Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dienste-programm-und-unternehmen-was-2018-eingestellt-und-geschlossen-wurde-1812-138329.html    Veröffentlicht: 27.12.2018 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/138329

Dienste, Programm und Unternehmen

Was 2018 eingestellt und geschlossen wurde

Schluss mit Google+, Cambridge Analytica und Microsofts deutscher Cloud. Im Jahr 2018 wurden viele Programme eingestellt, Unternehmen mussten aufgeben und Raketen stillgelegt werden.

Das Jahr 2018 brachte nicht nur Erfolgsmeldungen aus der IT-Welt: Mit Spannung hat Golem.de den Niedergang von Google+ als Konkurrenten zum dominanten Facebook verfolgt. Dieses hat seinerseits durch die Offenlegung des Datenskandals zur Insolvenz des dubiosen Unternehmens Cambridge Analytica geführt. Microsofts deutsche Cloud hat ebenfalls keinen richtigen Anklang gefunden und wird künftig nicht mehr angeboten. Aber auch viele andere Unternehmen, Produkte und Vorhaben mussten eingestellt werden. Wir geben einen Überblick.

Bereits im Januar 2018 mussten Fans der Smartwatch Pebble eine Enttäuschung hinnehmen. Fitbit, der Besitzer der Marke, gab die Einstellung der Pebble-Server bekannt. Bis zum 30. Juni 2018 sollten Nutzer ihre Uhr noch uneingeschränkt verwenden können, bis die Server endgültig abgeschaltet wurden.

Ohne die Serverinfrastruktur können Besitzer einer Pebble diese zwar noch immer nutzen, allerdings sind wichtige Programme wie der App Store, die Spracherkennung und Sicherheitsupdates nicht mehr verfügbar. Eine Hoffnung könnte das Projekt Rebble sein, das den Shop und andere Funktionen wieder zurückbringen soll.

Kein 3G mehr in Taiwan

Noch können auf der chinesischsprachigen Insel Taiwan 3G-Netze genutzt werden. Sie werden allerdings Ende 2018 komplett abgeschaltet. Das gab der Staat bereits im Januar 2018 bekannt. Die freiwerdenden Frequenzen sollen aber nicht ungenutzt bleiben: So können sich Netzbetreiber noch bis Ende Dezember 2018 darum bewerben, ihre vorhandenen 4G-Netze auch darauf zu betreiben.

Das Ende von 3G in Taiwan bedeutet für etwa 6,4 Millionen Bürger, dass sie auf einen anderen Tarif wechseln müssen. Dieser Zahl stehen allerdings bereits 22 Millionen Taiwaner gegenüber, die mit LTE im Internet unterwegs sind. Die Abschaltung von 2G-Diensten hatte das Land bereits 2017 durchgeführt. In Deutschland wird diese langsame Technik wohl sogar länger existieren als 3G, da es eine Rückfallebene für VoIP-Anrufe darstellt. Aber auch 3G wird es hierzulande noch ein paar Jahre geben.

Zwei Smartphone-Startups müssen schließen

Es hatte sich bereits vor Jahren abgezeichnet, wie die Geschichte von Turing Robotic Industries ausgehen würde. Der Hersteller des ungewöhnlichen Turing Phone musste im Februar 2018 Insolvenz anmelden. Mehrere Male hatte sich die Veröffentlichung des Smartphones verschoben - zuerst auf Anfang 2016, dann auf den April 2016. Dann wurde es ziemlich still um das Gerät, das mit Sailfish OS eine selbst entwickelte Alternative zu Android bieten sollte. Verkaufsargumente, wie etwa eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, waren attraktiv, der Preis war mit mindestens 610 US-Dollar aber recht hoch.

Im selben Monat musste auch das britische Startup Wileyfox den Bankrott verkünden. Das Unternehmen stellte recht preiswerte Smartphones her. Die Produkte waren auch nicht das Problem für die 30 Mitarbeiter, sondern offenbar finanzielle Schwierigkeiten des Investors. Dadurch hatten die Briten keine andere Wahl und stellten im Februar ihre Aktivitäten ein.

