Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/spielejahr-2018-von-battle-royale-und-revolverhelden-1812-138294.html    Veröffentlicht: 25.12.2018 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/138294

Spielejahr 2018

Von Battle Royale und Revolverhelden

Ohne Battle Royale ging 2018 wenig, aber das Spielejahr hatte auch Überraschungen zu bieten: erstklassige Soloabenteuer wie in God of War und viel weniger Murks mit Mikrotransaktionen. Nur auf Informationen über die PC-Version von Red Dead Redemption 2 warten wir noch immer!

Falls es auch nur einen Spieler gibt, der bei der Frage nach dem wichtigsten Trend, Thema oder Titel im Jahr 2018 nicht sofort "Fortnite Battle Royale" antwortet: Er möge allein auf Erangel schmoren, also auf einer der Inseln von Pubg. Wahlweise aber auch auf der Battle-Royale-Map von Call of Duty, Counter-Strike, Fear the Wolves, H1Z1 - oder den vielen anderen Games, die den Überlebenskampf mit mehr oder weniger vielen Mitstreitern inzwischen ebenfalls bieten.

Vor allem der Erfolg von Fortnite Battle Royale mit über 200 Millionen Spielern hat die Gamesbranche verändert und ein ganz neues Ökosystem geschaffen. Darin gibt es inzwischen auch im Mainstream bekannte Influencer wie Ninja. Dazu kommt ein gerade angekündigter Downloadshop namens Epic Games Store plus angehängter Middleware, ein kleiner Kult um Siegertänze und vieles mehr. Aber auch der Klassiker Pubg schlägt sich in seinem zweiten Jahr mehr als wacker: Das inzwischen auch für die Playstation 4 verfügbare Actionspiel steht immer noch weit oben in wichtigen Verkaufscharts.

Das schöne im Jahr 2018 war: Wer online spielen wollte, hatte dazu mehr Gelegenheiten als je zuvor. Aber auch wer lieber in Soloabenteuer eintauchen, spannende Storys erleben oder Welten auf eigene Faust Welten erobern wollte - hatte mehr hochkarätige Auswahl als je zuvor. Eine besonders gelungene Handlung gibt es etwa in God of War (Test auf Golem.de), das auf innovative Weise von der Beziehungsgeschichte zwischen dem Kriegsgott Kratos und seinem Sohn Atreus erzählt.

Man muss sich das mal klarmachen: Statt brachialer Action allein wie in früheren Serienteilen gibt es ausgerechnet in God of War nun eine sensibel erzählte Story - natürlich plus brachiale Action, ohne dass sich die Kombination gezwungen oder künstlich anfühlt.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Spiele, die wunderbare Geschichten erzählen, etwa die (leider!) ebenfalls nur für die Playstation 4 produzierten Detroit Become Human und Spider-Man (Test auf Golem.de), Letzteres übrigens mit einer für ein Superheldenspiel angenehm positiven und lockeren Stimmung.

Far Cry, Monster Hunter und andere Welten

Aber auch in Spielen, die für mehr als nur eine Plattform entwickelt wurden, haben die Handlungen im Vergleich zu früheren Serienteilen zugelegt. Gut sichtbar ist das etwa bei Far Cry 5 (Test auf Golem.de) und vor allem bei Assassin's Creed Odyssey (Test auf Golem.de). Erfreulicherweise bietet sogar der gut gemachte Storymodus von Fifa 19 (Test auf Golem.de) einige Überraschungen.

Interessant ist dabei vor allem, dass Szenario und Geschichte auf der einen und Gameplay auf der anderen Seite immer geschickter miteinander verzahnt werden. Ein Vorzeigetitel ist hier Kingdom Come Deliverance (Test auf Golem.de), das seine mittelalterliche Handlung relativ glaubwürdig in Spielmechanik überträgt, indem sich Spieler etwa an die Tagesabläufe in einem Kloster halten müssen.

Es gibt aber auch ganz klassisch anmutende Games, in denen die Story eher Beiwerk ist, und die trotzdem richtig Spaß machen. Etwa Monster Hunter World (Test auf Golem.de), das sich sogar zu einem der bestverkauften Spiele des Jahres entwickelt hat - was vermutlich nicht mal Publisher Capcom in diesem Ausmaß geahnt haben dürfte. Ein anderer derartiger Fall ist das jüngste Abenteuer von Lara Croft, die in Shadow of the Tomb Raider (Test auf Golem.de) zwar toll konstruierte Rätsel lösen und Fallen ausweichen darf, aber die Handlung fühlt sich da stellenweise nicht sehr wichtig an.

