Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/landwirtschafts-simulator-auf-dem-c64-auf-zum-pixelernten-1811-137964.html    Veröffentlicht: 30.11.2018 09:28    Kurz-URL: https://glm.io/137964

Landwirtschafts-Simulator auf dem C64

Auf zum Pixelernten!

In der Collector's Edition des Landwirtschafts-Simulators 19 ist das Spiel gleich zwei Mal enthalten - einmal für den PC und einmal für den C64. Wir haben die Version für Commodores Heimcomputer auf unserem Redaktions-C64 gespielt, stilecht von der Cartridge geladen.

Der Landwirtschafts-Simulator von Giants Software gehört mittlerweile zu den Klassikern der Simulations-Spiele, kürzlich hat das Studio die Version 19 veröffentlicht. Wer so realistisch wie möglich Traktoren und Mähdrescher fahren möchte, dürfte bei der neuen Version wieder auf seine Kosten kommen.

Für Liebhaber alter Heimcomputer hat das Entwicklungsstudio eine Überraschung parat: In der Collector's Edition des Spiels ist eine Version für den C64 enthalten, die sich von CD über einen beigefügten Emulator spielen lässt. Im uns zugesandten Presse-Kit liegt das Spiel auch auf einer echten Cartridge für den C64 vor.

Diese haben wir natürlich sofort ausprobiert und unseren immer dienstbereiten Redaktions-C64 angeworfen. Davor haben wir die Cartridge aber erst einmal aufgeschraubt und uns die Chips genauer angeschaut. Dem Farming Simulator stehen geradezu wahnwitzige 512 KByte Speicher zur Verfügung, das Spiel selbst ist auf einem Eeprom von ST untergebracht.

Nach dem Einschalten des C64 und der Einblendung des Giants-Software-Logos wird uns kurz die Steuerung erklärt. Der Farming Simulator C64 Edition, so der offizielle Titel des Spiels, lässt sich sowohl mit einem Joystick als auch mit der Tastatur spielen. Steuern wir unsere landwirtschaftlichen Geräte mit dem Joystick, benötigen wir für bestimmte Aktionen immer noch die Tastatur.

Der anschließende Startbildschirm ist relativ unspektakulär, er zeigt eine Szene auf dem Land - der Soundtrack hingegen ist nicht schlecht. Starten wir ein Spiel, werden wir direkt ohne Umschweife aufs Feld geworfen. Anstelle eines Tutorials gibt es eine Anleitung auf Papier, die alle Fragen klärt.

Im Spiel müssen wir mit unseren Fahrzeugen ein Feld pflügen, Samen aussäen, die Ernte einfahren und diese verkaufen. Vom Erlös müssen wir neue Samen und Benzin für unsere Maschinen kaufen. Geht uns das Geld aus, ist das Spiel vorbei. Die vier zur Verfügung stehenden Landwirtschaftsmaschinen sind nicht einfach irgendwelche: Unser roter Traktor ist ein Case IH Magnum mit Pflug, der grüne Traktor ein Fendt 700 mit Saatmaschine, der blaue Traktor ist ein New Holland T7 mit einem Anhänger, die grüne Erntemaschine ist ein John Deere T560 - so erklärt es zumindest die Anleitung.

Mit den Tasten F1, F3, F5 und F7 schalten wir zwischen den Fahrzeugen umher. Die H-Taste aktiviert die für das Spiel komplett unnötige, aber witzige Hupe.

Realismus ist eher zweitrangig

Anders als beim Landwirtschafts-Simulator 19 lässt der Grad an Realismus bei der C64-Version natürlich etwas zu wünschen übrig. Die Traktoren lassen sich beispielsweise nur anhand der Farbe unterscheiden, die eigentlichen Zugfahrzeuge bestehen aus den gleichen Symbolen. Aber immerhin haben die Entwickler an die unterschiedlichen Werkzeuge gedacht, die an den Traktoren angebracht sind.