Kein Wortwischen mehr mit Swype

Als eine Alternative zum herkömmlichen Schreiben war die Software Swype sehr hilfreich: Zur Anfangszeit der Smartphones, als Bildschirme noch sehr klein waren, führte die App das Wortwischen als Alternative ein. Der Besitzer des Programms Nuance hat allerdings im Februar 2018 den Support für die iOS- und Android-Version eingestellt. Der Grund ist recht simpel: Da sich viele Smartphones mittlerweile sehr zuverlässig ohne Gestensteuerung bedienen lassen, ist Swype einfach nicht mehr notwendig.

Android-Nutzer können die App weiterhin nutzen, während sie aus dem App-Store für iOS komplett entfernt wurde. Allerdings gibt es keine neuen Funktionen mehr seitens der Entwickler. Dadurch wird auch die für schnelles Schreiben essentielle Wortvervollständigung nicht mehr optimiert.

Das letzte Bild von Lytro

Im März 2018 stellte der Kamerahersteller Lytro die Arbeit ein. Das Unternehmen wurde von Google für geschätzt 25 bis 40 Millionen US-Dollar gekauft. Die Lichtfeldtechnik, durch die Lytro bekannt wurde, soll zwar weiterhin bestehen bleiben, die Marke und dazugehörige Produkte waren für Google aber nicht interessant. Ehemalige Entwickler des Unternehmens arbeiten mittlerweile in verschiedenen Abteilungen.

Lytro stellte recht spannende Kameras wie die Illum her. Diese konnte anhand des Lichteinfalls Informationen zur Raumtiefe eines Objektes speichern. In der Nachbearbeitung konnten Nutzer die Schärfe entsprechend ändern, so dass entweder der Hintergrund oder der Vordergrund gut zu sehen waren. Das Fazit von Golem.de lautete schon damals: eine spannende Kamera, die aber kein herkömmliches Modell ersetzen konnte und als Zweitgerät einfach zu teuer war.

Ubers autonome Fahrzeuge bleiben stehen

Der 18. März 2018 war ein Rückschlag für den Bereich autonomes Fahren. Während eines Tests kam es zu einem Unfall zwischen einem selbstfahrenden Uber-Taxi und einer Passantin. Das Fahrzeug erfasste die Frau und verletzte sie tödlich. Für den Gouverneur des US-Bundesstaates Arizona war das ein Grund, dem Unternehmen weitere Testfahrten zu untersagen - das ist erst einmal das Aus für die Technik.

Uber musste aus dem Unfall, über den weltweit in den Medien berichtet wurde, Konsequenzen ziehen: Noch im Sommer 2018 entließ das Unternehmen 100 Testfahrer für autonome Fahrzeuge. Und trotzdem: Die Autos sind wieder auf Straßen unterwegs, werden aber von einem Menschen gelenkt. Uber will mit diesen Testfahrten weitere Daten sammeln - denn ausgereift ist das KI-System offensichtlich noch nicht.

Intel baut keine modische Datenbrille mehr

Intels Datenbrille Vaunt wurde erst im Jahr 2017 der Öffentlichkeit präsentiert, im April 2018 wurde bekannt, dass der Chiphersteller sein Projekt einstellt. Im Gegensatz zu Produkten wie Google Glass hatte die Vaunt keine integrierten Mikrofone und Kameras, was Datenschutzbedenken aus dem Weg räumen sollte. Das Bild wurde mit einem Laserprojektor auf das Auge geworfen.

Für eine Datenbrille war die Vaunt ungewöhnlich modisch. Bis auf die etwas dickeren Tragebügel sah sie einer herkömmlichen Brille sehr ähnlich. In das Gestell hätten Brillenträger auch Gläser mit Stärke einbauen können. Aus nicht näher bekannten Gründen stellte Intel das an sich vielversprechende Konzept allerdings ein. Der Markt habe einfach keine weiteren Investitionen gerechtfertigt.

Trotz des geringen Preises eine Pleite für C.H.I.P.