Dafür konnte eines der ganz großen Spiele sowohl bei Solisten mit seiner Kampagne als auch bei den Fans von Multiplayermodi punkten: Das Ende 2018 veröffentlichte Red Dead Redemption 2 (Test auf Golem.de) von Rockstar Games schickt Spieler in ein riesiges Abenteuer im Wilden Westen. Der Onlinemodus befindet sich derzeit noch in der Betaversion, die Einschränkungen und Probleme sind durchaus spürbar.

Aber das dürfte sich nach und nach ändern. Vielleicht ist das Programm ja irgendwann sogar eine echte Konkurrenz für Fortnite. Immerhin: Eine Art Battle Royale gibt es auch in Red Dead Online. Zu der von vielen Fans erhofften Umsetzung auf PC äußert sich Entwickler Rockstar Games übrigens weiterhin nicht - aber möglicherweise tut sich da im kommenden Jahr was.

Neben vielen sehr guten Games gab es 2018 aber auch eine Reihe von Flops - sogar in Serien, von denen das im Vorfeld kaum jemand erwartet hätte. Der wohl prominenteste ist Fallout 76 (Test auf Golem.de), das mit seinen leeren Welten und vielen inhaltlichen Problemen einfach kaum Spaß macht. Sogar das Drumherum geriet für Publisher Bethesda zum Debakel, sei es der Streit um allzu billige Taschen als Beilage für eine Sonderedition oder seien es Probleme mit der Datensicherheit.

Metal Gear und andere Ärgernisse

Eine weitere altehrwürdige, aber sinnlos verheizte Serie war Metal Gear, deren Ableger Survive (Test auf Golem.de) kaum jemand kaufen und vermutlich so gut wie niemand langfristig spielen wollte. Und sogar ein zeitweise fast kultisch verehrtes Vorzeigestudio wie Valve hat mit seinem ersten eigenen Spiel seit vielen Jahren nicht den ganz großen Erfolg hingelegt: In den hauseigenen Steam-Charts ist das Sammelkartenspiel Artifact (Test auf Golem.de) nur unter "ferner liefen" zu finden, die Nutzerbewertungen sind "ausgeglichen" - was für ein derart ambitioniertes Team und Spiel wohl fast so etwas wie ein Verriss sein dürfte.

Bei Artifact stört viele Spieler, dass Valve sehr viel Geld für Extras verlangt, die bei vergleichbaren Titeln kostenlos zu haben oder mit dem Basispreis abgedeckt sind. Damit steht Artifact erstaunlicherweise ziemlich allein da, denn Mikrotransaktionen und Lootboxen waren 2018 kein großes Thema mehr. Offenbar haben viele Publisher aus dem Aufstand der Community - Ende 2017 ausgelöst vor allem durch Star Wars Battlefront 2 - dann doch die richtigen Schlüsse gezogen und sehr konsequent auf Pay-to-win und ähnliche Ärgernisse verzichtet.

Speziell in Deutschland ist 2018 wohl so etwas wie ein Jahr des Übergangs gewesen. Die Spielebranche bereitet sich auf die von der Bundesregierung beschlossene neue Förderung vor, über die langfristig hohe Millionensummen für vielversprechende Projekte bereitstehen. Allerdings dürfte es einige Jahre dauern, bis erste Blockbuster mit dem Siegel "Made in Germany" im Laden stehen. Noch fehlt so gut wie alles an international konkurrenzfähiger Infrastruktur.

Und noch eine Änderung gibt es in Deutschland: Entwickler können - sofern sie sich für historische Stoffe interessieren - dann auch etwas einbauen, was erst seit 2018 erlaubt ist. Nach einem Beschluss der USK dürfen Hakenkreuze und vergleichbare Symbole in Spielen unter bestimmten Bedingungen gezeigt werden. Das gilt ähnlich wie in Filmen etwa dann, wenn es um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Geschichte geht, oder wenn die Haltung des Werks wie in Wolfenstein 2 - klar erkennbar gegen das Dritte Reich gerichtet ist.

Erstaunlich ruhig verlief 2018, was Konsolenhardware angeht. Neue Modelle haben Sony, Microsoft und Nintendo nicht vorgestellt, auch bei Technologien wie dem Spielestreaming hat sich wenig getan. Nach Schätzungen von VGChartz von Ende November 2018 liegt die Playstation 4 bei 88 Millionen Geräten weltweit, die installierte Basis der Xbox One bei 41 Millionen Konsolen und die Nintendo Switch bei etwas mehr als 21 Millionen Geräten. Mit der Ruhe in diesem Markt dürfte es aber bald vorbei sein: Es wäre erstaunlich, wenn 2019 nicht endlich neue Hardware auf den Markt käme.  (ps)


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