Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/imho-valves-ka-ching-mit-der-brechstange-1811-138007.html    Veröffentlicht: 30.11.2018 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/138007

IMHO

Valves "Ka-Ching" mit der Brechstange

Es klingelt seit Jahren in den Kassen des Unternehmens von Gabe Newell. Dabei ist die Firma tief verschuldet - und zwar in den Herzen der Gamer.

Valve schuldet der Spielerschaft noch immer Half-Life 3. Das Unternehmen will dafür aber erst einmal genügend Geld mit dem neuen Sammelkartenspiel Artifact sammeln. So kommt es einem jedenfalls vor, und viele Spieler nehmen das hin. Sie erfinden zum Teil sogar noch Entschuldigungen für den milliardenschweren US-Konzern.

Oft kommen zum Beispiel Argumente wie: "Die astronomischen Erwartungen wären sowieso nicht erreichbar" oder "die angestauten Erwartungen kann doch niemand erfüllen". Ist das wirklich so?

15 Jahre warten Spieler inzwischen darauf, zu erfahren, wie es mit Gordon Freeman und den Aliens weitergeht. Wenn eine Firma wie Am2 es nicht schafft, Shenmue weiterzuerzählen, weil sie pleitegeht, ist das nachvollziehbar. Dass Valve mit Half-Life 3 nicht in die Pötte kommt, ist unverschämt. Das Geld ist da, Ideen gibt es zuhauf, und andere Firmen feiern mit modernen Versionen ihrer Klassiker Erfolge, siehe id Software und Doom.

Die Firma um Gabe Newell hat sich durch vier hervorragende Spiele namentlich Half-Life, Half-Life 2, Portal und Portal 2 in die Herzen der Gamer gegraben - zurecht. Seitdem gibt es endlos Vorschusslorbeeren und vorgestrecktes Vertrauen seitens der Spielerschaft. Damit muss auch mal Schluss sein. Zur Realität gehört nämlich, dass vorfreudige Gamer Valve auch deshalb die Treue halten, damit sie irgendwann noch mal die Geschichte um Wissenschaftler Freeman vollenden können.

Damit ist aber nicht mehr zu rechnen. Und deshalb wird es Zeit, dass Spielern bewusst wird, wo Valves wahrer Fokus liegt: auf der Brieftasche von Spielern. Das beweisen sie erneut mit Artifact, dem Sammelkartenspiel zu Dota 2. Obwohl bereits mit dem Free-to-Play-Strategiespiel massig verdient wird, in Form von Skins und anderen optischen Erweiterungen, entscheiden sich die gleichen Entwickler dazu, bei Artifact für jede noch so unbedeutende Karte Geld zu verlangen.

Bereits über fünf Jahre verdient Valve mit Dota 2 hervorragend. Das Unternehmen verkauft zum Beispiel für 30 Euro den Battle Pass für Dota 2. Allein diese Verkäufe bringen Valve Millionen US-Dollar ein, ein Viertel davon fließt zum Beispiel in das öffentliche Preisgeld vom Profiturnier The International. Ähnliches gilt für die Mikrotransaktionen von Counter-Strike und Team Fortress 2. Und trotzdem geht die Spirale immer weiter. Dabei tritt Valve nicht nur den Fans auf die Füße, sondern sorgt bei Steam mit fragwürdigen Aussagen und einem merkwürdigen Zick-Zack-Kurs immer öfter für Stirnrunzeln. Für viele Entwickler steht der Onlinemarktplatz für die gleichen Probleme, die er zu seiner Einführung einmal lösen sollte.

Wie immer kann der Kunde nur mit seiner Brieftasche mitentscheiden. Und nur, wenn Spieler beginnen, Projekte wie Artifact und Einkäufe auf Steam künftig doppelt und dreifach zu überdenken, kommen wir Half-Life 3 auf nur irgendeine Art und Weise einmal wieder näher als 2004.  (mw)


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