Next Thing Co. hatte mit dem C.H.I.P. einen kleinen Bastelcomputer entwickelt, der nur 9 US-Dollar kostete. Trotzdem war dem Unternehmen kein Erfolg vergönnt, wie offengelegte Insolvenzdokumente im April 2018 zeigten. C.H.I.P. bot mit einer Allwinner-CPU, 512 MByte Arbeitsspeicher und 4 GByte Flashspeicher einen funktionstüchtigen Linux-Computer auf einer kleinen Platine. Der Hersteller verkaufte auf Kickstarter zudem eine Art Handheld-Gehäuse für sein Produkt.

Ein Rätsel bleibt, wie das durch Crowdfunding gesammelte Kapital, 2 Millionen US-Dollar, eingesetzt wurde. Offensichtlich wurden aber Prioritäten falsch gesetzt. Das bringt den mehr als 35.000 Unterstützern allerdings wenig.

Ein Ende der Datensammelei durch Cambridge Analytica

Mit Hilfe von Facebooks fahrlässigem Umgang mit Nutzerdaten konnte das Unternehmen Cambridge Analytica Persönlichkeitsprofile erstellen und damit theoretisch Menschen in Kenntnis deren genauer Vorlieben und - wichtig - Ängste beeinflussen. Diverse Politiker sollen diese Dienste in Anspruch genommen haben, darunter auch der amtierende US-Präsident Donald Trump. Facebooks Chef Mark Zuckerberg musste sich dafür vor Gerichten und Nationen verantworten. Auch die Aktie des sozialen Netzwerkes sank teilweise stark ab.

Cambridge Analytica musste seine Geschäfte komplett einstellen, nachdem der britische Fernsehsender Channel 4 News mit verdeckten Videoaufnahmen die fragwürdigen Methoden des Unternehmens aufgedeckt hatte. Im Mai 2018 wurde bekannt, dass die Firma insolvent gegangen ist. Für Facebook ist der Imageschaden groß, denn viele Nutzer vertrauen dem sozialen Netzwerk nicht mehr.

Das Aus für Navigon-Apps

Weit verbreitete kostenlose Software wie Google Maps sind wohl daran beteiligt, dass der Navigationssystemhersteller Garmin seine Navigon-Apps zu Mitte Mai 2018 komplett eingestellt hat - nach 25 Jahren Produktgeschichte. Die Ankündigung kam recht rasch und hatte nur einen Vorlauf von etwa einem Monat. Allerdings war das Ergebnis in Anbetracht des sich rapide ändernden Markts für Navigationssysteme abzusehen, schließlich haben Besitzer von Smartphones ihr GPS-fähiges Gerät immer dabei.

Garmin, der Besitzer der Marke Navigon, teilte Golem.de mit, dass davon auch ältere Navigon-Hardware betroffen sei, die seit 2012 nicht mehr verkauft werde. Mittlerweile baut das Unternehmen Smartwatches für den Outdoor-Bereich und setzt auf professionelle Kartenplotter und Echolotgeräte. Für die Marke heißt es also noch nicht: "Sie haben ihr Ziel erreicht."

Bluesmart-Koffer waren zu smart für Flugkontrollen

GPS, App-Anbindung und ein elektronisches Schloss: Reisekoffer des Herstellers Bluesmart hatten viele Funktionen, darunter einen ziemlich großen, nicht ohne Weiteres ausbaubaren Akku. Der wurde dem Unternehmen zum Verhängnis, nachdem die USA einen Bann auf große Energiespeicher in Flugzeugfrachträumen ausgesprochen hatten. So musste das Unternehmen im Mai 2018 Insolvenz anmelden, obwohl es 2 Millionen US-Dollar durch Crowdfunding erhalten hatte.

Statt den Produktmangel zu beheben, lamentierte der damalige CEO Tomi Perucci darüber, dass die neuen Regelungen eine absolute Frechheit seien. Dabei hatte das Unternehmen fast ein halbes Jahr Zeit für Änderungen gehabt, nachdem das Verbot von diversen Fluglinien im Januar 2018 ausgesprochen worden war. So bleibt der 600 US-Dollar teure Koffer eine Erinnerung.

