Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/us-wahlen-usa-sollen-papierlose-wahlcomputer-ausmustern-1812-138412.html    Veröffentlicht: 27.12.2018 17:50    Kurz-URL: https://glm.io/138412

US-Wahlen

USA sollen papierlose Wahlcomputer ausmustern

Nach Ansicht eines Sicherheitsexperten hätten die Zwischenwahlen in den USA durchaus stärker manipuliert werden können. Für 2020 hofft er auf bessere Vorkehrungen der Behörden. Doch das kostet viel Geld.

Trotz Fortschritten bei der Absicherung des Wahlverfahrens in den USA sind Manipulationen des Wahlausgangs in den USA nach Ansicht eines Sicherheitsexperten weiterhin nicht ausgeschlossen. Die Bundespolitik müsse dafür sorgen, dass es in allen US-Bundesstaaten im Jahr 2020 die erforderlichen Sicherheiten gebe, sagte Alex Halderman von der Universität Michigan am Donnerstag auf dem 35. Chaos Communication Congress (35C3) in Leipzig. Halderman hält dafür eine Dokumentation der Stimmabgabe in Papierform für unabdingbar.

Entsprechende Forderungen hatte Halderman bereits vor zwei Jahren auf dem 33C3 nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump aufgestellt. Der Kandidat der Republikaner war damals nur gewählt worden, weil in mehreren Staaten jeweils nur wenige Zehntausend Stimmen den Ausschlag gegeben hatten. Eine komplette Nachzählung der Stimmen in den drei Staaten war gescheitert.

Alle elektronischen Wahlcomputer austauschen

Die Ausgangslage habe sich in den vergangenen Jahren noch nicht grundlegend geändert, konstatierte Halderman. So würden weiterhin viele verschiedene Wahlcomputer eingesetzt. Dazu zählten auch Geräte, bei denen schon vor mehr als zehn Jahren Sicherheitsprobleme nachgewiesen worden seien. Zudem würden weiterhin sogenannte DRE-Wahlcomputer (direct-recording electronic) eingesetzt, bei denen die Stimme direkt im Gerät abgegeben wird und es keinen Stimmzettel auf Papier mehr gibt.

Doch laut Halderman, Mitbegründer von Let's Encrypt, ist inzwischen bei den verantwortlichen Wahlleitern das Bewusstsein gestiegen, die Wahlen sicherer zu machen. Unterstützung erhielt der Experte zudem von der Nationalakademie für Naturwissenschaften, Ingenieurswesen und Medizin, die sich in einer 160-seitigen Studie seinen Forderungen anschloss. Demnach sollten die DRE-Wahlcomputer "so schnell wie möglich aus dem Dienst entfernt werden". Die per Scanner ausgewerteten Stimmen sollten durch Nachzählungen oder Audits überprüft werden.

Bis zu 380 Millionen US-Dollar erforderlich

Diese Vorgaben haben die US-Bundesstaaten bislang sehr unterschiedlich umgesetzt. So habe Pennsylvania inzwischen die DRE-Computer durch papierne Stimmzettel ersetzt. Ein "robustes" Audit werde für die Wahlen im Jahr 2022 angestrebt. Vorbildlich sei hingegen Colorado, wo landesweit Stimmzettel eingesetzt würden und schon für 2020 ein sogenanntes Risk-Limiting Audit (RLA, risikobegrenzendes Audit) angestrebt werde. Darunter wird eine händische Nachzählung auf Basis einer statistischen Auswahl verstanden.

Als Negativbeispiel diente hingegen der Bundesstaat Georgia. Dort würden weiterhin DRE-Wahlcomputer eingesetzt, so dass ein händische Überprüfung gar nicht möglich sei. Zudem habe es bei jüngsten Zwischenwahlen Anfang November Sicherheitsprobleme bei der Wählerregistrierung gegeben. In einem Bericht für den Geheimdienstausschuss des US-Senats (PDF) wurde ebenfalls festgehalten, dass russische Hacker 2016 "in wenigen Staaten" in der Lage gewesen wären, die Daten zu Wählerregistrierung zu ändern oder zu ersetzen. Laut Halderman nutzen sie jedoch ihre Möglichkeiten nicht aus und zogen es vor, "nicht den Abzug zu drücken".

Hoffnung setzt der Sicherheitsexperte inzwischen auch auf den US-Kongress. Dort wurde von Senator James Lankford bereits das Gesetz für sichere Wahlen (Secure Elections Act) eingebracht. Damit sollen Mittel zur Verfügung gestellt werden, um Sicherheitslücken zu schließen, DRE-Wahlcomputer zu ersetzen und Audits zu ermöglichen. Bis zu 380 Millionen US-Dollar sind laut Halderman erforderlich, um die US-Wahlen im Jahr 2020 sicherer zu machen. Hexerei dafür jedoch nicht nötig, meinte der Wissenschaftler.  (fg)


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