie andernfalls sofort massiv angebaggert und angegriffen werden.

Das Team, das Ellie angeheuert hatte, hat sich inzwischen in einer offiziellen Stellungnahme geäußert und eine Reihe von Fehlern eingestanden. Man habe Ellie einerseits nicht ausreichend überprüft, andererseits sei man nicht darauf vorbereitet gewesen, sie vor der ungewollten Aufmerksamkeit und den Angriffen zu schützen - man habe schließlich dringend einen Platz im Team besetzen müssen. Blizzard hat inzwischen gesagt, dass die Person nicht offiziell in der Liga angemeldet worden sei, weswegen auch die sonst üblichen Überprüfungen nicht stattgefunden hätten.

Der Fall Ellie dürfte langfristige Auswirkungen auf den E-Sport haben. Das befürchtet Liz Richardson, die mit Overwatchscore eine einflussreiche Seite über die Overwatch League leitet. Richardson geht laut Kotaku davon aus, dass künftig jede Frau, die versucht, sich zu etablieren, Belästigungen und Nachfragen ausgesetzt sein wird, ob sie tatsächlich selbst kämpft - bei männlichen Spielern ist das nur selten ein Thema.  (ps)


Verwandte Artikel:
Chatsystem: Blizzard testet Verknüpfung von Twitch und Battle.net   
(28.12.2018, https://glm.io/138421 )
Blizzard: Twitch kauft Übertragungsrechte an Overwatch League   
(10.01.2018, https://glm.io/132077 )
Magic The Gathering: 75.000 US-Dollar für jeden der 32 Sammelkartenprofis   
(10.12.2018, https://glm.io/138155 )
Innenminister: "Wir müssen den Begriff E-Sport ausradieren"   
(28.11.2018, https://glm.io/137955 )
Half-Life: Autor Erik Wolpaw kehrt zurück zu Valve   
(04.01.2019, https://glm.io/138511 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/