Das fliegende Internet hebt nicht mehr ab

Facebooks Solardrohne Aquila war ein interessantes Konzept: Das Fluggerät sollte solarbetrieben drei Monate lang in der Luft bleiben können und von dort aus als Internet-Access-Point in schlecht angebundenen Gebieten dienen. Der 40 Meter spannende Nurflügler wog 400 kg und hatte vier Propellertriebwerke. Ein erster Prototyp konnte bereits erfolgreich getestet werden.

Allerdings erzielte das Projekt anscheinend kein zufriedenstellendes Ergebnis und Facebook stellte Aquila im Juni 2018 ein. Stattdessen wolle sich das Unternehmen auf andere "regulatorische und technische Herausforderungen für die HAPS-Konnektivität" konzentrieren. Schade um ein beeindruckendes Projekt, das aber von anderen Unternehmen in ähnlicher Form ebenfalls durchgeführt wird - beispielsweise vom Flugzeughersteller Airbus mit der Solardrohne Zephyr.



Google-Proteste lassen Militärprojekt auslaufen

Mitarbeiter bei Google protestierten gegen das Projekt Maven, das in Zusammenarbeit mit dem US-Militär ein Machine-Learning-System für Luftaufklärung realisieren sollte. Einige kündigten sogar ihren Job, um ihren Unmut darüber zu äußern. Erst nahm CEO Sundar Pichai in einem offenen Brief an seine Mitarbeiter dazu Stellung, dann lenkte das Unternehmen ein: Anfang Juni 2018 wurde bekanntgegeben, dass das Projekt bis 2019 auslaufe.

Maven war für Google ein wenig lukratives Geschäft. Für 10 Millionen US-Dollar sollte die Technik über 18 Monate lang entwickelt werden. Die Zusammenarbeit mit dem Militär wäre allerdings ein guter Einstieg in weitaus lukrativere Geschäfte gewesen, wie sie etwa Microsoft bekommen hat: Das AR-Headset Hololens soll für 480 Millionen US-Dollar zu einem intelligenten Kampfvisor umgerüstet werden.

WD-Festplattenfabrik geschlossen

Der Großteil von 13.000 Mitarbeitern war im Juli 2018 ohne Job, denn Western Digital hat zu dieser Zeit seine Festplattenfabrik in Malaysia geschlossen. Gleichzeitig gab das Unternehmen bekannt, seine Flashspeicher-Werke weiter auszubauen. Das Unternehmen konzentriert sich in Zukunft mehr auf diese Technik, die mittlerweile in fast allen mobilen Geräten zum Einsatz kommt.

Festplatten haben zwar generell an Bedeutung verloren, dennoch sind sie gerade in Rechenzentren, in NAS-Systemen oder in heimischen Desktopsystemen noch immer sinnvoll, da sie im Allgemeinen eine höhere Lebensdauer als SSDs aufweisen können - vor allem, wenn viele Schreibzyklen darauf ausgeführt werden. Trotzdem ist das Umdenken einer der großen verbliebenen HDD-Produzenten ein Zeichen: HDDs werden früher oder später obsolet sein.

Dawanda gibt auf

Der Onlineshop Dawanda war eine Alternative zur beliebten Plattform Etsy. Ende August 2018 musste das Unternehmen allerdings aufgeben. Das Unternehmen sah keine Perspektive mehr auf einem Markt, der auch von Ebay und anderen Onlinehändlern wie Amazon dominiert wird. Bereits im August 2017 musste die Firma 60 Prozent ihrer Mitarbeiter entlassen. Die Schließung war folglich nur eine Frage der Zeit.

Dawanda war wie Etsy eine Onlineplattform, auf der Künstler, Handwerker und andere Verkäufer ihre größtenteils selbst gemachten Produkte anbieten konnten. Es gab dabei sogar eine Zusammenarbeit zwischen den beiden ähnlichen Shops. Verkäufer konnten aufatmen, denn sie durften ihre Waren weiterhin auf Etsy anbieten. Für die Dawanda-Belegschaft hieß es allerdings, einen neuen Job zu finden.