Die Steuerung der Fahrzeuge orientiert sich nicht an der Position auf dem Bildschirm. Wollen wir geradeaus fahren, müssen wir unseren Competition Pro nach vorne drücken, auch, wenn unser Traktor nach unten fährt. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig. Auf der Tastatur steuern wir unsere Fahrzeuge mit den WASD-Tasten. Die E-Taste oder der Feuerknopf des Joysticks aktiviert die jeweilige Funktion der Landwirtschaftsmaschine - also den Pflug oder die Saatausgabe. Dann fahren die Fahrzeuge deutlich langsamer, was sinnvoll ist.

Nach dem Pflügen und Säen wachsen unsere Pflanzen. Werden die Felder gelb, können wir mit unserer John-Deere-Maschine die Ernte einfahren. Dazu fahren wir einfach über die Felder, nachdem wir die E-Taste gedrückt haben. Am unteren Bildrand rechts wird uns der Füllstand der Erntemaschine angezeigt, daneben die Tankfüllung. Ist der Laderaum voll, müssen wir zu unserem Traktor mit Anhänger fahren und ausladen. Der Anhänger fasst zwei volle Ladungen der Erntemaschine.

Ist der Anhänger voll, müssen wir die kleine Straße finden, die zu unserem Hof führt. Auf der ersten Seite der Anleitung ist eine kleine Karte abgedruckt, die beim Finden der Straße hilft. An unserem Hof angekommen, können wir unsere Ernte verkaufen. Von dem Geld tanken wir dort auch unsere Fahrzeuge auf.

Das Spiel geht so lange weiter, bis uns das Geld ausgeht - bei durchdachten Aktionen kann das durchaus dauern. Auf Dauer ist das Spiel aber doch sehr repetitiv, wir müssen stets die gleichen Schritte durchführen. Verschiedene Level gibt es nicht, nur eine einzige Karte. An die Komplexität der PC-Version kann das Spiel nicht heranreichen, was natürlich an den Limitierungen des C64 liegt.

Fazit

Bei allen Einschränkungen macht der Farming Simulator für den C64 Spaß, zumindest kurzweilig. Entstanden ist er offenbar aus der Leidenschaft der Entwickler des Landwirtschafts-Simulators für den C64, was wir als C64-Fans natürlich gutheißen. Dass das Spiel der Collector's Edition nur als Version für einen Emulator beiliegt, ist sinnvoll: Die meisten dürften schlicht keinen funktionsfähigen C64 mehr zu Hause herumstehen haben.

Martin Rabl, PR- & Marketing-Manager von Giant Games, hat uns erklärt, wie es zur C64-Version gekommen ist: Die Idee entstand nach einem Gespräch darüber, auf welchen Plattformen der Landwirtschafts-Simulator in den vergangenen Jahren erschienen ist. Jemand meinte dann, dass der C64 noch fehle. Entwickelt wurde das Spiel schließlich im Auftrag von Giant Software von der ungarischen Demo-Gruppe Singular Crew, es mussten also keine Programmierer von Giant Software abgezogen werden.

Die technischen Limitationen des C64 schlagen sich beispielsweise in dem Umstand nieder, dass von den vier verfügbaren Fahrzeugen immer nur zwei gleichzeitig zu sehen sind. Die maximal mögliche Anzahl an darstellbaren Sprites verhindert es, alle vier Fahrzeuge auf einmal zu zeigen. Die Grafik an sich ist aber gut, wenngleich nicht so beeindruckend wie von anderen neuen C64-Spielen wie etwa Sam's Journey.

Insgesamt ist die C64-Version des Landwirtschafts-Simulators ein nettes Retro-Gimmick. Und wem die Spieltiefe zu gering ist, der kann einfach zum Landwirtschafts-Simulator 19 wechseln, den es ja praktischerweise dazu gibt.  (tk)


Verwandte Artikel:
Giants Software: Ländliche Mods auf Playstation und Xbox   
(21.08.2018, https://glm.io/136095 )
Giants Software: Landwirtschafts-Simulator 19 bekommt Pferde   
(15.02.2018, https://glm.io/132797 )
Sam's Journey im Test: Ein Kaufgrund für den C64   
(16.02.2018, https://glm.io/132800 )
Antstream: Streaming-Dienst für Retro-Games soll in Kürze online gehen   
(04.07.2018, https://glm.io/135313 )
Klassiker: Internet Archive bietet Tausende spielbare C64-Games   
(11.10.2018, https://glm.io/137068 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/