Keiner will die deutsche Cloud

Microsofts auf Deutschland ausgelegtes Cloud-Angebot hat kaum Anklang gefunden. Deshalb hat das Unternehmen im September 2018 das Projekt aufgegeben. Kunden, die die deutsche Cloud nutzen, können dies weiterhin tun. Allerdings garantiert Microsoft keine neuen Funktionen mehr. Stattdessen sollen Nutzer ihre Aufmerksamkeit auf den Cloud-Dienst Azure lenken. Der sei ebenfalls DSGVO-konform.

Ursprünglich hatte Microsoft seine deutsche Cloud auf die besonderen Datenschutzbedürfnisse deutscher Unternehmen ausgerichtet. Während des Aufkommens von Cloud-Diensten wie AWS und Microsoft Azure waren Kunden hierzulande besonders vorsichtig. Mittlerweile sei das anders: Flexibiliät und Funktionsumfang seien kritische Punkte, die das Produkt nicht vollständig befriedige. Es ist nur folgerichtig, dass es deshalb von Microsoft nicht weiter unterstützt wird.

Bei Wimdu geht das Licht aus

Einst war Wimdu ein Konkurrent von Airbnb: Touristen konnten darüber ebenfalls Ferienwohnungen finden und mieten, Besitzer konnten sie präsentieren. Im September 2018 wurde allerdings bekannt, dass das Unternehmen zum Ende des Jahres 2018 schließt und alle 100 Mitarbeiter entlässt. Dabei waren es die Gründer und Brüder Samwer, die mit einer aggressiven Expansionspolitik eigentlich den Hauptkonkurrenten Airbnb verdrängen wollten.

Die Voraussetzungen dazu waren zumindest gut: 90 Millionen US-Dollar konnten die Brüder für ihr Startup im Jahr 2011 von einer schwedischen Risikokapitalgesellschaft erhalten. Schnell baute das Unternehmen Büros in 20 Ländern auf. Was daraus schließlich werden sollte, konnten die Gründer damals schwer ahnen. Zumindest Kunden mit offenen Buchungen im Jahr 2019 würden noch separat kontaktiert werden - eine letzte Amtshandlung.

Telltale gehen die Geschichten aus

Im September 2018 hat der Spieleentwickler Telltale Games einen Großteil seiner 250 Mitarbeiter entlassen. Für das Unternehmen sei es ein unglaublich schwieriges Jahr gewesen und die Zeit sei abgelaufen, sagte Unternehmenschef Pete Hawley. Es ist unklar, was mit noch offenen Spielereihen wie The Walking Dead geschieht. Klar ist, dass es keine künftigen Projekte mehr geben wird.

Telltale Games spezialisierte sich auf das eigentlich schon fast tot geglaubte Adventure-Genre. In kleinen Story-Episoden mussten die Spieler Rätsel lösen und sich mit verschiedenen, oft sehr gut geschriebenen Charakteren auseinandersetzen. Ein Merkmal für Telltale waren die Entscheidungen innerhalb der Handlung, die zu teils verschiedenen Enden geführt haben sollen. In der Realität waren diese aber stets relativ ähnlich, was auf teils harsche Kritik stieß. Bekannte Reihen spielten in den Universen von Borderlands, The Walking Dead und Game of Thrones. Jetzt sind die Geschichten auserzählt - ohne Happy End.

Ein letzter Flug ins All

Im September 2018 startete zum letzten Mal eine Rakete des Typs Delta 2 ins Weltall. Sie trug den Satelliten Icesat-2 mit sich, der sieben Jahre lang Lidar-Aufnahmen von der Erde schießen soll. Für den Betreiber der Rakete war es die hundertste Mission, die die Nasa allerdings viel Geld kostete. Etwa 412 Millionen US-Dollar bezahlte die Weltraumbehörde für den Start eines Relikts des kalten Krieges, da Flüge zuletzt knapp geworden waren und teure Bauteile und Personal ungenutzt blieben.

Die Delta 2 basierte auf der ballistischen Waffenplattform Thor, die Atomsprengköpfe nach Russland befördern sollte. Die Thor geht auf Zeiten noch vor dem Jahr 1960 zurück, in denen der kalte Krieg auf der Tagesordnung stand. Mittlerweile wird die Rakete weder für den Transport von Sprengköpfen noch für unwirtschaftliche Weltraumtrips benötigt. Das können moderne Systeme einfach besser.

Von Free-to-Play in die Geschichte

Wildstar war bei seiner Veröffentlichung 2014 ein direkter Konkurrent von Blizzards MMORPG World of Warcraft: Der Zeichenstil, die Animationen, das Gameplay, Questdesign und sogar die monatlichen Kosten ähnelten dem Vorbild. Bereits 2015 musste der Titel schon auf ein Free-to-Play-Modell umgestellt werden. Er hielt sich danach drei Jahre lang als Nischenprodukt. Im September 2018 war allerdings klar, dass das Spiel komplett eingestellt wird.

Die Ähnlichkeit zum Vorbild kam nicht überraschend, schließlich waren an der Entwicklung von Wildstar einige ehemalige Blizzard-Mitarbeiter und Wow-Entwickler beteiligt. Zuletzt spielten noch etwa 200 Nutzer gleichzeitig das eigentlich als MMORPG bezeichnete Spiel. Zumindest bekommen die und alle Spieler, die ab dem 1. Juli 2018 Ingame-Inhalte erstanden haben, ihr Geld zurück.

Schluss mit Google Plus

Einst wurde Google Plus als große Alternative zum Marktführer Facebook ausgelegt. Mit dem Einteilen von Freunden in verschiedene Freundeskreise hatte das soziale Netzwerk bei seiner Veröffentlichung sogar ein Alleinstellungsmerkmal - zumindest bis Mark Zuckerbergs Unternehmen dies teils kopierte. Dennoch konnte die Plattform nie viele Nutzer anziehen und Google kündigte im Oktober 2018 dessen Schließung an.

Der Grund, dass Google das Netzwerk aufgibt, ist allerdings ein anderer: Eine Sicherheitslücke verursachte das Offenlegen von vielen persönlichen Informationen. Google sprach von potenziell 500.000 Betroffenen. Die Lücke wurde von Google über einen langen Zeitraum verschwiegen. Es könnte eine taktische Entscheidung gewesen sein, dass das Unternehmen den Vorfall als Grund vorschiebt, um das verhältnismäßig wenig relevante Netzwerk zu beenden. Schließlich kosten Server auch Geld.

Kepler geht der Treibstoff aus

Fast zehn Jahre hat das Weltraumteleskop Kepler wichtige Bilder unseres Sonnensystems und darüber hinaus geschossen. Es half bei der Beobachtung von 100.000 Sternen, von denen Forscher fast 2.700 als Planeten identifizieren konnten. Ende Oktober 2018 ging dem Teleskop der Treibstoff aus, so dass es sich nicht mehr zur sich laufend ändernden Position der Erde orientieren kann, um Daten zu senden.

Die Kepler-Missionen liefen mehr als doppelt so lange wie geplant und wurden als sehr erfolgreich angesehen. Internationale Kooperation spielte eine große Rolle bei der Entdeckung von Planeten. So konnten Astronomen auf der ganzen Welt gemeinsam feststellen, dass mindestens 20 Prozent der sonnenähnlichen Sterne feste Planeten in der lebensfähigen Zone aufweisen und damit der Erde ähnlich sein könnten. Das James-Web-Teleskop soll diese und andere Planeten weiter untersuchen, allerdings bleiben die Fähigkeiten von Kepler wohl erst einmal unerreicht.

Die letzte Cebit war eine Kirmes

Im Sommer 2018 konnte auch Golem.de auf der komplett umgestalteten Cebit Riesenrad fahren und Bratwurst am Stand essen. Allerdings war eigentlich klar, was sich im November 2018 bestätigte: Die Messe wird 2019 nicht noch einmal stattfinden, war sie mit 78.000 Zuschauern das letzte Mal schon fast nicht mehr wiederzuerkennen. Mit der Cebit 2018 endet eine traditionsreiche Messe, die in der Mitte der achtziger Jahre ihren Anfang nahm.

Auf dem Messegelände gab es zu Anfang Elektronikneuheiten für den Endkundenmarkt zu sehen. Nachdem dieses Segment sich nach und nach auf andere Veranstaltungen konzentrierte - etwa der Ifa in Berlin - unternahm die Deutsche Messe AG den Wechsel zu einer Messe für Unternehmen und den Business-to-Business-Bereich. Das hatte rapide sinkende Besucherzahlen und ein merkliches Desinteresse der Medien und Anwesenden zur Folge. Die Veranstaltung fand 2018 erstmals im Sommer statt und wurde als ein Festival mit Musik und Attraktionen aufgezogen. Das Konzept war spannend, aber keine Rettung. Im Jahr 2019 liegt das riesige Messegelände zu diesem Zeitpunkt brach.

Notebooksbilliger und Medimax sind inkompatibel

Obwohl Notebooksbilliger und Medimax im September 2018 noch fest entschlossen waren, wird eine enge Kooperation oder sogar eine Fusion nicht zustande kommen, wie der Notebookhändler im November 2018 mitteilte. Notebooksbilliger war der Meinung, dass die beiden Unternehmenskulturen einfach zu verschieden seien.

"Zu unterschiedlich sind die Gene eines Onlineunternehmens wie notebooksbilliger.de mit geradezu kultiger Startup-Mentalität und eines traditionellen, gewachsenen Filial- und Franchiseunternehmens wie Medimax", schrieb Notebooksbilliger in der Pressemitteilung. Das Ganze klang damals ein wenig danach, als brauche das Unternehmen Medimax auch einfach nicht - eine Fusion war daher wohl überflüssig.

Ein Hybridfahrzeug weniger

General Motors scheint noch immer nicht aus der Rezession herauszukommen. Das Unternehmen entließ 14.000 Arbeiter, um "die Entscheidungsfindung zu rationalisieren". Für Kunden bedeutete das: Die Produktion des vergleichsweise preiswerten Hybrid-KW Chevrolet Volt wird eingestellt. Das teilte das Unternehmen im November 2018 mit. Das Fahrzeug wurde seit dem Jahr 2010 fast neun Jahre lang produziert - in den ersten Serien mit Reichweiten von etwa 57 bis 84 Kilometern.

Der Volt wird allerdings noch bis zum März 2019 hergestellt, bevor GM die Fließbänder abschaltet. Das Auto war für etwa 22.000 US-Dollar ein attraktives Angebot, vor allem da Hybridautos oft sehr teuer sind. Eventuell beendet GM die Reihe aber auch, weil das Unternehmen nach eigenen Aussagen an neuen Elektroarchitekturen arbeitet. Nach dem Jahr 2020 will der US-Automobilhersteller 75 Prozent seines Umsatzes mit elektrischen Fahrzeugen erwirtschaften. Es wird interessant sein zu sehen, wie das funktioniert, denn momentan baut das Unternehmen vornehmlich SUVs und Pickups mit Verbrennungsmotoren.

Der Mars bleibt trocken

Es war ursprünglich eine erfreuliche Nachricht: Forscher hatten vor drei Jahren Wasser auf dem Mars nachgewiesen. Das schlossen die Wissenschaftler aus Hinweisen, die auf Chlorate und Perchlorate hindeuteten. Im November 2018 wurden diese Aussagen allerdings revidiert. Die Messungen waren falsch. Der Grund: Das Spektrometer der Sonde Mars Reconaissance Orbiter wurde von grellem Licht geblendet.

Durch diesen Effekt konnten die Forscher schließlich überall auf dem Roten Planeten augenscheinlich Chlorate entdecken, was ihnen folglich merkwürdig vorkam. Warum sollte in Wüstenregionen und an anderen unlogischen geologischen Orten Wasser liegen? Die sinnvolle Erklärung war es daher, alle gewonnenen Daten als fehlerhaft einzustufen. So bleibt Leben auf dem Mars wohl weiterhin erst einmal Science-Fiction.

Nvidias langjährige GTX-1000-Serie wird abgelöst

Geforce-GTX-Grafikkarten wie die GTX 1080 Ti, GTX 1070 und GTX 1060 spielten lange eine dominante Rolle auf dem Grafikkartenmarkt. Seit 2016 produziert Nvidia die Grafikkarten mit Pascal-Architektur. Im November 2018 war es allerdings an der Zeit, die Serie einzustellen. Entsprechend steigen momentan die Preise für die immer selteneren GPUs.

Der Grund für den Produktionsstopp ist leicht gefunden: Nvidia beerbt die GPUs mit einer neuen und effizienteren Architektur namens Turing. Zum ersten Mal seit einer langen Zeit heißen die Grafikkarten nicht mehr Geforce GTX, sondern Geforce RTX, um den Fokus auf Nvidias Lichtsimulation Raytracing zu legen. Die RTX 2080 Ti, RTX 2080 und RTX 2070 sind bereits sehr leistungsstarke Nachfolger, mangels Konkurrenz aber entsprechend teuer.

Aus für Elektroauto-Startup Faraday

Obwohl es bisher noch kein offizielles Insolvenzverfahren gibt, stand das Startup Faraday Future schon im November 2018 vor dem Aus. Das Unternehmen musste wegen Geldmangels eine Fabrik schließen, 40 Mitarbeiter entlassen und 60 weitere Arbeiter in den unbezahlten Urlaub schicken. Bis Mitte Dezember 2018 ist dem Hersteller wohl komplett das Geld ausgegangen.

Dabei zeigte das im Jahr 2015 gegründete Unternehmen erste Fortschritte und stellte das Elektro-SUV FF 91 vor, das mit etwa 1.000 PS Leistung sehr schnell beschleunigen können sollte. An der Front fuhr ein Lasersensor aus. Damit sollte sich das Fahrzeug orientieren und den Fahrer unterstützen können. Noch gibt es keine Sicherheit, dass das Startup wirklich am Ende ist. Allerdings hat die US-Regierung bereits den Besitz des Unternehmenschefs, ein Anwesen im Wert von 20 Millionen US-Dollar, konfisziert - kein gutes Zeichen.

Keine Hangouts mehr

Im Dezember 2018 wurde bekannt, dass es in Zukunft keine Google Hangouts mehr geben wird. Die Messenger-App erhielt bereits seit Mitte 2018 eigentlich keine Updates mehr. Das Ende war daher vorauszusehen. Google wird den Fokus stattdessen auf eine Business-Version des Messengers setzen.

Herunterladen können Kunden die Software allerdings noch. Sie werden dort allerdings nicht viele andere Nutzer finden. Die sind zu großen Teilen auf Alternativen wie Whatsapp und Signal ausgewichen. Und trotzdem: Erst 2020 wird der Dienst komplett verschwinden und überlebt damit sogar Googles soziales Netzwerk Google Plus.

Auch die Zeit von Allo ist vorüber

Nur noch bis März 2019 wird Googles alternativer Messenger-Dienst Allo laufen. Das Unternehmen kündigte das Aus für die Software ebenfalls im Dezember an. Auch Allo wurde seit Mitte 2018 nicht weiterentwickelt. Etwa 50 Millionen Nutzer haben die Software zumindest installiert. Unklar ist, wie viele ihn wirklich genutzt haben - offenbar aber nicht genug.

Statt Allo weiter zu unterstützen, will Google an seiner herkömmlichen Messages-App arbeiten. Die Erfahrungen bei der Entwicklung von Allo sollen dem Projekt zugute kommen. Ein wichtiger Bestandteil soll dabei das Kommunikationsprotokoll RCS werden, das SMS ersetzt, sich bisher allerdings nicht wirklich durchsetzen konnte. Das ist bei kostenfreien Alternativen, die über das herkömmliche Internetprotokoll kommunizieren, aber auch kein Wunder.

Viele Unternehmen und Produkte zeigen bereits Anzeichen, dass sie im kommenden Jahr 2019 auf dieser Liste hier stehen werden. So hat Fujitsu Deutschland fast sämtliche Aktivitäten eingestellt und der ehemals sehr erfolgreiche Hersteller HTC hat ein Viertel seiner gesamten Belegschaft entlassen. Wir blicken gespannt auf das nächste Jahr und hoffen, dass es neben Misserfolgen auch neue Möglichkeiten und spannende Projekte geben wird, die kommen, um zu bleiben.  (on)


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